Marzahn-Hellersdorf: vom Acker- zum Plattenbau :

Marzahn-Hellersdorf ist einer der Bezirke Berlins, die neben Neukölln oder Lichtenberg-Hohenschönhausen
Plattenbau in Lichtenberg
Ein Hochhaus in Berlin Marzahn
Foto © Lachgeist
am meisten von Negativ-Klischees behaftet sind: Plattenbautristesse, hohe Arbeitslosigkeit, Kinderarmut und eine hohe Kriminalitätsrate sind die Dinge, die einem als erstes einfallen. Was natürlich nicht aus der Luft gegriffen ist. Nicht umsonst hat in Marzahn-Hellersdorf, wo in den 70er Jahren aufgrund der Wohnungsnot in der DDR die Mega-Plattenbauten wie Pilze aus dem Boden schossen, Deutschlands größtes Kinderhilfswerk "Die Arche" ihr Hauptquartier bezogen. In der berühmten Suppenküche werden täglich Heerscharen sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher mit einer warmen Mahlzeit versorgt, die ihnen das Elternhaus aus Geldnot nicht gewährleisten kann. Gehörte der Einzug in die frisch hochgezogene Platte in den 70ern noch in
den Vorstellungsbereich vom sozialistischen Himmelsreich, stehen heute viele der insgesamt fast 100.000 bis zur Wende in Marzahn und Hellersdorf entstandenen Plattenbauwohnungen leer. Erste, besonders hässliche Exemplare sind sogar bereits wieder abgerissen oder rückgebaut worden.

Dabei hat Marzahn-Hellersdorf durchaus mehr zu bieten als reine Betonwüsten, z.B. den Erholungspark, dessen Ruf es bereits weit über die Stadtgrenzen hinaus geschafft hat. In den "Gärten der Welt" kann man auf 21 Hektar Fläche balinesische, koreanische, japanische, orientalische und chinesische Gartenbaukunst bewundern. Eigentlich sollte der Park bei seiner Eröffnung 1987 einen Gegenpart zum Britzer Garten darstellen. Heute hat er der Britzer Konkurrenz längst den Rang abgelaufen. Direkt an den Erholungspark im nordöstlichen Teil des Bezirks grenzt zudem das Naturreservat Wuhletal an. Hier verläuft auch ein Teil des zwischen 2002 und 2005 neu angelegten Wuhletal-Wanderweges. Vier Kilometer hiervon sind mit Wegweisern, Beschilderungen, Nist- und Futterplätzen sowie Aussichtsplattformen ausgestattet - ein echter Geheimtipp für Wander- und Naturfreunde. Sportliche laufen das Wuhletal, ein Überrest einer eiszeitlichen Schmelzwasserrinne, sogar bis nach Köpenick hinunter.

Im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf


Auch die Marzahner Bockwindmühle, das Wahrzeichen des Bezirks, ist einen Besuch wert. Die 1993 gebaute Mühle ist voll funktionstüchtig und kann täglich bis zu 1.000 Kilo Roggen und Weizen verarbeiten. Das Mehl wird dann zum "Marzahner Mühlenbrot" verbacken. Dass ein altes Handwerk wie dieses hier noch praktiziert wird, erstaunt viele. Wer sich ein wenig im alten Marzahner Dorfkern umschaut, wird sogar noch mehr ländliches Idyll entdecken. Die Dorfkirche beispielsweise erinnert daran, dass schon viele hundert Jahre vor der Bezirksgründung Marzahns im Jahr 1970 Menschen hier gelebt haben, wenn natürlich auch deutlich weniger. Bereits 1300 wurde das Dorf Marzahn durch den Markgrafen Albrecht III. erstmals urkundlich erwähnt. Dörfer wie Biesdorf, Kaulsdorf, Mahldorf und Hellersdorf kamen über die Jahrhunderte hinzu. Bevor die DDR das Gebiet mit Plattenbauten übersäte, war es in erster Linie von Ackerbau geprägt. Tomaten, Gurken, Getreide und Kartoffeln wurden angebaut. 1953 wurde hier die "Neue Ordnung" gegründet, die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Berlins.
Mit wachsendem Wohnungsbau und dem Einzug der Industrie verschwand zunächst in den Siebzigern die Tierzucht, später wichen nach und nach auch die vielen Gewächshäuser.

Heute verfügt Marzahn-Hellersdorf über das größte zusammenhängende Gewerbegebiet Berlins. Neben rund 14.000 Kleinbetrieben und mittelständischen Unternehmen hat sich neben dem Eastgate als zentrales Einkaufsgebiet die "Helle Mitte" in Hellersdorf herausgebildet. Neben zahlreichen Cafés, Restaurants, Boutiquen, einer großen überdachten Markthalle, einer Shoppingmall und einem Cineplex hat sich hier auch das Rathaus des Bezirks niedergelassen.

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