Die Angriffe kommen von oben und völlig unerwartet: Wer momentan auf Berlins Straßen unterwegs ist, muss sich vor Hieben auf den Hinterkopf in Acht nehmen. Schuld ist nicht die steigende Kriminalitätsrate, Schuld sind vielmehr – Krähen. Wie in Alfred Hitchcocks Schocker „Die Vögel“ wurden in der vergangenen Woche Passanten von aufgebrachten Krähen angegriffen und verletzt. Ein Spaziergänger erlitt durch die heimtückische Attacke eine Platzwunde, die mit drei Stichen genäht werden musste.
In der Karl-Liebknecht-Straße, wo der Angriff erfolgte, warnt nun ein provisorisches Schild vor den wütenden Vögeln: „Achtung! Aggressive Krähen!“ steht dort zu lesen. Wie eine Sprecherin des Amts für Umwelt und Naturschutz vermerkte, verlaufen die meisten Angriffe allerdings harmloser, die Passanten werden lediglich mit den Flügeln gestreift.
5.000 bis 6.000 Krähen gibt es laut dem Amt für Umwelt und Naturschutz in Berlin. Nun sind nicht alle diese Vögel aggressiv und eine Gefahr für arglose Spaziergänger. Zudem handeln die Tiere auch nicht aus Bösartigkeit: Sie brüten gerate. Fühlen Sie sich gestört und wähnen ihr Nest in Gefahr, reagieren Sie mit Angriff. In der Großstadt bleibt es nicht aus, dass Wildvögel mitten in den Straßen brüten – und Passanten als potenzielle Nesträuber missdeuten. Da die Gelege nicht entfernt werden dürfen, sperrt das Umweltamt die Stellen mittlerweile mit Flatterband ab. Auch an einer auffälligeren Schilderlösung wird gearbeitet.
Halten Sie die Warnschilder also nicht für einen Witz. Nicht nur die reinen Platzwunden, die von Vögelschnäbeln verursacht werden, sind gefährlich; als Wildtiere können Krähen auch Infektionskrankheiten übertragen.