Der "Berliner Balkon" in Marzahn :

In der Berliner Geschichte wurde dem Balkon weit mehr als nur die Bestimmung zuerkannt, begehbarer Vorsprung eines Hausgeschosses in freier Luft zu sein. Vor der Erfindung der elektronischen Medien war er auch ein Weihe ausstrahlender Abkündigungs-Platz der Großkopfeten.
Berliner Balkon
Foto © -wn-
Auf einem solchen Vorbau nahe dem zweiten Portal des Berliner Stadtschlosses mit Blick auf die heutige Rathausstraße muss am 22. März 1848 König Friedrich Wilhelm IV. auf striktes Verlangen der Berliner Bürgerschaft erscheinen, um den 183 vorbeigetragenen toten Barrikadenkämpfern auf dem Wege zum Friedrichshain - wenn auch versteinerten Gesichts - die letzte Ehre zu erweisen. 2. August 1914: Kaiser Wilhelm II. verkündet über dem domseitigen vierten Portal seinen berüchtigten Satz "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!", mit dem er die damals noch euphorischen Untertanen auf die später als Erster Weltkrieg beweinte blutige Katastrophe einschwört. Zwei weitere Balkon-Kundgaben stehen am 9. November 1918 auf dem Programm: Nachmittags proklamiert der Spartakusbund-Führer Karl Liebknecht ebenfalls vom vierten Portal (deshalb heute Fassadenelement des Staatsratsgebäudes) eine "Freie Sozialistische Republik Deutschland". Dem war der SPD-Reichstagsabgeordnete Philipp Scheidemann vom Westbalkon des Reichstages mit dem Ausloben einer "deutsche Republik" zuvorgekommen. In Rede steht auch ein Balkon an der Reichskanzlei in der Wilhelmstraße. Am Abend des 8. März 1936 nimmt Adolf Hitler die Ehrfurchtsbezeigungen seiner Parteigänger entgegen. Dabei testet er für staatsmännisch gehaltene Gesten, die er bei dem Schauspieler
Paul Devrient trainiert hatte, darunter das energische Zusammenlegen der Hände vor dem Geschlechtsteil. Er zelebriert Varianten des nach ihm benannten Grußes: den auf Augenhöhe schräg nach oben gestreckten rechten Arm mit flacher Hand und die von ihm bevorzugte Geste, bei der der Arm nach hinten angewinkelt wurde.

Der Berliner Balkon


Über einem weiteren hauptstädtischen Balkon waltet abgeklärte Ruhe. Er entstand vor Millionen Jahren, als Riesenmassen Geschiebemergel eines nordischen Gletschers in Gestalt einer wallartigen Aufschüttung zum Stillstand kamen. Wenn die Endmoräne auch - da ohne menschliches Zutun entstanden - mit niemand in Verbindung steht, ist sie doch geschichtlich belangreich. Seit dem vorigen Jahrhundert nennt man dieses augenfällige geologische Ereignis den "Berliner Balkon", weil dieser vorsprungartig nach Westen in die Berliner Landschaft hineinragt. Die Rede ist von einem 25 Hektar großen, unbesiedelt gebliebenen Hang zwischen Mahlsdorf und Kaulsdorf. Es ist in Berlin die einzige sichtbare Stelle, an der die ostwärts bis ins Oderbruch reichende Moränenplatte des Barnim hier 15 Meter tief ins Warschau-Berliner Urstromtal hinabfällt. Von oben bietet sich bei günstigem Wetter ein gefälliger Blick ins Urstromtal hinein, über die Siedlungsgebiete von Mahlsdorf und Kaulsdorf bis nach Köpenick, zum Kaulsdorfer und Mahlsdorfer See. Man erkennt die Müggelberge und die Skyline Berlins.

Wie das Foto zeigt, fällt dieses Zeichen tektonischer Urgewalt aus dieser Perspektive nicht spontan ins Auge. Den abschüssigen Charakter des Areals erkennt man am ehesten rechts am Verlauf des Weges in den Elsengrund hinein. Wer also auf dem Balkon steht und in westliche Richtung weiterläuft, steigt zumindest ab hier zweifelsfrei nach Berlin "hinunter". Den Barnim lässt spürbar auch hinter sich, wer auf den abfallenden Abschnitten der Prenzlauer- und Schönhauser Allee oder der Brunnenstraße südwärts auf die Torstraße zufährt - denn "der Höhenort" Pankow liegt auf dem Barnim. Dessen Hochfläche nimmt den ganzen Nordosten der Stadt ein. Die begrenzenden Kanten der Barnim-Hochfläche sind jedoch selten sichtbar. Das für seine Akkuratesse in geografischen Beschreibungen bekannte, trotz seines Alters von rund 150 Jahren instruktive "Landbuch der Mark Brandenburg" von 1858 erläutert, dass bei einem Befahren der "Steinbahn" von Berlin nach Bad Freienwalde (heute B 158) der Anstieg auf das Barnim-Plateau kaum zu spüren ist. Hingegen fallen am anderen, östlichen Ende des Barnims, zwischen Bad Freienwalde und dem nahen Falkenberg, "die steilen, tannen- und laubholzbesetzten Abhänge des Barnim-Plateaus (ins Auge), dessen Kuppen meilenweit in das grüne Bruchland herniedersehen". Insofern ist der "Berliner Balkon" eine geologische Rarität.
Dieser Tatsache Rechnung tragend, wurde 2004 ein mit 900000 Euro EU-Mitteln geförderter Weg aus frostbeständigem Gloritbeton quer über den östlichen Teil des Balkons angelegt. Er beginnt an der Kreuzung Kressenweg/Elsenstraße und führt zum Aussichtspunkt "hinauf", wo eine Holzskulptur den Balkon kunstreich nachempfindet. Ein weiterer Balkon-Weg beginnt an der Straße Alt-Mahlsdorf (B1/5) gegenüber der Neuenhagener Straße und führt über den Aussichtspunkt bis zum 1960 von Charlotte von Mahlsdorf (Lothar Berfelde, 1928-2002) geschaffenen Gründerzeitmuseum im Gutspark Mahlsdorf. Der Park liegt schon im Hinterland des "Berliner Balkons", also auf der Barnim-Hochfläche, dieser alten Landschaft des geografischen Mittelmaßes, die nie ein Gebirge werden konnte.

Wie man zum "Berliner Balkon" kommt
Mit dem Auto erreicht man ihn über die Bundesstraße 1 bzw. 5. Auf der Höhe des Garni-Hotels "An der Weide" biegt man rechts auf einen kleinen Parkplatz und geht wenige Minuten zu Fuß weiter.
Vom S-Bahnhof Mahlsdorf (S5) beträgt der Fußweg 850 Meter.
Text: -wn-

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