Altglienicke: zwischen Tuschkastensiedlung und Spionagetunnel : Der im Berliner Südosten nahe dem Flughafen Schönefeld gelegene, 26.000 Einwohner starke Ortsteil gehört zum ältesten Siedlungsgebiet des Bezirks Treptow-Köpenick. Erst spät, Ende der 1980er Jahre bekam Altglienicke
Kirche Altglienicke
Blick auf die Kirche in Altglienicke
Foto © In-Berlin-Brandenburg.com
ein urbaneres Gesicht. Im alten Dorfkern, rund um die 1895 erbaute Pfarrkirche, sind jedoch noch große Teile des alten Orts erhalten.

Auf den bis dahin landwirtschaftlich genutzten Flächen Altglienickes schossen größere Neubausiedlungen aus dem Boden, so etwa das noch zu DDR-Zeiten in Plattenbauweise errichtete Gebiet an der Schönefelder Chaussee, das sogenannte Kosmos-Viertel. Auch nach 1990 entstanden weitere Neubaugebiete, darunter das Kölner Viertel, das Ärztinnenviertel und das Anne-Frank-Carée. Wirklich sehenswert hingegen ist die nach Plänen von Bruno Taut errichtete Tuschkastensiedlung, von der UNESCO mittlerweile
Wohnen in Altglienicke
Altglienicke in Treptow Köpenick ( roter Punkt )
Foto © Julia Wesenberg
in den Adelsstand des Weltkulturerbes erhoben. Die Gartenstadt-Siedlung war der Vorbote des modernen Siedlungsbaus in Berlin nach 1923.

Früher war Altglienicke ein dörflicher Verbund aus zahlreichen Siedlungen mit eigenem Charakter. Dazu gehörten z.B. Spreetal, Altglienicker Höhe, Grüneck, Sachsenberg, Falkenhöhe und Altglienicker Grund. Ein Dorf Glinik findet erstmals im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 Erwähnung. Archäologische Funde lassen jedoch bereits auf eine Besiedlung um 2000 v. Chr. Schließen. Der Ortsname "Glinik" ist slawischen Ursprungs und bedeutet Lehm bzw. Lehmfelder. Seinen heutigen Namen erhielt Altglienicke erst durch eine kaiserliche Verfügung am 17. April 1893. Die Gemeinde gewann daraufhin schnell an Bedeutung. Bereits 1904 wurde der Ort an das Elektrizitätsnetz angeschlossen und 1908 eine eigene Gasanstalt eingeweiht.
Ein Zweckverband mit dem damaligen Preußischen Landgemeinden Adlershof und Grünau sicherte die Wasserversorgung.

Noch heute weithin sichtbares Zeichen für diese Entwicklung ist der 1906 gebaute Wasserturm, in dessen Erdgeschoss ab 1933 auch Gottesdienste abgehalten wurden. Heute kann man dort noch Reste einer sakralen Wandgestaltung sehen. Der Wasserturm beherbergt inzwischen das Altglienicke-Museum mit einer Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Zu besichtigen sind u.a. Einrichtungsgegenstände alter Altglienicker Ladengeschäfte, Bilder vom historischen Wasserwerk sowie Reste des Spionagetunnels.

Denn was nur wenige Berliner wissen: Während des Kalten Krieges wurde Altglienicke Schauplatz einer der spektakulärsten Spionageaffären. Unter dem Boden des damals noch beschaulichen Idylls verliefen die Fernmeldeleitungen von der sowjetischen Botschaft in Berlin-Mitte und der KGB-Zentrale in Karlshorst zum deutschen Hauptquartier der Roten Armee in Wünsdorf. In den 50er Jahren wollten Amerikaner und Briten die sowjetische Nachrichtenübermittlung anzapfen und gruben einen Tunnel von Rudow
Wasserturm Altglienicke
Der Wasserturm in Altglienicke
Foto © In-Berlin-Brandenburg.com
( Neukölln) bis unter die Schönefelder Chaussee. Dem westlichen Lauschangriff kam jedoch ein Doppelagent in die Quere, der das Spionage-Unternehmen an die Sowjets verriet. Denen wiederum war es somit über 14 Monate hinweg möglich, die westliche Spionage mit falschen Informationen in die Irre zu führen. Der Altglienicker Spionagetunnel ist übrigens Sujet des 1992 an Originalschauplätzen in Berlin entstandenen Films "...und der Himmel steht still" mit Anthony Hopkins und Isabella Rosselini.
( Text: A.K. )


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