Sie fliegen wieder. Zumindest ein paar Maschinen erheben sich wieder in den Himmel, um deutsche Touristen aus dem Ausland einzufliegen. Zwar wurde die Sperrung des Luftraums, ausgelöst durch die Aschewolke eines isländischen Vulkans, noch bis mindestens Dienstag, 14 Uhr verlängert – einige Piloten dürfen aber mit Ausnahmegenehmigung abheben. Bereits am Montag erhielten die Lufthansa Startgenehmigung, heute werden 140 Flieger starten. Air Berlin möchte am Flughafen München sogar den Regelbetrieb wieder aufnehmen.
Auch von Berlin aus werden wieder Flugzeuge abheben. Das bedeutet ein Ende der Stille, die den letzten Tagen am Himmel über der Stadt herrschte.
Kaum vorstellbar: Ein Vulkan im kleinen Island hat es geschafft, den europäischen Flugverkehr fast vollständig zum Erliegen zu bringen. Tagelang sah man auf den deutschen Flughäfen, damit auch in Schönefeld und Tegel, vor allem: nichts. Sitzt man sonst Frühjahrs in Pankow, fliegen einem die stählernen Vögel auf dem Weg nach und von Tegel ziemlich dicht über den Köpfen weg. Nun hörte man dort höchstens noch die echten Vögel zwitschern. Viele Anwohner genossen die Stille. Einige behaupteten sogar, der Himmel sei blauer, so ganz ohne Flugzeugabgase.
Für die Tausende von Passagieren, die auf den Berliner Flughäfen festsitzen, ist die Zwangspause alles andere als erfreulich. Die meisten wollen einfach nur nach Hause. Jetzt sitzen sie herum, in stillen Terminals oder in Hotels, und warten. Warten darauf, dass ein ihnen bisher völlig unbekannter Vulkan die Ascheproduktion einstellt.
Man ist es nicht mehr gewohnt, nicht sofort losfliegen zu können, sich nicht unbegrenzt von einem Ort zum anderen bewegen zu können. Zu warten. Der Vulkan hat Europa entschleunigt. Dabei ist er äußerst demokratisch, denn ob Otto-Normalflieger oder Politiker, da macht er keinen Unterschied. Kanzlerin Angela Merkel begab sich auf eine Odyssee durch Europa, Staatsmänner mussten ihre Teilnahme beim Begräbnis des polnischen Präsidenten absagen.
Wann sich der Flugverkehr wieder vollständig normalisiert, ist noch nicht abzusehen. Deutsche Touristen und Geschäftsleute im Ausland hoffen nun erstmal, dass sie zu den Glücklichen gehören, die wieder nach Hause kommen. Der Vulkan büßt derweil an Kraft ein. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis alles wieder so läuft wie gewohnt, bis sie wieder ein Ende hat, die Entschleunigung.
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