Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Büro und erhalten eine E-Mail von Ihrem Arbeitgeber, der angeblich die technische Funktion des Mail-Dienstes prüfen möchte. Daher bittet er Sie, den Eingang der Mail zu bestätigen. So geschehen nun im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Alles kein Problem, normaler Arbeitsalltag, eine Lapalie? Eben nur scheinbar – denn eigentlich verfolgte die Mail einen ganz anderen Zweck als angegeben: Sie sollte zeigen, welche Bezirksamt-Mitarbeiter tatsächlich auf die Nachricht antworten und welche sie ignorieren.
Zahlreiche Bürgerbeschwerden seien beim Bezirksamt eingegangen, da einige E-Mails an die Beamten nie beantwortet würden, so Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler, der für die Mail-Aktion verantwortlich ist. Auf diesem Wege wollte man nachprüfen, was an den Vorwürfen dran ist.
Sehr zu Ärger der Beschäftigten und des Personalrats, der bei der Aktion nicht mit einbezogen wurde. Der Personalrat ließ denn auch verlauten, dass die Bezirksamt-Mitarbeiter die Mail nicht beantworten sollen und dass man einen Anwalt eingeschaltet habe.
Diese lautstarke Verärgerung lenkt dabei vom eigentlichen Problem ab: Das liegt nämlich nicht darin, dass ein Arbeitgeber die Zuverlässigkeit seiner Mitarbeiter überprüft – sondern vielmehr darin, dass wohl zahlreiche Bürgeranfragen ungelesen in den Mailaccounts eben dieser Mitarbeiter versanden. Als „hinterlistig“ beschimpft der Personalrat den Test; das mag sogar stimmen, dennoch haben Arbeitgeber das Recht zu prüfen, ob ihre Mitarbeiter für ihr Geld auch tatsächlich arbeiten. Testkäufe in Warenhäusern funktionieren nach demselben Mechanismus und sind ein anerkanntes Mittel. Geht es um den öffentlichen Dienst, ist eine Überprüfung der Arbeit noch notwendiger, immerhin werden die Beschäftigten aus Steuereinahmen bezahlt. Die Stadträte im Bezirksamt tun also ganz gut daran, ab und an als ihre eigenen „Kunden“ aufzutreten.