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Eiskunst in der O2-World

Sonntag war der erste Advent – die Weihnachtsmärkte haben eröffnet, in den Geschäften stapeln sich Lebkuchen und Spekulatius, Einkaufscenter sind schon seit Wochen mit Weihnachtsbäumen geschmückt und aus dem Radio dudelt das unvermeidliche „Last Christmas“. So richtige Winter- und Weihnachtsstimmung will bei Temperaturen von 10 Grad plus aber nicht aufkommen.

Wer sich einmal abkühlen möchte, sollte da der O2-World einen Besuch abstatten. Dort herrschen konstante -3 Grad Celsius – die sind nötig, um die 20 Modelle chinesischer Eiskunst zu kühlen, die dort bis zum Februar 2010 ausgestellt werden. „Ice Art“ nennt sich die Ausstellung, auf der man die kalten Kunstwerke nicht nur bestaunen, sondern auch anfassen und sogar darauf herumklettern darf: So führt eine Brücke aus Eis über die Halle und eine etwa fünf Meter lange Rutsche wartet auf Besucher, die keine Angst vor einem kühlen Hintern haben. Während der Ausstellung werden die Eiskünstler aus der nordchinesischen Stadt Harbin auch live Skulpturen anfertigen.

Geöffnet ist die Ausstellung von 10 bis 22 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro.

Weihnachtsmärkte eröffnen in Berlin

Ja, ist denn heut´ schon Weihnachten?

Bei den gegenwärtigen Temperaturen wähnt man sich eher im April – aber es ist tatsächlich nur noch ein Monat bis Heiligabend. Seit Montag kann man nun versuchen, seine Weihnachsstimmung mit Glühwein und gebrannten Mandeln aufzufrischen, denn überall in Berlin haben die ersten Weihnachtsmärkte geöffnet.

Jedem Kiez seine Weihnachtsmärkte, in dem großen Angebot dürfte für jeden was dabei sein:
Wenig besinnlich, dafür höher, schneller, weiter, geht es am Alexanderplatz zu – mit dem „weltweit höchsten mobilen Event-Zentrum“ und den „größten mobilen Fahrgeschäften“ der Welt“ wendet sich der Markt an ein eventfreudiges Publikum.

Nicht weit entfernt, am Roten Rathaus, wird es dann schon ein wenig ruhiger. Zwischen den Buden mit Kitsch und Kommerz kann man Schlittschuhlaufen oder mit dem Riesenrad fahren. Das Schwindelgefühl lässt sich dabei noch dadurch ausbauen, dass man auf dem Riesenrad auch einen Becher Glühwein trinken darf.

Wer es traditioneller mag, ist mit dem Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt gut beraten. Sollte es doch noch kälter werden, kann man sich hier die diversen Handwerksprodukte, von Holzspielzeug bis hin zu gefilzten Hüten, auch in warmen Zelten ansehen. Etwas weniger Touristen verirren sich vielleicht auf den Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt. Dort gibt es ebenfalls traditionelles Kunsthandwerk und eine lebendige Weihnachtskrippe.

Die Stadt ist für Weihnachten gerüstet – jetzt fehlt uns nur noch der Winter.

Zu kurze Züge: Senat will Berliner S-Bahn weniger Zuschuss zahlen

Am frühen Sonntagmorgen entgleiste eine S-Bahn in Berlin. Gott sei Dank ohne Fahrgäste, denn die hatte der Fahrer bereits aussteigen lassen, als ihm merkwürdige Geräusche an der Bahn auffielen. Nun wollte er die S-Bahn zur Werkstatt fahren, als das Unglück passierte. Ob der Zug defekt war, ist noch nicht abschließend geklärt. Rechtzeitig gewartet worden sei er: 18.000 Kilometer war er nach der letzten Wartung unterwegs, insgesamt 20.000 dürfe er fahren, so ein Sprecher der Bahn.

Jedenfalls sorgte der Unfall dafür, dass am Montag nicht wie geplant 429 Viertelzüge eingesetzt wurden, sondern nur 413.

Doch noch immer lehnt der Senat ab, den Vertrag mit der S-Bahn zu kündigen. Immerhin will er nun den Zuschuss an die Deutsche Bahn AG, Betreiberin der Berliner S-Bahn, kürzen, wenn diese zu kurze Züge mit nur vier oder sechs Wagons einsetzt. Bisher zahlte das Land Berlin nur weniger, wenn S-Bahnen ganz ausfielen und die vereinbarten Fahrten nicht stattfinden konnten. Das soll sich nun ändern, wie Verkehrs-Staatssekretärin Maria Krautzberger von der SPD verkündete – auch, wenn der Vertrag zwischen Bahn und Land Kürzungen wegen zu kurzer Züge nicht vorsieht. Ob die Deutsche Bahn sich davon beeindrucken lässt oder ob sie es auf eine Klage gegen das Land ankommen lässt, bleibt abzuwarten.

Tempelhof wird zur Parklandschaft

Blühende Landschaften – das wünschen sich die Berliner auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof. Der Senat hatte Fragebögen an 6.000 Anwohner des Geländes und 1.000 Bögen an weitere Berliner Bürger verschickt. Am gestrigen Mittwoch stellte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher die Ergebnisse vor: 80 Prozent der befragten Berliner Bürger finden die Idee des Senats gut, den stillgelegten Flughafen in einen Park zu verwandeln.

2017 findet bereits die Internationale Gartenbauausstellung auf dem Gelände statt, soviel steht bisher fest. Dafür werden etwa 100 Hektar benötigt, das gesamte Areal umfasst aber 250 Hektar. Da bleibt eine Menge Platz für die Umsetzung anderer Gestaltungswünsche. Nächstes Jahr im Februar beginnt nun ein Wettbewerb um die endgültige Gestaltung Tempelhofs. Bis 2020 soll die Parklandschaft fertig gestellt sein, so die Pläne des Senats.
Die Berliner sollen auch während des Planungsprozesses immer wieder nach ihrer Meinung gefragt werden. Ideen hatten die Befragten viele:  Grillplätze, Spielplätze, Badeseen und Freiluftkino – Tempelhof soll zugleich Entspannung und Unterhaltung bieten, dabei aber auch an die Geschichte als Flughafen erinnern. Wie das alles genau aussehen wird – man darf gespannt sein.

Nun muss man aber nicht bis 2020 warten, um auf dem ehemaligen Flughafengelände zu spazieren: Im Mai nächsten Jahres öffnet der Senat Tempelhof für die Öffentlichkeit.

Studenten-Proteste: Gegen Bologna, für mehr Bildungsfreiheit

Am Dienstag wurde auf dem Platz vorm Roten Rathaus in Berlin mal wieder demonstriert. Diesmal gingen Studenten und Schüler auf die Straße und protestierten gegen Studiengebühren, für mehr Bildungsgerechtigkeit und gegen Bachelor- und Master-Studiengänge.

Seit letzter Woche bereits besetzen Studenten deutsche Universitäten. In Berlin harren die Studis zum Teil Tag und Nacht im Audimax der Humboldt-Universität, in der Technischen Universität und in der Freien Universität aus. Dienstag zückten nun in ganz Deutschland Zehntausende von Studis und Schüler die Plakate und demonstrierten.

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner dagegen verteidigt die Ergebnisse des Bologna-Prozesses: Die Umstellung sei auch von den Hochschulen gewollt und richtig und sinnvoll, sagte er dem Tagesspiegel. Auch sei die Mehrheit der Studierenden mit der Umstellung einverstanden.

Die Protestierenden sehen das anders. Eigentlich sollte die Bologna-Reform alles einfacher machen: Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sollte eine internationale Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse fördern – doch bastelte sich jede Uni ihre eigenen Lehrangebote zusammen, die sich teilweise von Uni zu Uni so stark unterscheiden, dass ein Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands unmöglich wird.

Studis beklagen zudem die Verschulung des Lehrplans und die strikte Anwesenheitspflicht, die es erschwert, sein Studium mit einem Nebenjob zu finanzieren. Unis würden zu reinen „Lernfabriken“. Der Bachelor sei zudem auf dem Arbeitsmarkt nicht viel wert, für einen qualifizierten Beruf braucht man schon einen Master – doch für den wird nur ein bestimmter Prozentsatz der besten Bachelor-Absolventen zugelassen.

Nach Zufriedenheit mit der Reform und nach dem Wunsch nach einem „effektiv organisiertem Studium“ (Zöllner) klingt das nicht. Dennoch ist auch den Organisatoren des Protestes aufgefallen, dass sich weniger Studis an Besetzungen beteiligen – viele kommen doch lieber der Anwesenheitspflicht in den Seminaren nach.

Immer wieder Ärger mit Berliner S-Bahn

Erst ging so gut wie nichts mehr bei der Berliner S-Bahn, da die Bahn sparen wollte – ausgerechnet an den notwendigen Sicherheitsüberprüfungen. Und das Thema S-Bahn ist noch lange nicht beendet: Zwar sind ab dem heutigen Montag wieder mehr Wagen im Einsatz, doch die geplante Aufnahme des Regelfahrbetriebs im Dezember schafft die S-Bahn wahrscheinlich nicht. Dazu fehlen die so genannten Viertelzüge; Fahrgäste müssen mit verkürzten und daher volleren Wagen Vorlieb nehmen.

Und noch sind längst nicht wieder alle Wagen im Einsatz, da schafft die Bahn den Ersatzverkehr mit Regionalbahnen zwischen Berlin Ostbahnhof und Potsdam ab. Dort fahren jetzt wieder S-Bahnen – die fehlen dafür an anderer Stelle im Streckennetz. Also wartet man als Fahrgast wieder länger, ganz nach dem Motto: Die Bahn kommt – nicht.

Aufgrund der zahlreichen Zugausfälle hätte der Senat den Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn AG aufkündigen können. Dieser wird momentan nachverhandelt. Mit einer Kündigung hätte der Senat ein Mittel, um Druck auf die Bahn auszuüben, endlich wieder genügend Wagen einzusetzen und die bestehenden Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Doch er verzichtet auf die Kündigung. Warum, ist unklar. Der Tagesspiegel vermutet in einem Artikel, dass der Senat das Verhältnis mit dem neuen Bahnchef Rüdiger Grube nicht trüben wollte.

Den Fahrgästen ist damit wenig geholfen. Der ÖPNV in Berlin funktioniert nicht reibungslos – und die Bahn-Kunden machen ihrem Ärger Luft. Das Berliner Institut für Gesundheits- und Gesellschaftsforschung (Iges) führte in Berlin und Brandenburg eine Umfrage unter den ÖPNV-Nutzern durch. Demnach wollen fast 250.000 Pendler in Zukunft auf das Auto umsteigen. Etwa jeder zehnte S-Bahn-Kunde möchte sich aus Ärger über das Chaos keine Zeitfahrkarte mehr kaufen. So verspielen Bahn AG und Senat nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern auch bares Geld.

Schweinegrippe auf dem Vormarsch – aber beim Impfen herrscht Chaos

Nachdem Anfang November der erste Berliner an den Folgen des Schweinegrippe-Erregers H1N1 starb, wandelte sich die anfängliche Impfskepsis der Bevölkerung in Impfbereitschaft. Doch wer sich den Impfstoff Pandemrix spritzen lassen will, muss erst mal mühsam herausfinden, wo. Die offiziellen Angaben sind da nicht immer hilfreich. Oft hilft nur ein Anruf in der Praxis, um zu erfahren, welcher Arzt nun impft und welcher nicht.

Noch sind bei Weitem nicht genug Berliner Ärzte bereit, den Impfstoff zu verabreichen. Um alle Berliner zu versorgen, wären laut Experten 1.000 Ärzte nötig. Doch die Berliner Mediziner sind skeptisch, vermuten zu viele Risiken bei Pandemrix. Der Impfstoff arbeitet mit einem Wirkstoffverstärker, den chronisch Kranke schlechter vertragen. Ausgerechnet diese Gruppe erhält den Wirkstoff aber zuerst. Bei Schwangeren ist Pandemrix noch gar nicht erprobt.

Impfwillige Ärzte dagegen müssen einen Vertrag mit dem Berliner Senat abschließen. Und die Bearbeitung dieser Verträge zieht sich hin. Das Chaos wird noch dadurch erhöht, dass die letzten Impfdosen erst am heutigen Mittwoch an die Praxen ausgeliefert werden. Dort müssen sie noch 24 Stunden kühl lagern; die eigentliche Impfung beginnt bei vielen Ärzten also erst am Donnerstag. Nun kündigte Impfstoff-Hersteller GlaxoSmithKline auch noch an, nur halb so viel Impfstoff auszuliefern, wie erwartet.

Schlange stehen für eine Impfung – die ersten Praxen haben sogar schon Wartelisten eingerichtet, wenn man Medienberichten glauben darf. Eine gute Organisation stellt man sich irgendwie anders vor. Da kann man nur hoffen, dass in Deutschland nie eine wirkliche Pandemie ausbricht.

Dazu kommt die Verunsicherung über den Impfstoff. In den USA erhalten Patienten einen Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker – warum war das nicht auch in Deutschland möglich? Während sich die Berliner noch diese Frage stellen, werfen sich Senat und Ärzteschaft gegenseitig vor, die Impfungen zu behindern. Die Leidtragenden der ganzen Chaosaktion sind die Patienten.

20 Jahre Mauerfall – “Fest der Freiheit” in Berlin

20 Jahre ist es nun her, da fiel die Mauer, da wurden Ost- und Westdeutschland eins. Seit Tagen diskutiert nun die deutsche Presse über die Veränderungen nach 1989, über die „gebrochenen Biographien“ der Ostdeutschen, über die (vermeintlichen?) Vorurteile der Wessis über die Ossis und umgekehrt. Betont wird in erster Linie das Trennende. Dabei findet die Mehrheit der Deutschen die Einheit wohl gar nicht so schlecht, wie eine am Sonntag veröffentlichte Studie des Leipziger Instituts für Marktforschung zeigt: 79% der Westdeutschen und 80% der Ostdeutschen würden sich über den Mauerfall freuen. Die Mauer zurück wünschten sich 12%.

Während Politiker und einige ausgewählte Ost- und Westdeutsche heute die unvermeidlichen Talkshows besuchen werden und das Fernsehen Geschichte aus der Konserve zeigt, da feiert Berlin. Beim „Fest der Freiheit“ am Brandenburger Tor werden 100.000e zusehen, wie zur Erinnerung an den 9. November 1989 überlebensgroße Mauerteile aus Styropor fallen  – eine Art „Domino Day“ der deutschen Geschichte.

Pünktlich zum 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls eröffnete vor einigen Tagen auch die East Side Gallery wieder. Die Künstler, die 1990 die Mauerteile bemalten, restaurierten ihre Bilder, fast alle der 106 Kunstwerke zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof sind wieder hergestellt.

Links zum Thema:
Geschichte zum Anfassen: das DDR Museum in Berlin
Berliner Mauer – Ulbricht baut nach dreister Lüge, Schabowski öffnet irritiert
Haus Eins – die Stasi-Gedenkstätte Normannenstraße