Alte Bäume im Tegeler Forst.
Foto © -wn-
Allerdings habe sich dieser sonst so "offene zutrauliche Blick seiner blauen Augen bei aufgeregtem Gemüth" zu "schreckhafter Gluth" gewandelt. Zu einem solchen gefürchteten cholerischen Rappel war es offenbar im Herbst 1724 wieder einmal gekommen. Majestät geruhte zu toben. Man muss wissen: Der König, der in Berlin sechs Infanterieregimenter befehligte, der sich eine Elitetruppe aus 600 "Langen Kerls" ab einer Mindestgröße von 1,88 Meter leistete - ausgerechnet diesem dem Militärischen fetischistisch verfallenen Monarchen war jedweder Zugriff auf ein "Regiment an unsichtbarer Front" verwehrt - auf die nicht geringe Wilddieb-Schar. Wie die Plänkler, die auf dem Schlachtfeld den Feind mit Schüssen aus der Hecke irritierten, pirschten sie gedeckt durch Busch und Tann. In den noch Wildnissen ähnlichen, später mit Kiefern durchmischten Eichen-Buchen-Waldungen im Tegeler Forst, dessen südlicher Teil am Zusammenlauf von Tegeler See und Havel seine Grenze hat, schossen die Wilderer auf alles, was kreuchte und fleuchte und deckten sich so mit Wildbret ein. Systematische Kontrollgänge der Wildhüter sowie angedrohte und bereits verhängte Strafen wie Festungshaft oder selbst der Strang halfen kaum. Jedermann sah sich vor, nicht des Wildfrevels verdächtigt zu werden. Selbst Dichter bevorzugten es, anonym zu bleiben, wenn sie romantische Gedichte über Weidmänner schrieben. Das im 16. Jahrhundert nahe Innsbruck entdeckte "Ambraser Liederbuch" enthält das Jäger-Gedicht eines Lyrikers, der namenlos bleibt, auch wenn die Ballade auf kein jagdliches, sondern eher auf erotisches Vergnügen hinaus lief: "Es wolt gut jäger jagen, / wolt jagen die wilden schwein, / was begegnet ihm auff der heyde, / ein frewlein im weissen kleide, / ein zartes jungfrewelein."