Als es im vergangenen, viel zu trockenem Herbst doch noch begann zu regnen, offenbarte der Berliner Hauptbahnhof Schwächen. Das Dach war undicht, von der Decke tropfte das Wasser. Doch dieser, durch pickende Krähen hervorgerufene Schaden ist nicht die einzige Verschleißerscheinung, die der Hauptbahnhof keine sechs Jahre nach Fertigstellung aufweist. Auch Brückenteile müssen in Kürze ausgetauscht werden, da sich Schrauben lockern. Der nicht ungefährliche Schaden wurde bereits einmal vorläufig saniert – für eine Summe von einer Million Euro. Die endgültige Reparatur wird nun rund zehn Millionen Euro kosten.
Schuld am vorzeitigen Verschleiß soll das hohe Bautempo sein, in dem das Berliner Prestigeprojekt aus dem Boden gestampft wurde. Bis zur WM im Jahr 2006 habe der damalige Bahnchef Mehdorn den Bahnhof unbedingt fertigstellen wollen. Was auch gelungen ist, allerdings zum Teil auf Kosten des Designs – so wurde zum Beispiel das Dach verkürzt und die bereits produzierten Teile sind bis heute nicht angebaut – zum Teil auch auf Kosten der Sicherheit. Bei den in Kurven verlaufenden Brücken werden Fahrbahn-Übergangskonstruktionen verwendet, welche die Schienen entlasten sollen. Eigentlich sei aufgrund der kurvigen Streckenführung eine Sonderbauart dieser Teile nötig gewesen; wegen des hohen Zeitdrucks wurden diese allerdings nicht entwickelt. Um den Schaden an den Fahrbahn-Übergangskonstruktionen zu beheben, ist nun der Austausch von 38 der insgesamt 50 Bauteile für das Jahr 2015 geplant. Für den Zug- und auch für den Straßenverkehr entlang der Streckenführung wird dies natürlich Einschränkungen bedeuten.
Bahnhöfe in Berlin