Alle Räder stehen still… Der Arbeitskampf bei der BVG geht weiter.

Kriegstanz der BVGlerDer erste Streik traf Berlin überraschend und war mehr als ein kurzer Warnschuss: Nicht nur den ganzen Freitag hindurch sondern noch bis weit in den Samstag hinein standen Anfang Februar die Räder von Bussen, Trams und U-Bahnen still. Die Bürger nahmen es relativ gelassen: Viele Nichtmotorisierte stiegen bei Sonnenschein aufs Fahrrad um oder nutzten die nicht zur BVG gehörigen S- und Regional-Bahnen.

Allzu viele Sympathien haben sich die Streikenden durch die übertrieben lange Dauer des Warnstreiks von 39 Stunden und die sehr kurze Vorwarnzeit allerdings nicht eingehandelt und konnten so nicht an das breite Verständnis, das der Tarifkampf der Lokführer in der Bevölkerung ausgelöst hat, anknüpfen.

Eigentlich war die Arbeitsniederlegung bei Scheitern der Tarifverhandlungen am 31. Januar für das Wochenende geplant, dann aber überraschend einen Tag vorgezogen worden. Deutliche Gehaltserhöhungen hatte die Gewerkschaft Ver.di für alle rund 12.500 Arbeitnehmer gefordert - nicht nur für die seit 2005 Eingestellten, sondern auch für die ohnehin schon besser bezahlten Altbeschäftigten.

2005 hatten die Beschäftigten nach Verhandlungen zwischen dem Land Berlin und Ver.di durch Arbeitszeitverkürzungen und den Wegfall von Weihnachts- und Urlaubsgeld einen deutlichen Lohnverzicht hinnehmen müssen. Dass es seitdem keine Gehaltserhöhung mehr gab, wird bei ständig steigenden Lebenshaltungskosten von vielen als unzumutbar empfunden.
Andererseits verdienen die Altbeschäftigten immer noch mehr als viele ihrer Kollegen in anderen Bundesländern; außerdem wird den BVGlern durch die 2005 ausgehandelte Monopolstellung Jobsicherheit bis 2020 garantiert - ein Luxus, den heute nicht mehr viele Angestellte kennen.

Die BVG jedenfalls zeigte sich auch von einem weiteren Streik am 13.02. in Werkstätten und Verwaltung, diesmal ohne nennenswerte Auswirkungen auf den Nahverkehr, weitgehend unbeeindruckt. Zwar wurde bei der nächsten Verhandlung auch für die Altbeschäftigten eine Gehaltserhöhung angeboten, diese sollte jedoch mit dem Sicherungsbetrag, der eingeführt wurde, um die Lohnkürzungen von 2005 auszugleichen, verrechnet werden und blieb so deutlich unter den Forderungen der Gewerkschaft. Nachdem inwzischen auch die dritte Runde der Verhandlungen gescheitert ist, bereitet sich Ver.di nun auf einen unbefristeten Ausstand vor.

Die Urabstimmung ist für den 25. bis 28. Februar geplant. Gelingt sie, so will die Gewerkschaft noch vor Ostern zu weiteren Streiks aufrufen. Zwar hat die Berliner S-Bahn bereits angekündigt, durch längere Züge und kürzere Taktzeiten die Folgen einer erneuten Arbeitsniederlegung der Bahn- und Busfahrer ein wenig abzumildern, und auch private Busunternehmen sollen dann als Zubringer zu S-Bahnhöfen, Krankenhäusern und zum Flughafen Tegel dienen. Trotzdem werden die Auswirkungen auf die Mobilität der Berliner beträchtlich sein.

Und das bleibt vermutlich nicht die einzige negative Folge: Geht der Arbeitskampf für die BVG-Angestelltn positiv aus, wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem erneuten Anstieg der Fahrpreise führen, die das verschuldete Unternehmen in den letzten Jahren ohnehin schon an die Schmerzgrenze getrieben hat. Vielleicht steigt dann der ein oder andere Berliner ja endgültig aufs Fahrrad um.

Text: JJ

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