Ein Hauch von Wildromantik

Entlang des alten Rudower Dorfkerns bis zur Stadtgrenze am Klein Ziethener Weg erstreckt sich ein kleines Stück Natur, dass mit seiner pflanzlichen und tierischen Artenviel auf kleinem Raum erstaunlich viel zu bieten hat: das Rudower Fließ. Ursprünglich eine Schmelzwasserrinne aus der letzten Eiszeit, wurde sie im Laufe der Zeit anthropogen überformt und begradigt. Dennoch ist diese Fläche ausgewiesenes Naturschutzgebiet.

Start mit dem Fahrrad ist die Groß-Ziethener-Chaussee. Ich tauche beim Überqueren der Straße ein ins Halbdunkel des plötzlich abzweigenden Pfades, so dicht gedrängt stehen hier die Bäume. Eine Tafel informiert mich über die verschiedenen Baumarten. Nicht weniger als acht verschiedene Laubbaumarten gibt es hier. Darunter Spitzahorn, Schwarzpappel und die Gemeine Esche.

Weiter geht es, bis kurz darauf eine gut gearbeitete Holzbrücke erscheint. Hier verbreitert sich das Fließ zu einem Teich, in dem Stockenten und Co. eine Heimat gefunden haben. Es ist beruhigend, den Schwimm- und Tauchbewegungen der Tiere eine Weile zuzusehen. Unermütlich, fast mechanisch tauchen sie ihre Schnäbel in das trübe Wasser, auf der Suche nach Nahrung. Während sich eine große Gruppe von Tieren gebildet hat, verharrt abseits eine Ente abgesondert. Sie wirkt schwächlich und krank. Auf der anderen Seite der Brücke ein ähnlicher Blick. Schilfgesellschaften umsäumen den Uferrand und verleihen dem Teich einen Wildromantik-Touch.

Versteckte Idylle: Ein Teich am Rudower Fließ
Versteckte Idylle: Teich am Rudower Fließ

Nach dem Verlassen der Brücke hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man fährt geradeaus und gelangt in eine kleine Siedlung. Das mache ich nicht, sondern biege auf einen schmalen, unbefestigten Weg rechts ab. Dort befinden sich im Abstand von ca. 30 m drei Bänke, auf denen man verweilen kann. Ich spiele mit dem Gedanken, das Rad abzustellen und die Füße auszustrecken. Schließlich sind die langersehnten Sonnenstrahlen da, die Natur zeigt sich von ihrer schöneren Seite und die Atmosphäre am Rande des Rudower Fließes lädt gerade dazu ein. Also dann. Auch hier wieder für Wissbegierige eine Info-Tafel über die dort gedeihenden Pflanzen. Die Gemeine Nachtkerze, Nesselblättrige Glockenblume, Wiesen-Schafgarbe und rauhhaariges Weidenröschen sind nur einige davon. Hier wird das Fließ, wie fast überall, gesäumt von einem kontrastreichen Baum- und Strauchangebot. Eine Flugente fliegt in einer scharfer Kurve vorbei und landet dann fast wieder am Ausgangspunkt. Kurz darauf, schwupp, noch eine Runde. Ich bewundere die Flugkünste, der sonst etwas klobig wirkenden Art. Ein lauwarmer Wind streicht vorbei und biegt elegant die Äste. Ein schöner Platz, um mal für eine halbe Stunde die Seele in der Natur baumeln zu lassen.

Ich nehme mein Fahrrad und mache mich langsam weiter auf den Weg entlang des Fließes. Bald darauf erscheint eine zweite Holzbrücke. Im Sommer steht hier ein wirklich sehenswerter Schilfgürtel in der Fließverbreiterung, das weiß ich noch aus dem letzten Jahr. Im Moment besteht der Farbton hauptsächlich aus Verwelk-Braun. Im Anschluss daran nimmt die Fließführung wieder das gewohnte Bild an. Eine schmale Rinne, die durch die Auswahl der säumenden Bäume eines der schönsten Berliner Naturschutz- und Naherholungsgebiete ist. Schießlich stehe ich am Klein Ziethener Weg an der Grenze zu Brandenburg. Nach einer kurzen Verschnaufpause wende ich und mache mich auf den Heimweg. Ein schöner Tag.

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