Klaus Wowereit: Meister der kleinen Geste Er ist ein echtes Berliner Kindl, Sohn aus einfachen Verhältnissen und hat sich
Ein Bild von Klaus Wowereit
Klaus Wowereit ( Pressefoto Berliner SPD )
von ziemlich weit unten nach ziemlich weit oben vorgekämpft. Seit 2001 als Regierender Bürgermeister Berlins im Amt werden ihm nun von vielen Seiten Kanzlerambitionen unterstellt. Mit seiner 2007 erschienenen Biographie "Und das ist auch gut so - mein Leben für die Politik", einem Titel, der auf eine Schlüsselszene in seinem politischen Leben verweist, drängte er einen großen Schritt nach vorne im öffentlichen Bewusstsein. Obwohl man gleichzeitig ja auch argwöhnen könnte, dass man gewöhnlicherweise erst dann mit den Memoiren beginnt, wenn die besten Zeiten bereits hinter einem liegen.

Wie dem auch sei: die Berliner mögen ihren "Wowi". Und das trotz rigider Sparpolitik, die das klaffende Loch im Stadtsäckel erzwingt. Wowereits politische Herausforderung besteht im Wesentlichen in der Sanierung der maroden Landesfinanzen. Auch durch sein bundesweit nicht ganz unumstrittenes Bündnis mit der PDS brach sich Wowreit keinen allzugroßen Zacken aus seiner Krone als Sympathieträger. Vielleicht, weil er - Glamour-Boy der SPD hin oder her - im Grunde doch einer von ihnen, den ganz normalen Berlinern ist? Das legt zumindest sein Buch nahe,
in dem er seine Geschichte als jüngstes von fünf Geschwistern schildert. Als Kind, das in Lichtenrade ohne Vater, jedoch von seiner Mutter Hertha, einer einfachen Putzfrau, in relativ buntgescheckten Verhältnissen aufwuchs. Die Biographie erzählt von den Problemen, die Heizrechnung zu bezahlen, Hänseleien in der Schule und den sehnsüchtigen Blicken ins Schaufenster des KaDeWe. "Nach heutigen Maßstäben hätte die Familie Wowereit zum 'Prekariat' gezählt, jener von den Wortkünstlern meiner Partei erfundenen Gesellschaftsschicht, deren richtigen Namen man nicht auszusprechen wagt", schreibt Wowereit. "Ja, wir waren arm im Vergleich zu den Apothekern, Ärzten und Beamten, die in Lichtenrade wohnten." Auf ähnliche Weise hatte schon Gerhard Schröder bei den Menschen kräftig gepunktet. Einen Vergleich mit dem Ex-Kanzler lässt Wowereit auch gerne gelten.

Besonders großen Bekanntheitsgrad erlangte Wowereit mit seinem öffentlichen Bekenntnis zu seiner Homosexualität auf dem Sonderparteltag am 10.Juni 2001. Ein mutiger Schritt, denn damit war er der erste deutsche Politiker, der sich als schwul outete. Seine später geäußerte Überzeugung, sogar die Bundesrepublik wäre bereits reif für einen homosexuellen Kanzler, wurde im September 2007 sogar durch eine Emnid-Umfrage bestätigt, wonach sich 79 Prozent der Bundesbürger einen solchen Kanzler vorstellen können. "Ich bin schwul - und das ist auch gut so!" - dieser Satz wird auch heute noch gern und häufig zitiert.

Schlagzeilen macht "Wowi" bevorzugt auch als leidenschaftlicher Partygänger. Feste sind ihm bekanntermaßen die willkommensten Anlässe, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Vor allem zu Beginn seiner Amtszeit nutzte er viele solcher Gelegenheiten, sich medienwirksam zu inszenieren. Neben vielen Bällen und Eröffnungsgalas trat er auch im Fernsehen, z.B. bei Wetten Dass…?, auf. Unter anderem spielte er bei einem Gastauftritt in der Fernsehserie "Berlin, Berlin" im Jahr 2004 sich selbst. Auch im Film "Alles auf Zucker!" hatte er einen kurzen Auftritt als Regierender Bürgermeister.

Manche schimpfen Wowereit wegen seiner Vorliebe für die eher lockeren Anlässe
"Partymeister". SPD-Anhänger wussten sein Talent für charmante Selbstinszenierung jedoch wieder zu schätzen, als der
CDU-Politiker Friedbert Pflüger im letzten Wahlkampf gegen den rot-roten Regierungschef antrat. Da setzte sich Wowereit im Parlament einfach auf die Oppositionsbank zu den Grünen und fing dort vor laufender Kamera gemütlich das Plaudern an, während Pflüger am Rednerpult vergeblich das Duell mit Wowereit suchte. Ganz Meister der kleinen Geste ließ er die Jamaikaträume der Opposition platzen - das hat schon was.
Herr Wowereit hat auch eine eigene Webseite: www.klaus-wowereit.de
(Text: ak / 25.02.2008)


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