Am Dienstag wurde auf dem Platz vorm Roten Rathaus in Berlin mal wieder demonstriert. Diesmal gingen Studenten und Schüler auf die Straße und protestierten gegen Studiengebühren, für mehr Bildungsgerechtigkeit und gegen Bachelor- und Master-Studiengänge.
Seit letzter Woche bereits besetzen Studenten deutsche Universitäten. In Berlin harren die Studis zum Teil Tag und Nacht im Audimax der Humboldt-Universität, in der Technischen Universität und in der Freien Universität aus. Dienstag zückten nun in ganz Deutschland Zehntausende von Studis und Schüler die Plakate und demonstrierten.
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner dagegen verteidigt die Ergebnisse des Bologna-Prozesses: Die Umstellung sei auch von den Hochschulen gewollt und richtig und sinnvoll, sagte er dem Tagesspiegel. Auch sei die Mehrheit der Studierenden mit der Umstellung einverstanden.
Die Protestierenden sehen das anders. Eigentlich sollte die Bologna-Reform alles einfacher machen: Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sollte eine internationale Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse fördern – doch bastelte sich jede Uni ihre eigenen Lehrangebote zusammen, die sich teilweise von Uni zu Uni so stark unterscheiden, dass ein Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands unmöglich wird.
Studis beklagen zudem die Verschulung des Lehrplans und die strikte Anwesenheitspflicht, die es erschwert, sein Studium mit einem Nebenjob zu finanzieren. Unis würden zu reinen „Lernfabriken“. Der Bachelor sei zudem auf dem Arbeitsmarkt nicht viel wert, für einen qualifizierten Beruf braucht man schon einen Master – doch für den wird nur ein bestimmter Prozentsatz der besten Bachelor-Absolventen zugelassen.
Nach Zufriedenheit mit der Reform und nach dem Wunsch nach einem „effektiv organisiertem Studium“ (Zöllner) klingt das nicht. Dennoch ist auch den Organisatoren des Protestes aufgefallen, dass sich weniger Studis an Besetzungen beteiligen – viele kommen doch lieber der Anwesenheitspflicht in den Seminaren nach.