27.04.2008 - Volksentscheid über den Flughafen Tempelhof
Sind Sie schon einmal von Tempelhof geflogen? Ich nicht, aber immerhin kenne ich jemanden, der jemanden kennt… Vermutlich hätte dieser Mensch den Flug aber ohne größere Unannehmlichkeiten auch von Tegel oder Schönefeld antreten können.
Warum also sind angeblich 74 Prozent der Berliner für den Erhalt des Flugbetriebes im Herzen der Stadt? Ist es plötzlich aufkeimendes Geschichts- oder Heimatbewusstsein der zum größten Teil aus Schwaben und anderen Bundesländern Zugezogenen? Ist es die übliche Angst vor Neuem, nach dem Motto “Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht”? Oder ist es vielleicht einfach die Ablehnung des neuen Großflughafens BBI?
Von Schönefeld bin ich schon öfter geflogen und muss sagen, dass ich Tegel jederzeit vorziehen würde. Übersichtlich und sympathischer kommt der kleinere City-Airport daher. Voraussetzung für einen internationalen Großflughafen in Schönefeld ist aber die Schließung der beiden Konkurrenten. Nur so macht das Projekt Sinn, und nur dann darf es, nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, überhaupt realisiert werden.
Daher können beide Parteien noch so viel von historischen Wahrzeichen, Freiheitssymbolik auf der einen, neuen Freizeit-, Wohn- und Standortperspektiven auf der anderen sowie Millionenverlusten und Arbeitsplätzen auf beiden Seiten reden: Die Frage ist letztendlich, ob wir mehrere über die Stadt verteilte kleine Flughäfen zugunsten eines großen zentralen Airports aufgeben wollen, oder nicht.
Die Anwohner in Schönefeld haben dazu eine klare Meinung: Nein zum BBI. Auf ein Wohnen in der Einflugsschneise hat natürlich niemand Lust, der ins Grüne gezogen ist, um Ruhe und frische Landluft zu genießen. Die Anwohner rund um Tempelhof reagieren dagegen selbst dann noch gelassen, wenn einmal ein Sportflieger in ihren Innenhof stürzt.
Andere wieder hoffen auf viele neue Arbeitsplätze im Umfeld des Berlin Brandenburg International - und Berlin soll sogar einen Ersatz für die in Tempelhof wegfallenden Stellen bekommen: immerhin ist auf dem Gelände u.a. auch ein Innovationspark geplant. Und auch in punkto internationale Verbindungen wäre es natürlich von Vorteil, wenn alle zentral an einer Stelle landen und man zum Umsteigen nicht quer durch die Stadt fahren muss.
Und eigentlich wäre ein neuer Freizeit- und Erholungsraum im Herzen Berlins schon allein als Entlastung für den überstrapazierten Tiergarten nicht übel. So der Senat dann auch wirklich zu seinem Wort steht und große Teile der Freifläche erhält, anstatt sie komplett mit Wohn- und Bürokomplexen zuzupflastern. Auch solche sind geplant, aber in Maßen. Wohnen im Grünen, mitten in Berlin lautet die Devise.
Hier könnten z.B. die BBI-Anwohner ein neues Zuhause finden: “Wer will noch ins Brandenburger Umland ziehen, wenn er auf dem Tempelhofer Feld ruhig im Grünen und doch ganz zentral wohnen kann?” - so ist es in der Stellungnahme des Abgeordnetenhauses zum Volksentscheid am 27.04.08 zu lesen.
Damit wäre dann allen geholfen: Schönefeld wird BBI, Tempelhof wird Blankenfelde - und was aus Tegel wird, scheint eh niemanden zu interessieren.
Text: JJ / Foto: Daniel Hohlfeld
Tags: Politik von Berlin Blog
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