Berlin Blog

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Old School

Es gibt wenig Schlimmeres als stumpfe Messer. Wenn die Tomaten eher zerquetscht als geschnitten werden, wenn die Zwiebelhäute durch den Druck des Messers eher verrutschen als sich zu zerteilen, dann ist es Zeit, ein neues Messer zu kaufen – oder das alte fachgerecht schleifen zu lassen. Vorausgesetzt es handelt sich nicht um ein Billigmesser aus dem 1€-Shop, sondern um ein wertiges Markenprodukt aus bspw. Solingen. In Zeiten von Convenience- und Tiefkühlkost, von Fast- und Fingerfood legen leider immer weniger Haushalte Wert auf eine gute Ausstattung mit qualitativ hochwertigen Messern. Die Chinaware schneidet schliesslich auch – zumindest eine Zeit lang.
Wer sich jedoch für ein richtiges Werkzeug entschieden hat, der wird entweder das Schleifen selber lernen oder zum Fachmann gehen müssen.
Bedauerlicherweise gibt es in Berlin nur noch wenige Schleifer. Der wahrscheinlich älteste noch praktizierende Meister dieser Kunst dürfte Werner Lehmann in der Zoppoter Str. 11 in Schmargendorf sein. Die meisten seiner Kunden sind Köche, die hier regelmässig ihr Handwerkszeug in Schuss bringen lassen.
Der kleinen Laden, an dessen Wänden jede erdenkliche Art von Küchenmesser hängt, ist übersichtlich und zweckmässig eingerichtet, an der Wand hängt der Meisterbrief aus Solingen. Herr Lehmann ist mit ziemlicher Sicherheit nah an den 90 Jahren. Die Arbeit fällt ihm sicherlich nicht leicht, aber das Schleifen ist sein Leben. Die Faszination für eine scharfe Klinge ist seinen Augen anzusehen, wenn er vom richtigen Schnitt und der korrekten Benutzung des Wetzstahls doziert.
Wer neugierig ist und Interesse am Thema zeigt, erhält unter Umständen sogar einen Blick in die Werkstatt. Und verlässt das Geschäft mit guten Tipps für ein langes Klingenleben sowie der traurigen Gewissheit, dass dieses Handwerk am Aussterben ist.

Kategorie: Sonstiges






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