Die neu berechneten Hartz IV-Sätze spalten gerade die Republik: Unsozial sei die Erhöhung um gerade mal fünf Euro, finden die Einen; Hartz IV-Empfänger sollten nicht auf noch mehr Sozialleistungen bestehen, Geringverdiener erhielten schließlich auch keine Zuschüsse, meinen die Anderen.
Die Berliner rot-rote Landesregierung will im Bundesrat gegen die Hartz-Reform stimmen und überlegt nun sogar, Verfassungsklage gegen die Pläne der schwarz-gelben Koalition einzulegen. In der Kritik steht dabei nicht die geringe Höhe des nun mehr ausgezahlten Beitrags. Hauptsächlich moniert die Berliner Landesregierung, wie die Regelsätze für Kinder berechnet wurden.
Erwachsene Erwerbslose sollen ab 1. Januar 2011 statt 359 Euro monatlich 364 Euro erhalten. Nötig wurde die Neuberechnung, da das Bundesverfassungsgericht die mangelnde Transparenz der Berechnungen bemängelte. Dass die Beträge nach der Neuberechnung höher ausfallen sollen, davon war nie die Rede.
Am Hartz-IV-Satz, den Kinder erhalten, hat sich so auch nach der Neuberechnung nichts geändert. Und eben diese Tatsache stößt vielen Bürgern wie auch Oppositions-Politikern sauer auf. Der Vorwurf: Die Bundesregierung soll den Regelsatz künstlich heruntergerechnet haben.
Auffällig ist zum Beispiel, dass Kindern nach wie vor nur dieselbe monatliche Summe für Kleidung und Schuhe zur Verfügung steht wie Erwachsenen. Bei Kindern im Wachstum entbehrt diese Annahme jeglicher Realität, wie wohl alle Eltern wissen. Kritik äußert die Berliner Regierung aber auch am geplanten Bildungspaket. Statt nur Gelder direkt an die Eltern auszuzahlen, sollen die Kinder auch Sachleistungen erhalten, ihnen soll zum Beispiel das Schulessen finanziert werden. 100 Euro soll es für die Schulmaterialen für jedes Kind zusätzlich geben.
Doch in Berlin – und auch in anderen Kommunen – gibt es bereits bestehende Förderungen auf Landesebene: Das Mittagessen in Ganztagsschulen und Horten wird schon vom Land subventioniert. Auch die Anschaffung von Schulmaterial wie Heften und Stiften wird gefördert. Kommen die Gelder aus dem Bildungspaket hinzu, ziehen sich die Länder aus der Finanzierung zurück; für Eltern und Kinder ist das ein Nullsummenspiel.
