Gregor Gysi: "Nicht einmal ein Linksrückchen!"

"Der Kapitalismus hat 1989 nicht gesiegt. Er ist nur übrig geblieben.", sagte der PDS-
Gregor Gysi
Pressefoto © DIE LINKE
Politiker Gregor Gysi in einem Interview, kurz nachdem er 2002 in Berlin unter rot-roter Regierung zum Wirtschaftssenator unter
Klaus Wowereit gewählt worden war. Bekennender Sozialist und Minister für Wirtschaft und Arbeit in einem - geht das überhaupt?, fragten sich damals viele Deutsche. Allzulange hatte Gysi allerdings keine Zeit, sich in dieser paradoxen Position zu profilieren - und zu beweisen, dass er den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit, wie das Marx nannte, zum Wohle der Stadt auflösen kann. Wegen der sogenannten Freiflug-Affäre, bei der öffentlich wurde, dass er Bonusmeilen für einen Privatflug gemeinsam mit seiner Familie nach Kuba missbraucht hatte, sah sich Gysi bereits wenige Monate nach seiner Wahl zum Wirtschaftssenator gezwungen, von seinem Amt zurückzutreten.

Gysis politische Laufbahn


Für Gysi jedoch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Denn Gysi ist wie ein Stehaufmännchen. Er hatte drei Herzinfarkte und eine schwere Gehirnoperation,
doch der Sohn einer kommunistisch-jüdischen Funktionärsfamilie konnte von der Politik trotz seiner Krankheiten nie loslassen. Zweimal in seinem Leben hat er sich aus allen politischen Ämtern verabschiedet und ist jedesmal wieder zurückgekommen.

Trotz SED-Vergangenheit kann man Gysi nicht unbedingt vorwerfen, Honecker zu DDR-Zeiten geistig sehr nahe gestanden zu haben. Nachdem Gysi 1971 seine Zulassung als Rechtsanwalt in Ostberlin erhalten hatte, vertrat er in den folgenden 18 Jahren auch Angehörige politischer und kirchlicher Oppositionsgruppen, die mit dem DDR-Regime über Kreuz geraten waren. Auch der im Osten damals prominente Publizist Rudolf Bahro, der als Dissident verfolgte Robert Havemann und die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley zählten zu seinen Klienten. 1988 stieg Gysi zum Vorsitzenden des Rechtsanwaltskollegiums auf. Als ein Jahr später die Unruhen begannen, die im Herbst 1989 in den Mauerfall mündeten, engagierte sich Gysi unter anderem als Anwalt des "Neuen Forums", welches als oppositionelle Vereinigung durch die Behören verfolgt wurde. Somit war Gysi aktiv in einen Reformprozess involviert, der im Herbst 1989 den Staatsapparart der DDR erschütterte bzw. zerrüttete. Am 4.November 1989 sprach er auf der legendären Massenkundgebung auf dem Alexanderplatz vor rund 500.000 Zuhörern und forderte ein neues Wahlrecht sowie ein Verfassungsgericht. Innerhalb kurzer Zeit avancierte er durch Auftritte dieser Art zu einer der Medienstars des Herbsts.

Gregor Gysi als Medienstar


Ein Medienstar, das ist Gysi auch heute noch. Gemeinsam mit Oskar Lafontaine hat der gelernte Rinderzüchter und Rechtsanwalt daran gearbeitet, die ehemalige SED zu einer demokratischen Partei umzuformen, die mittlerweile auch im Westen Erfolg hat. Seit 2005 arbeitet er mit dem ehemaligen SPD-Spitzenpolitiker daran, als Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag die Interessen der sozial Benachteiligten, inbesondere der Wendeverlierer, zu vertreten. So stammt etwa die Idee des flächendeckenden Mindestlohns ursprünglich von der Linkspartei, nicht etwa von der SPD. Von manchen wird die Linkspartei heute zumindest als wichtiger Korrekturfaktor gesehen. Wenn auch die Alleinherrschaft der Linken sicherlich chaotische Ausmaße annehmen könnte, so steht die Partei Gysis und Lafonaines als Koalitionspartner Gewähr für soziale Werte. In einem Interview mit dem Tagesspiegel nannte Gysi einst sehr konkret sieben Forderungen der Linken: den gesetzlichen Mindestlohn, den Kampf gegen die Kinderarmut, einen Abzug der Soldaten aus Afghanistan, die Überwindung von Hartz IV, die Reform der Gesundheitsreform, die Rente mit 65 statt erst mit 67 und eine deutliche Angleichung von Lebensbedingungen von Ost- an Westdeutschland. Nur müde lächeln kann Gysi übrigens über den Linksruck der SPD. "Das ist nicht einmal ein Linksrückchen", spottete der Politiker und sagte: "Die SPD hat sich längst von der Sozialdemokratie verabschiedet."
Die Webseite von Herrn Gysi: www.gregorgysi.de
(Text: ak)

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