Friedrichshain-Kreuzberg: zwei ungleiche Schwestern :

Dieser Bezirk ist aus einer Fusion eines ehemaligen Ostbezirkes
( Ortsteil Friedrichshain ) mit einem ehemaligen West-Bezirk (Ortsteil Kreuzberg ) hervorgegangen ist.
Frankfurter Tor im Bezirk Friedrichshain
Frankfurter Tor in Friedrichshain
Foto © Sonny Burnett
Zwar eint beide Bezirksteile die Eigenschaft, neben Prenzlauer Berg die beliebtesten Szenekieze der Hauptstadt zu haben, doch die harte Trennlinie entlang der Spree, wo vor der Wende die innerdeutsche Grenze verlief, existiert in vielen Köpfen immer noch. Kreuzberg und Friedrichshain wären jedoch keine echten Berliner Szenekieze, wenn ihre Bewohner die Animositäten nicht humorvoll lösen würden. Seit 1998 findet alljährlich an der Oberbaumbrücke, die die beiden Bezirksteile miteinander verbindet und somit das Wahrzeichen des Bezirks darstellt, eine als Demonstration angemeldete Wasserschlacht statt. Als Geschosse der Demo, die grundsätzlich friedlich verläuft, dienen faule Eier, selbstgebastelte Wasserwerfer oder Mehlbomben. Erlaubt ist alles, was wabbelt, glibbert und stinkt.
Die beiden Bezirksteile beschuldigen sich gegenseitig, vom jeweils anderen völkerrechtswidrig belagert und vereinnahmt worden zu sein. Ziel beider Parteien ist es, die Einheit der beiden Stadtteile - natürlich unter der eigenen Führung - wiederherzustellen.

Billig, bunt und fröhlich - diese Schlagwörter treffen zwar sowohl auf Kreuzberg als auch auf Friedrichshain zu. Dennoch kann man die beiden Schwesterbezirke beileibe nicht in einen Topf werfen. Schon hinsichtlich der Bevölkerung gibt es einen augenfälligen Unterschied: in Friedrichshain gibt es kaum Ausländer und auch keine Alt-68er, denn Letzteres ist ein reines Westphänomen. Auch die Geschichte der beiden Bezirksteile könnte unterschiedlicher kaum sein. Kreuzberg war vor der Wende Berlins Bezirk mit der stärksten Außenwirkung. Als Punk-Nest und Öko-Beet im Schatten der Mauer erlangte Kreuzberg in erster Linie durch die 1.Mai-Randale und die Hausbesetzungen gegen die Kahlschlagsanierungen einen berühmt-berüchtigten Ruf. Zudem gilt der Stadtteil auch heute noch als größte türkische Exklave außerhalb der Türkei.
Die Oberbaumbrücke im Bezirk Friedrichshain - Kreuzberg
Die Oberbaumbrücke verbindet die Stadtteile
Friedrichshain und Kreuzberg / Foto © Clarini
Der Begriff Multikulti begann hier zu gedeihen und wurde teilweise auch gelebt, lange bevor er überhaupt im deutschen Selbstverständnis geprägt war. Bürger übernahmen Verantwortung für ihren Kiez, noch bevor es ansatzweise so etwas wie Bürgerdiskussionsforen in Stadtteilläden gab. Dieser Mythos von der alternativen Oase verliert seit der Wende jedoch zusehends an Farbe. Mit dem Mauerfall wurde Kreuzberg plötzlich in die Mitte Berlins katapultiert und plötzlich waren andere Stadtteile wie eben z.B. Friedrichshain subversiver. Nichtsdestotrotz ist Kreuzberg nach wie vor mit seinen zahllosen bunten Kneipenmeilen entlang der Oranien- und der Bergmannstraße eine der Top-Ausgehviertel Berlins. Am Heinrichplatz lassen sich sogar noch so berühmte Kneipen wie z.B. die "Rote Harfe" oder "Zum Elefanten" finden, wo in den 1970er Jahren Strategien zur Verhinderung der Senatspläne erdacht wurden, nach denen das Viertel saniert und die Hinterhöfe entkernt werden sollten.

Friedrichshain kann in Sachen Nachtleben mittlerweile bestens mithalten.


Rund um die Simon-Dach-, die Wühlisch- und die Boxhagener Straße hat sich ebenfalls ein quirliges Szeneleben entwickelt. Viele Berliner finden Friedrichshain mittlerweile sogar cooler, ist hier doch die Nachwende-Aufbruchsstimmung zwischen den vielen immer noch unsanierten Häuserzeilen noch authentisch zu spüren. Friedrichshain, zumindest nach dem 2.Weltkrieg und zur Zeiten der DDR war mehr oder weniger ein reiner Arbeiter-Bezirk mit viel Industrie und Gewerbetreibenden.
Der im Süden von Friedrichshain gelegene Osthafen war zu DDR-Zeiten einer der wichtigsten Warenumschlagsplätze in Ost-Berlin. Von dieser Ära zeugen noch heute die alten Kühl- und Lagerhäuser am Ufer. Im ehemaligen Eierkühlhaus ist heute Universal Music eingezogen, daneben eröffnete MTV sein Quartier. Dennoch erinnern die vielen Bioläden, Clubs und Kneipen entlang der Boxhagener Straße an das alte Kreuzberg, das politischere, das von vor etwa 20 Jahren. Aufschriften wie "Yuppie fuck off!" zieren die Häuserwände. Es scheint so, als hätte die rebellische Jugend in einem großen Treck einmal über die Oberbaumbrücke gesetzt, nachdem sie zwischenzeitig eher unpolitisch den "Ich mach was mit Medien"-Lustlosigkeiten nachgehangen war. ( Text: A.K. )

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