Friedbert Pflüger: Mission (Im)possible

Von 2006 bis 2011 war Pflüger Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und anfangs als Vorsitzender der CDU-Fraktion auch Oppositionsführer. Am 11. September 2008 wurde er auf einer Sondersitzung der CDU-Fraktion als Fraktionschef abgewählt, nachdem er neben dem Fraktions- auch den Parteivorsitz beansprucht hatte.

Sein Ziel war es, den rot-roten Senat abzulösen, doch Friedbert Pflügers Ambitionen gerieten immer mehr zur Mission Impossible, je mehr der niedersächsische CDU-Politiker seine mangelnde Identifikation mit Berlin herausposaunte. So erklärte er z.B. in einem Interview mit der Neuen Presse Hannover: "Meine Heimat ist Hannover - das halte ich hoch und heilig." Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, mit Pflüger als Spitzenkandidaten und Bürgermeisteranwärter, fuhr die Berliner CDU ihr schlechtestes Wahlergebnis seit Bestehen der Bundesrepublik ein. Das Ergebnis wurde in Berlin nur im Jahr 1948 vor Gründung der Bundesrepublik unterboten.

Dass sich Pflüger damals nach der Wiedervereinigung gegen einen Umzug der Bundesregierung nach Berlin ausgesprochen hatte, hatte so mancher Berliner sicher auch noch im gedächtnis behalten, als er sein Kreuzchen lieber bei Wowereit machte. Auch wenn Pflüger seine Meinung inzwischen geändert hat und seine eindeutige Präferenz zugunsten Berlins betont, so dürfte die Tatsache, dass Pflüger sich dereinst als Bonn-Unterstützer profiliert hatte und in der wichtigen Hauptstadt-Abstimmung des Bundestages im Jahr 1991 für Bonn als Sitz von Bundesregierung und Bundestag votiert hatte, im Kampf um das Bürgermeisteramt nicht gerade förderlich gewesen sein.

Immerhin: nachdem auch Pflüger als Vertreter seines Wahlkreises Hannover seine Siebensachen in Bonn packen musste und sich eine Wohnung in Berlin nahm, nutzte er die Jahre, um genug Berliner Lokalpatriotismus in sich aufzusaugen. Denn ein Mindestmaß an Hauptstadtstolz ist ja dennoch vonnöten, um sich für das "Himmelfahrtskommando" als CDU-Spitzenkandidat einspannen zu lassen.
Denn nichts anderes war es im Grunde. Nichtsdestotrotz schaffte es Pflüger, den allgemeinen Abwärtstrend der Berliner CDU zu stoppen. Ein echter Befreiungsschlag aus dem 19-Prozent-Trauma gelang ihm jedoch nicht.

Wie dem auch sei: Mit seinem Wahlspruch "Berlin kann mehr!" blieb er neben Wowereits Slogan "arm aber sexy" vergleichsweise farblos. Zumindest könnte man ihn so beschreiben, wenn man es schlecht mit ihm meint. Als einen konturlosen Pragmatiker, der noch nie so wirklich aufgefallen ist. Dennoch hat er es geschafft, sich innerhalb der CDU einen großen Namen zu machen. Denn dort gilt er als Vordenker, der Partei immer ein bisschen voraus. Damals in Bonn gehörte er zur Pizza-Connection, eine kleine intime Runde von Unions- und Grünen-Abgeordneten, die sich regelmäßig traf, um über schwarz-grüne Perspektiven zu sprechen. Immerhin, selbst heute, Jahrzente später, ist es noch fast revolutionär, über schwarz-grüne Regierungsbündnisse ernsthaft und laut nachzudenken. So kann man Pflüger eins in jedem Fall nicht vorwerfen: ein politischer Wendehals zu sein. Schon zu Kohls Amtszeiten schlug er nicht unbedingt den opportunistischen Weg als Gefolgsmann ein. So stellte er sich 1993 in aller Öffentlichkeit gegen Kohls Absicht, den konservativen sächsischen Justizminister Steffen Heitmann zum Präsidentschaftskandidaten der Union zu machen. Vor allem während der CDU-Spendenaffäre setzte er sich dafür ein, dass Kohl nicht mehr Ehrenvorsitzender der CDU bleiben sollte. Sein persönliches großes politisches Vorbild war stets ein anderer: Richard von Weizäcker. Für ihn leitete Pflüger direkt nach seinem Studienabschluss in Harvard das Bürgermeisterbüro in Berlin. Auch nach von Weizäckers Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin blieb Pflüger seinem politischen Vorbild treu und folgte ihm nach Bonn, um als Pressesprecher von Weizäckers Arbeit als Bundespräsident zu unterstützen. Ob Friedbert Pflüger die Mission (Im)possible gelingt, es seinem Lehrmeister nachzutun, den er in seiner eigenen Vita als väterlichen Freund beschreibt, bleibt allerdings noch ungeschriebene Geschichte. (Text: ak )

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