Be Berlin - be erfolgreich?
Es dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben: Seit dem 11.3.08 hat Berlin eine neue PR-Kampagne: Be Berlin/sei Berlin.
So originell ich den Slogan auf den ersten Blick auch fand, nach ein paar Reflexionen bleibt nicht viel davon übrig. BerlinerInnen sollen sich als Botschafter ihrer Stadt fühlen und dieses Gefühl in die Welt transportieren. Jedoch wer profitiert wirklich davon, die BürgerInnen oder der Senat? Wohlmöglich gar beide?
“Keine andere Stadt der Welt verändert sich so rasant, leicht und unkompliziert und behält dabei trotzdem ihren so eigensinnigen und unverwechselbaren Charakter. Dieses Bewusstsein soll nun bei den Berlinerinnen und Berlinern neu gestärkt werden” heißt es auf der Kampagnenhomepage. Sie sollen ihre Geschichten, Erinnerungen etc. aufschreiben.
Dieses “veröffentliche-deine-eigene-geschichte” ist in und wird durch mehrere Mainstreammedien seit längerem praktiziert. Der Senat will sich dieses Erfolgskonzept nun zu eigen machen. Nicht nur das: irgendwie scheint es mittlerweile dort angekommen zu sein, dass die unzähligen Blogs in der Weblandschaft schon längst eine eigene Subkultur jenseits der Mainstreammedien bilden und das sehr erfolgreich.
Jedoch: Es kann doch nicht allen Ernstes erwartet werden, dass beispielsweise die rund 500.000 Menschen dieser Stadt, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sich für so was interessieren. Die haben ganz andere Probleme. Auch der “stinknormale” Berliner, dem es finanziell besser geht, braucht so eine Imagekampagne nicht. Er hat sich schon immer mit seiner Stadt identifiziert. Wenn nicht, wäre er längst weggezogen. BerlinerInnen waren und sind sehr eigen, was “ihre” Stadt anbelangt.
Was an der Kampagne hingegen einleuchtet: Der Senat will Berlin als Marke international (noch besser) positionieren. Das klingt PR-mäßig gut. Könnte sogar klappen. Doch dafür müsste andere PR-Arbeit geleistet werden. Es müssten in den Ländern Pressemitteilungen platziert werden. Dann bringt man auf der internationalen Site (be-berlin.com) ein vielsprachiges Auswahlmenü von “Afrikaans” bis “Zulu”. Und jeder Worlduser kann dann in seiner Landessprache Informationen und Geschichten abrufen.
Doch dafür müssten die BürgerInnen aus über 80 Ländern hier viel besser als Zielgruppe angesprochen werden. Mehr noch: Sie müssten ihre Geschichten in der jeweiligen Landessprache verfassen, die dann ihre Landsleute in den jeweiligen Ländern via Internet lesen könnten.
Das wäre eine Kampagne! Alles andere ist unausgegoren und einseitig. Dann wäre der Multi-Kulti-Effekt mit dem geworben wird authentisch. Aber das ist sicher so nicht gewollt. Die Landsleute könnten wohlmöglich Negatives erfahren.
So wie es jetzt konzipiert ist, riecht es eher nach “billigen Botschaftern”, damit letztendlich mehr Sponsorengelder in die Stadt fließen. Das scheint der wahre Grund zu sein. Nicht dass ich Berlin es nicht gönnen würde. Im Gegenteil. Aber ich habe mich längst mit dieser Stadt identifiziert. Und brauche diese Kampagne dafür nicht. Auch keine Stärkung meines Bewußtseins. Ob andere ebenfalls so denken, muß und sollte jeder für sich selbst entscheiden.
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