Alternative Szene und Investor ringen miteinander

Kinder-Kieztheater MurkelbühneDas ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk nahe der Warschauer Straße: von außen ist nicht viel zu erkennen, geht man in Richtung Revaler Straße. Und doch hat sich hier ein Stück Berliner Subkultur auf dem Gelände angesiedelt. Man muß nur kurz eine Treppe runtersteigen und schon ist man mittendrinn und gefangen vom Flair. Alternative Theatergruppen einschließlich einer Skatehalle haben hier ihren Verschlag aufgemacht. Beispielsweise das Kinder-Kieztheater “Murkelbühne”. Die Zeit scheint wie stehengeblieben. Ich fühle mich an die Achtziger Jahre in Berlin erinnert. So ähnlich ist die Bemalungs- und Gestaltungsweise auch anderer Nischengebäude auf dem 77.000 Quadratmeter alternativen Stückchen Friedrichshain.

Doch damit dürfte schon bald Schluß sein. Der “Berliner Abendschau” zufolge hat eine Investorengruppe das “Areal” erworben. Der Konflikt scheint vorprogrammiert, wenn alternativer Szene ein neuer, kapitalkräftiger und sanierungshungriger Eigentümer vorgeschoben wird. Der will dort nämlich eine Wohnbebauung mit mehrgeschossigen Gebäuden privater und gewerblicher Nutzung emporstampfen. Die derzeitigen Nutzer laufen dagegen Sturm. Es kam zu einem “Runden Tisch” zwischen Bürgermeister Franz Schulz (Grüne), Investor und Szenevertretern, der jedoch scheiterte. Kürzlich war die Schlichtungsrunde an der Reihe. Da kann der grüne Bürgermeister gerne von “gebrochenem Eis” und “das Ergebnis ist mehr als ein Burgfrieden” lamentieren. Wer in dem Filmbericht die eingeblendete Karte der vorgesehenen Bebauung gesehen hat, der bekommt - und nicht nur deshalb - erhebliche Zweifel an diesen Aussagen.

Alternative Theatergruppen im Friedrichshain
Trügerische Ruhe: Kann das Flair bewahrt werden?

Wie hieß so schön die Anmoderationsfrage der “Berliner Abendschau”: “Oder geht hier ein Stück vom Friedrichshainer Charme verloren?”. Ich meine eindeutig: ja!

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