Repräsentanten aus Berlin nach Peking?
Tja, es ist schon obskur, was da so in diesen Tagen abgeht. Aus dem traditionellen olympischen Fackellauf wurde seit kurzem “Versteck die Fackel” oder “Ist sie schon wieder aufgetaucht?”. Die nach dem berühmten Spiel “Scotland Yard” (dort gibt es einen Mr. X, der in London untergetaucht ist und die Mitspieler fahnden nach ihm) anmutende Groteske zeigt wieder einmal überaus deutlich, wie sehr Wirtschaft und Olympiade miteinander verknüpft sind. Nein, ich meine hier nicht die Milliarden, die während der Veranstaltung wahrscheinlich rollen werden.
Man stelle sich doch nur mal vor, auf dem gestrigen Lauf in San Francisco wäre auf US-amerikanischem Boden die Flamme ausgegangen wie zuvor in Paris. Eine Katastrophe auf diplomatischer als auch wahrscheinlich wirtschaftlicher Ebene. Deshalb wollte man um jeden Preis keine Wiederholung von Paris. So wurde aus dem traditionellen olympischen Fackellauf ein groteskes Spiel, das Geschichte schreiben wird.
In diesen Zusammenhang passt auch die gegenwärtige Diskussion, der Regierende Bürgermeister Wowereit und Parlamentspräsident Momper sollten nicht zur Olympiade nach Peking fliegen. Man kann zu dem Thema stehen, wie man will. Jedoch ist wieder einmal klar geworden: Chinas Rolle in der Weltwirtschaft ist so wichtig, dass die US-Regierung keine Brüskierung wagte. Und Berlin? Die Haushaltslage kennt jeder. Die Stadt wird es sich wohl aus ökonomischer Sicht ebenfalls nicht leisten können, durch eine Absage der Reise, gegenwärtige und zukünftige Investitionen zu gefährden. Die Opposition hingegen ist dankbar. Eine idealere, publikumswirksamere Breitseite kann man gegen eine Regierung wahrscheinlich kaum feuern. Wie machens die anderen? Großbritanniens Premier Brown setzt ein symbolisches Zeichen und kommt nicht zur Eröffnungsfeier. Später wird man ihn dort sehr wohl noch sichten. Wahrscheinlich wird sich für Berlin und seine Repräsentanten das Gleiche abspielen.
Discussion Area - Leave a Comment