Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Schulreform in Berlin kommt. Ab dem Sommer gehören Haupt-, Real- und Gesamtschulen der Vergangenheit an. Am Montag stimmte die rot-rote Mehrheit des Abgeordnetenhauses den Plänen zu, diese drei Schultypen zur so genannten Sekundarschule zusammenzuführen.
Nun haben Eltern also die Wahl, ob ihre Kinder nach der Grundschule ein Gymnasium oder die Sekundarschule besuchen sollen. Letztere soll alle Bildungsabschlüsse vom Hauptschulabschluss über den Realschulabschluss bis hin zum Abitur zulassen. Die Befürworter der Sekundarschule erhoffen sich von der Bildungsreform eine stärkere soziale Mischung der Schülerschaft. Bis jetzt galt: Wer auf die Hauptschule muss, hat später kaum Chancen im Leben. In der Sekundarschule sollen stärkere und schwächere Schüler länger gemeinsam lernen, individuell gefördert werden und unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die Möglichkeit haben, hohe Bildungsabschlüsse zu erreichen.
Das klingt soweit alles traumhaft – allerdings stellt das neue Bildungssystem auch Herausforderungen: Die Sekundarschulen müssen für Eltern und für Schüler attraktiv werden und dürfen nicht zur „Resteschulen“ werden, als welche die Hauptschulen verschrien waren. Dazu muss die neue Schule zuallererst von den Eltern akzeptiert werden. Eine schwierige Hürde wird es sein, zu vermitteln, dass das Abitur an einer Sekundarschule nicht weniger wert ist als das Abitur eines Gymnasiums. An dieser Ansicht kranken heute noch die Gesamtschulen, deren Abitur von vielen Eltern nicht ganz für voll genommen wird. Stärkere und schwächere Schüler gemeinsam lernen zu lassen, ist ebenso nicht unumstritten. So einige Eltern befürchten wohl, dass ihre schlauen Kinder sich von weniger guten Schülern „herunterziehen“ lassen und dass die Sekundarschule eine „Durchschnittschmiede“ wird, während die „Elite“ an den Gymnasien lernt. Hier werden Senat und später auch die Schulen Überzeugungsarbeit leisten müssen.