Der Stadtbezirk Reinickendorf in Berlin

Als Fusion aus Stadtteilen wie Tegel, Frohnau, Hermsdorf, Wittenau, Waidmannslust, Konradshöhe oder Lübars gilt Reinickendorf
Blick auf das Märkisches Viertel Bezirk Reinickendorf
Das Märkisches Viertel in Reinickendorf von oben
Foto © Tom Klimmeck
als der "grüne Norden Berlins". Wälder und Parklandschaftengeben stehen für einen hohen Naherholungswert. So ist zum Beispiel Hermsdorf komplett von einem Naturschutzgebiet, dem Fließtal, durchzogen. Zu den vielen Wasserflächen des Bezirks gehören etwa der Tegeler See, der Heiligensee und Teile der Havel. Vor allem die Greenwichpromenade, die vom Borsigdamm bis zur Tegeler Hafenbrücke führt, ist unter Berlinern schon seit vielen Jahrzehnten eines der beliebtesten innerstädtischen Ausflugsziele. Von Laubbäumen überwölbt, gilt der Flanierstreifen als der schönste Weg am Tegeler See. Von einem der gediegenen Cafés und Restaurants entlang der Promenade lässt sich das bunte Treiben an den Anlegestellen der Reedereien, die Rundfahrten nach Spandau oder Potsdam anbieten, am besten beobachten.

Ein reines Naturidyll ist Reinickendorf dennoch nicht, ist der Bezirk doch auch als traditioneller
Industriestandort bekannt, den um die Jahrhundertwende große Namen wie Borsig geprägt haben. Eines der Wahrzeichen Reinickendorfs ist der backsteinerne Borsigturm, der 1922 mit seinen zwölf Etagen und 65 m Höhe als erstes Hochhaus Berlins auf dem Gelände der Tegeler Borsigwerke gebaut wurde. Der Büroturm sollte damals die beengten Platzverhältnisse auf dem Werksgelände lösen, welches 1895 von der von August Borsig gegründeten Lokomotiv-Fabrik, der größten in ganz Europa, bezogen wurde. Gemeinsam mit dem Borsigtor, welches mit seinen massiven Rundtürmen aus Backstein und dem zinnenbekrönten Torbogen wie ein mittelalterlicher Festungseingang anmutet, steht der Borsigturm heute als Relikt einer längst vergangenen Industrieepoche zwischen den Brachen. Vieles wurde abgerissen und neue Architektur hat die leerstehenden Flächen nur spärlich gefüllt. Zwar existiert die Firma Borsig noch heute, das Werksgelände in Tegel wurde jedoch längst aufgegeben.

Wohnen in Berlin Reinickendorf


Weniger beschaulich geht es zudem in der Großwohnsiedlung Märkisches Viertel zu, die in ihrem Aussehen eher dem angrenzenden Mitte-Ortsteil Wedding ähnelt. Die Satellitenstadt wurde von 1963 bis 1974 gebaut und war mit rund 17.000 Wohnungen für etwa 50.000 Bewohner vorgesehen. Das andere Extrem wiederum bildet Lübars, das älteste Dorf Berlins, das bis heute seine weitestgehend dörflichen Strukturen bewahrt hat. Auf der Dorfaue stehen - als wäre über die vielen Jahre hinweg nichts passiert - zwischen alten Eichen, Eschen, Kastanien und Maulbeerbäumen immer noch ein Barockkirchlein von 1793 und das alte Schulhaus mit seinem schönem Bauerngarten. Darum liegen in engem Kreis Reiterhöfe, einstöckige Bauernhäuser mit klassizistischen Stuckfassaden, ein strohgedecktes Kossätenhaus, der große alte Dorfkrug und der "Labsaal", ein schöner, historischer Gasthaussaal, der als Veranstaltungsort dient. In West-Berlin galt Lübars bis 1989 als Kuriosum und wurde als Sehenswürdigkeit angesteuert, konnte die Großstadtbevölkerung in der ummauerten Millionenstadt den wenigen Berliner Bauern bei der Bewirtschaftung ihrer Felder zusehen.

Neben mittelalterlichen Dorfkirchen, wie man sie in den alten Ortskernen findet,
hat der Bezirk übrigens noch einen weitaus aufsehenerregenderen Sakaralbau zu bieten: das Buddhistische Haus in Frohnau. 1926 durch den Asienkenner und Homöopathen Paul Dahlke errichtet, gilt es als ältester buddhistischer Tempel in ganz Europa. Heute ist die spirituelle Stätte, welche im japanischen Stil gebaut worden ist und in ihrem Inneren neben Meditationsräumen auch eine umfassende Bibliothek beherbergt, nationales Kulturgut und steht unter Denkmalschutz. ( Text: A.K. )

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