Ost- und West-Berlin: Endlich zusammengewachsen?

Rund 20 Jahre nach WillyBrandts berühmtem Satz "Jetzt muss zusammenwachsen, was zusammengehört!" ist die Einheit immer noch ambivalent - zumindest in Berlin, der ehemals zerrissenen Stadt tun sich Manche
Ost Berlin und West Berlin zusammengewachsen?
Foto © York
immer noch schwer, die Mauern aus ihren Köpfen endgültig zu verabschieden.

Für einen Großteil der Berliner dürfte die Mauer, die Deutschland dereinst nach dem 2. Weltkrieg in zwei Teile gespalten hat, auch aus dem Kopf verschwunden sein. Faktisch ist sie auch schon seit geraumer Zeit physisch nicht mehr vorhanden. Der Mauerfall liegt nun gut zwei Jahrzehnte zurück. Infrastrukturell ist Berlin längst wieder eine Einheit: ob es nun Strom- und Telfonleitungen sind oder U- und S-Bahnverbindungen. Auch lässt sich heute nur noch erahnen, wo damals die Mauer verlief. Vor allem für Touristen ist dies rein städtebaulich kaum mehr zu erkennen.

Insbesondere am Potsdamer Platz, der noch Jahre nach dem Mauerfall als innerstädtische Brache das Zentrum Berlins verschandelte,
kann man heute kaum mehr ersehen, dass hier zu DDR-Zeiten der Todesstreifen, ein Niemandsland zwischen Ost und West, verlief. Nach der Wiedervereinigung wurde der Potsdamer Platz durch die Finanzkraft des Automobilkonzerns Daimler und die schöpferische Kühnheit eines internationalen Architektenteams unter der Leitung des Italieners Renzo Piano wieder in eine der ersten Adressen Berlins verwandelt. Auch im neuen Herzen Berlins, dem Regierungsviertel und dem erst 2006 fertiggestellten Hauptbahnhof - noch eine sehr sterile Gegend - soll bald mit gediegenen Wohnkomplexen Leben einkehren. Dass das neue Herz der Hauptstadt ein transplantiertes und nicht etwa ein historisch gewachsenes ist, sieht man der Gegend noch an. Immerhin: in den Sommermonaten schlagen hier eine ganze Reihe von angesagten Strandbars ihre Zelte auf - saisonal bedingt wird die Mitte zum Magnet.

Trotz alledem: Deutschland, einig Vaterland - für einige ist dies immer noch eine Fiktion für Idealisten, eine Wunschvorstellung, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage, welche die "Berliner Zeitung" zu Beginn des Gedenkjahres 2009 in Auftrag gegeben hatte, zeigten sich viele Befragte in Ost und West von den Entwicklungen der vergangenen 20 Jahren enttäuscht. Während demnach damals noch 71 Prozent der Ostdeutschen erwarteten, dass sich ihre persönlichen Lebensverhältnisse verbessern würden, sagen heute nur noch 46 Prozent, dass dies eingetroffen sei. Im Westen sind es nur 40 Prozent; 1989 waren es dort 52 Prozent.

Die Euphorie, die nach dem Mauerfall insbesondere in Berlin vorherrschte, ist damit verflogen. Stattdessen hat sich Ernüchterung breit gemacht. So wird es sie noch weiterhin geben: die alteingesessenen Westberliner, die seit der Wende noch nie einen Fuß nach Friedrichshain oder gar Lichtenberg gesetzt haben und ihr Inselleben weiter kultivieren. Und die Ostberliner, die trotz der immer noch höheren Gehälter im Westteil der Hauptstadt niemals eine Arbeitsstelle in Charlottenburg annehmen würden, weil die Wessis ihnen zu arrogant sind. Doch dieser Typus Berliner stirbt zwar nicht aus, geht aber doch zunehmend unter. Immer mehr Zugezogene aus dem Rest der Bundesrepublik "verwässern" die harten Fronten zwischen Ost- und Westberlin. Bei der Wahl ihres Wohnortes, ob nun Kreuzberg oder Friedrichshain, ob am Wannsee oder amMüggelsee, verschwenden sie meistens kaum einen jener Ost-West-Gedanken. Manche Wohnbezirke wie z.B. Prenzlauer Berg haben seit dem Mauerfall sogar einen nahezu Komplett-Austausch ihrer Bevölkerung erlebt. Auch der Bezirk Mitte wird immer mehr zum Melting Pot von Menschen aus allen Teilen Deutschlands und der Welt. Hier braut sich ein völlig neues Hauptstadtgefühl zusammen, das immer mehr auch in die Randbezirke ausstrahlt. Berlin bekommt immer mehr Gesichter, wird bunter, schriller, kosmopolitischer. Und in ein paar Jahren wird der eingefleischte Ossi/Wessi nur einer und ganz vielen schrägen Vögeln sein.
Text:A.K.


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- Die Glienicker Brücke: Journaille und Journaliere
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