Berlin Blog

Ein Blog für Berliner und Brandenburger

Eine Webadresse für Berlin – .berlin

Möchte man eine eigene Webseite einrichten, ist die Auswahl an möglichen Adressendungen bisher nicht so groß. Neben den Länderendungen wie .de, .es oder .uk gibt es Endungen wie .com für Unternehmen, .org für Organisationen, .info für Informationen oder .net, was ursprünglich nur für Netzwerkeinrichtungen gedacht war, heute aber für jeden frei zugänglich ist. Diese so genannten Top Level Domains sollen in naher Zukunft durch viele weitere Webadressen-Endungen ergänzt werden. Auch Berlin hat sich beworben, damit in der Stadt ansässige Unternehmen, Organisationen oder auch Behörden ihre Internetadressen auf .berlin enden lassen können. Getragen wird die Bewerbung von der Initiative dotBerlin, der Berliner Senat unterstützt das Anliegen.

Reguliert werden die Internetadressen von der ICANN, der internationalen Organisation zur Verwaltung von Webadressen. Auch andere Städte und Bundesländer haben bereits ihre Bewerbung für eine eigene Top Level Domain (TDL) eingereicht, darunter etwa Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Bis zu 1.000 neue Adressendungen könnten auf diese Weise zustande kommen.

Finanzamt.berlin, schulen.berlin, zoo.berlin – diese Webadressen sollen, geht es nach der Initiative dotBerlin, bald schon Wirklichkeit sein. Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht: Das Antragsgebühr beträgt laut Aussage der ICANN 185.000 US-Dollar. So sind es auch vor allem große Unternehmen wie Canon oder Tourismusbetriebe, die sich für eine eigene TDL interessieren – so wollen sie unter anderem ihre Markenrechte schützen Doch was bringt es eigentlich, wenn ein Maler seine Webseite nun auf maler.berlin anmeldet statt auf maler-berlin.de oder eine ähnliche Adresse? Die Bewerber, auch der Berliner Senat, erhoffen sich durch die neue Domain-Endung einen höheren Wiedererkennungswert und einen Marktvorteil gegenüber Mitbewerbern. Der lokale Bezug der Unternehmen zur Stadt Berlin soll durch die Top-Level-Domain zudem auf den ersten Blick sichtbar werden – wodurch sich die Initiatoren der Bewerbung auch eine Image-Aufpolierung erhoffen. Ob dies die hohe Investition rechtfertigt und ob das Web für die Anwender durch die Adressvielfalt nicht einfach nur verwirrender wird – berechtigte Fragen, die durch die Begeisterung von ICANN und dotBerlin nicht beantwortet werden.

Die Bewerbungsfrist für die neuen TDLs läuft noch bis Donnerstag, anmelden kann man die neuen Adressen, die schließlich ausgewählt werden, jedoch erst ab 2013.

 

Die Blue Man Group sucht Nachwuchstalente

Für Nachwuchskünstler gibt es in Berlin in den nächsten Tagen eine einmalige Chance: Die Performance-Künstler der Blue Man Group suchen Nachwuchs. Am 16. April von 10.00 bis 16.00 Uhr findet im Stage Bluemax Theater am Potsdamer Platz ein offenes Casting statt. Eingeladen sind junge Schauspieltalente, Performer, Musiker, Comedians oder auch Bühnentechniker – beiderlei Geschlechts, denn auch Frauen haben die Gelegenheit, ein Mitglied der blauen Truppe zu werden.

Die Blue Man Group tritt seit 2004 in Berlin auf und zeigt ihr typische Mischung aus Percussion-Rhythmen, rockigen Klängen, Comedy und Performance-Kunst. Das Spektakel hat seinen Ursprung in New York, wo junge Künstler am Ende der achtziger Jahre von Kopf bis Fuß in blaue Farbe getaucht das Jahrzehnt beerdigten. Drei Mitglieder der Künstlergruppe gründeten die Blue Man Group – innerhalb kurzer Zeit gelang ihnen der Sprung vom Off Broadway zum Broadway. In Deutschland machten die nach wie vor in Blau verkleideten Männer zunächst in Werbespots auf sich aufmerksam, bevor sie eine feste Station am Potsdamer Platz bekamen.

Talentierte Künstler können nun ein Teil der außergewöhnlichen Performance-Gruppe werden. Mitbringen müssen die Bewerberinnen und Bewerber nur einen Lebenslauf und ein Foto. Nur wenige Voraussetzungen werden gestellt: Bewerber müssen zwischen 1,77 und 1,86 Meter groß sein, ein gutes Rhythmusgefühl und im besten Fall Trommelerfahrung besitzen, mit Schauspiel und Improvisationstalent überzeugen – und sie sollten bereit sein, den Ort zu wechseln. Nach dem Casting und einem dreitägigen Bewerbungsverfahren geht es für die Gewinner nämlich nach New York, wo die Künstler zu vollwertigen Blue Men (bzw. Blue Women) ausgebildet werden. Im Big Apple stehen sie auch schon mit den restlichen Gruppenmitgliedern auf der Bühne – der Auftakt zu einer möglichen Karriere in Deutschland und auf internationalen Tourneen. 2010 hatte Dennis Raadelaar den Sprung in die Blue Man Group bereits geschafft und ist nun fester Bestandteil des Ensembles im Bluemax Theater.

Das Guggenheim Lab zieht in den Prenzlberg

Es gehört zu den umstrittensten Projekten, die derzeit in Berlin geplant werden: Das Guggenheim Lab, gesponsert von BMW, stößt vor allem bei der linksalternativen Szene auf Widerstand. Nachdem der eigentlich geplante Standort in Kreuzberg nicht zu halten war, steht jetzt fest, wo das Lab, das der Erforschung urbaner Zukunftsfragen dienen soll, seine Türen öffnen wird. Im Prenzlauer Berg, auf dem Gelände des Pfefferbergs, soll die Denkfabrik am 15. Juni starten, das gab am Dienstag die Guggenheim Stiftung in New York bekannt. Damit liegt der Baubeginn drei Wochen später als eigentlich geplant.

Mehrere Standorte in Kreuzberg und im Prenzlauer Berg erteilten dem Guggenheim Lab zuvor eine Absage, vor allem in Kreuzberg war der Widerstand enorm. Was will die Guggenheim Stiftung mit dem Labor für Zukunftsfragen eigentlich erreichen – und warum lehnen gerade linke Gruppen das Guggenheim Lab so vehement ab?

Das Guggenheim Lab will eine Zukunftswerkstatt sein, die innerhalb von sechs Jahren sechs Städte besucht. Die Herausforderungen des modernen Stadtlebens sollen hier betrachtet werden: „Confronting comfort“ ist das Motto, eine kritische Auseinandersetzung mit dem bequemen westlichen Lebensstil, mit einem zu verschwenderischen Umgang mit Ressourcen, mit Nachhaltigkeit. Fragen sollen im Dialog zwischen Experten und Bewohnern der jeweiligen Städte geklärt werden. Von August bis Oktober 2011 war das Guggenheim Lab in New York stationiert, die zweite Station wird nun Berlin werden, anschließend geht es nach Mumbai. Die Zielsetzung, die sich zunächst recht schwammig anhört, kann an sich gerade in Berlin auf offene Türen einrennen: Die Gentrifizierung der Trendbezirke, die Verdrängung der ursprünglichen Bewohner durch gut verdienende Zugezogene, die neue soziale Uniformität und Abgeschlossenheit von ganzen Straßenzügen könnten hier thematisiert werden und es könnten Lösungen für diese Problematik angedacht werden.

Es ist jedoch gerade die Angst vor der zunehmenden Gentrifizierung, welche die Gegner des Guggenheim Labs antreibt. Steigende Mieten durch die Denkfabrik? Eine Sorge, die die Aktivisten durchaus haben. Darüber hinaus steht vor allem die Zusammenarbeit mit BMW in der Kritik. Die Imagepflege, die der Konzern mit dem Lab betreiben will, kommt nicht gut an. Die Guggenheim Stiftung und BMW gaben den Protesten letztlich nach und mussten sogar den Starttermin verschieben. Dadurch verkürzt sich die gesamte Dauer des Projektes: Statt vom 24. Mai an öffnet die Denkfabrik nun vom 15. Juni bis zum 29. Juli.

Clubszene: Das Berghain gehört nicht mehr zur Top 10 der international besten Clubs

Berlins Clubszene – in den 1990er Jahren ein Geheimtipp, im neuen Jahrtausend kam keiner mehr an der Partyszene der noch relativ frischen deutschen Hauptstadt vorbei. Einer der bekanntesten Berliner Clubs, das Berghain, verliert allerdings an Beliebtheit: In der Rangliste der besten Clubs der Welt, herausgegeben vom britischen DJmag, rangiert das Berghain nicht mehr unter den Tp 10. Reichte es letztes Jahr noch für Platz sechs, ist dieses Jahr nur der 13. Rang drin. Ein herber Schlag – wurde der Club doch 2009 noch auf Platz eins der renommierten Liste gewählt.

Das Fachmagazin DJmag erstellt die Rangliste der weltweit besten Clubs anhand einer großangelegten internationalen Online-Abfrage. 2012 beteiligten sich rund 160.000 Internetuser an der Umfrage. Den ersten Platz erreichte der Club „Space“ auf Ibiza, der auch schon im Vorjahr die Spitzenposition erobern konnte.

Generell landen die großen Clubs unter den Top 100. Berlin zeichnet sich allerdings immer noch, trotz beträchtlicher Kürzungen und einiger Räumungen in der letzten Zeit, durch eine lebhafte Subkultur aus. Das Berghain wird aufgrund seiner schlechteren Platzierung auch gewiss keine Gäste aus Berlin und aller Welt verlieren. Im Club in Friedrichshain-Kreuzberg – aus der Zusammensetzung der Bezirksnamen stammt auch der Name – legen internationale House- und Techno-DJs auf, die jedes Wochenende zahlreiche Clubgänger anziehen. Auf wenig Gegenliebe stößt allerdings die immer strenger werdende Türpolitik. Schon seit der Eröffnung waren die Türsteher des Berghain für ihre strenge Gästeauswahl bekannt, aufgrund des großen Andrangs heißt es heute für immer mehr Besucher: Bitte draußen bleiben.

Mehr Beschwerden über Berliner Taxifahrer

Berlins Taxifahrer gelten nicht unbedingt als die freundlichsten Zeitgenossen. Beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten häufen sich derzeit die Beschwerden. Wer bis jetzt immer Glück gehabt und nur an nette Fahrer und Fahrerinnen geraten ist – die Sorte, die den Kofferraum öffnet und schweres Gepäck hebt, Koffer aus dem Auto hebt und vielleicht sogar noch ein paar Stufen hochträgt, die freundliche Gespräche beginnt und mit Berliner Schnauze überzeugt – mag sich da wundern. Denn diese Taxifahrer gibt es. Doch die Berufszunft scheint auch unfreundlichere Vertreter hervorzubringen. So hat sich die Anzahl der Beschwerden von 2010 auf 2011 mehr als verdoppelt: 2010 lagen noch 23 Beschwerden über Taxifahrer vor, die nicht auf dem kürzesten Weg zum Ziel fuhren oder zu hohe Preise verlangten. Im vergangenen Jahr waren es schon 116 Beschwerden.

Auch bei den Beschwerden über das Verhalten der Berliner Taxifahrer ist ein Anstieg zu verzeichnen: Klagten 2010 noch 147 Fahrgäste über Unfreundlichkeit, waren es 2011 schon 211. Einigen Fahrgästen wurde auch das Mitfahren verweigert, da die Strecke zu kurz gewesen sei. 118 Beschwerden über diesen oder ähnliche Sachverhalte gingen beim Amt ein. Das Amt für Ordnungs- und Bürgerangelegenheiten geht den Beschwerden nach und führt Anhörungen durch. Stellen sich die Kundenklagen als berechtigt heraus, wird ein Bußgeld verhängt. Besteht ein Verdacht auf Betrug, werden etwa nachweislich falsche Tarife abgerechnet, geht der Fall an die Polizei.

Aber was darf ein Kunde eigentlich tatsächlich vom Taxifahrer verlangen? Die Berliner Taxi-Zentrale gibt Tipps:

  • So muss der Kunde keineswegs den ersten Wagen aus einer Reihe wartender Taxis wählen, etwa am Flughafen oder am Bahnhof. Er darf in ein Fahrzeug seiner Wahl einsteigen.
  • Grundsätzlich bestimmt der Fahrgast über Ziel, Zweck und Ablauf der Taxifahrt. Ein Fahrer darf also keine Fahrt ablehnen, die nur kurz um die Ecke geht und die ihm zu kurz ist.
  • Die Beförderungspflicht gilt innerhalb des Berliner Stadtgebietes und Schönefeld. Weitere Strecken dürfen Taxifahrer ablehnen.
  • Die Fahrt muss zum jeweils gültigen Personenbeförderungstarif durchgeführt werden. Der Fahrer darf die Fahrt nicht teurer abrechnen, allerdings auch keine Preisnachlässe gewähren. Der Tarif ist im Taxi selbst an der linken Seitenscheibe anzubringen.

Noch zahlreiche offene Stellen am Flughafen Berlin Brandenburg

Für den Arbeitsmarkt verheißt der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg einen Aufschwung. Während Anwohner der Regionen, die vom Fluglärm der startenden und landenden Flugzeuge betroffen sind, in diesen Tagen erneut gegen die Flugroutenplanung protestieren, freuen sich auch zahlreiche Menschen über die baldige Inbetriebnahme des BER: Elf Wochen vor der Eröffnung des Flughafens in Schönefeld sind noch nicht alle offenen Stellen besetzt. Rund 8.000 Arbeitsplätze sind allein bei der Agentur für Arbeit registriert. Am gestrigen Mittwoch veranstalteten die Arbeitsagentur und die Flughafengesellschaft daher eine Jobbörse am zukünftigen Standort des Airports – es war bereits die zweite ihrer Art, eine dritte Jobbörse soll im Mai folgen. Noch haben Bewerber also Chancen, einen der begehrten Jobs im Luftfahrt- und Tourismussektor zu ergattern.

Gesucht werden aber nicht nur Flugbegleiter – offene Stellen gibt es vor allem noch in der Gastronomie. Die Fast-Food-Ketten und Food-Tempel, die sich rund um die Terminals ansiedeln, suchen noch nach rund 300 neuen Mitarbeitern. Der Einzelhandel sucht noch nach mindestens 200 Bewerbern, außerdem halten Hotels, Autovermietungen oder das neue „Berlin Brandenburg Welcome Center“ Ausschau nach neuen Mitarbeitern. Für Jobs in der Abfertigung am Flughafen zählen vor allem Servicequalität und die Bereitschaft, auch in Schichtarbeit zu arbeiten. Für Flugbegleiter sind neben einem freundlichen Auftreten und einem sympathischeren Äußeren auch Fremdsprachenkenntnisse von Bedeutung.

Nicht für jeden erscheinen die Arbeitsbedingungen am neuen Großflughafen allerdings attraktiv. Die Arbeitsverhältnisse für die Jobs am Boden sind in der Regel auf ein Jahr befristet, mit monatlichen Kündigungsfristen, die Stundenlöhne orientieren sich meist an den – relativ geringen – Tarifverträgen für Wach- und Sicherheitsdienste Berlin Brandenburg, die zwischen 6 und 8 Euro brutto in der Stunde bringen – bei Vollzeitarbeit mit 48-Stunden-Wochen und Schichtdienst. Zwar sind dies mittlerweile keine ungewöhnlichen Bedingungen mehr, allerdings auch nicht die attraktivsten.

Keine Müllabfuhr, keine Wasserbetriebe: Am Mittwoch streikt der öffentliche Dienst

Berlin ist ohnehin nicht die sauberste Stadt Deutschlands. Am Mittwoch wird der Müll noch ein wenig länger liegen bleiben, denn dann streikt der öffentliche Dienst – darunter unter anderem die Stadtreinigung, aber auch die Wasserbetriebe. Es ist das erste Mal in dieser Tarifrunde, dass die Gewerkschaft Verdi in Berlin zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen hat.

Die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro brutto mehr im Monat auf dem Konto. Die Arbeitgeber zeigten sich bisher bereit, lediglich 3,3 Prozent mehr in mehreren Stufen zu zahlen – zu wenig, befindet die Gewerkschaft. Daher wird im ganzen Bundesgebiet gestreikt – in der Hauptstadt am Mittwoch, am Donnerstag kommt Brandenburg an die Reihe, mit einem Schwerpunkt in Potsdam.

In Berlin sind nicht nur die Berliner Stadtreinigung (BSR) und die Wasserbetriebe betroffen, sondern auch die Jobcenter und öffentliche Bäderbetriebe – hier soll die Arbeit allerdings nicht ganztägig, sondern nur vier Stunden lang ruhen. Auch die Beschäftigten in den Bundeseinrichtungen wie Behörden sollen die Arbeit niederlegen, außerdem werden die Vivantes Kliniken von den Streiks betroffen sein. Eine Notdienstbehandlung bleibt allerdings bestehen – ein Verfahren, das sich bereits in vergangenen Streiks bewährt hat. Mit den Warnstreiks erhofft sich Verdi, den dritten Verhandlungsgesprächen am 28. Und 29. März mehr Nachdruck verleihen zu können.  In Berlin ist die Situation besonders brisant, da hier für einige Beschäftigte nur eine reduzierte Version der bisherigen Tarifverträge gilt. Eine Krankenschwester der Vivantes Kliniken verdient so nach zehn Dienstjahren inklusive Schichtzulage rund 1.000 Euro weniger im Monat als in öffentlichen Kliniken anderer Bundesländer – nämlich brutto 2650 Euro.

 

Der Kiez rund ums Ostkreuz verändert sich

Für das Wochenende sind die ersten warmen Frühlingstage angekündigt. Bis auf 18 Grad soll das Thermometer am Samstag steigen – ideal, um einen Ausflug mit der Familie oder Freunden zu unternehmen. Einen Strich durch die Rechnung könnte den Berlinern allerdings der öffentliche Nahverkehr machen; bereits am diesen Wochenende soll es zu ersten Streckensperrungen zwischen der Schönhauser Allee und Ostkreuz geben sowie zwischen Lichtenberg und Ostkreuz. Den ganzen April über müssen Berliner Fahrgäste zudem mit Einschränkungen im ÖPNV rechnen.

Fast zeitgleich mit den geplanten Sperrungen geben die Berliner Verkehrsbetriebe eine Erhöhung der Fahrkartenpreise bekannt. Ab Sommer sollen die Tickets für Busse und Bahnen in Berlin und Brandenburg durchschnittlich 2,8 Prozent mehr kosten. In Berlin wird ein Einzelfahrschein auf der Strecke AB dann 2,40 Euro statt bisher 2,30 Euro kosten, der Preis für die Umweltkarte AB steigt von bisher 74 auf 77 Euro, die Monatskarte ABC wird 95 Euro kosten.

Während die Berliner Pendler in den kommenden Wochen über die Einschränkungen des Zugverkehrs ächzen werden, bemerken die Anwohner rund um den Kiez am S-Bahnhof eine deutliche Veränderung. Noch vor einigen Jahren war vor allem der Bereich südlich des Ostkreuzes eher trist und grau, viele Obdachlose hatten hier ihr Revier. Heute zieht es zahlreiche Studenten und andere junge Leute in diesen Teil von Friedrichshain; mit ihnen kommen die trendigen Bars, Cafés und Geschäfte. Für alteingesessene Mieter bedeutet dies zum einen eine angenehmere Kiezstruktur; allerdings steigen auch die Mieten im neuen Trendbezirk enorm. Mittlerweile gehört Friedrichshain-Kreuzberg zu den teuersten Bezirken Berlins, die Mietpreise liegen zum Teil sogar noch über den Wohnungspreisen im einst mondänen Charlottenburg-Wilmersdorf.
Kieze und Bezirke in Berlin

Seefestspiele Wannsee gehen mit „Carmen“ in die zweite Runde

Es war eines der Berliner Highlights im vergangenen Sommer: Mitten im Wannsee schwamm eine große Bühne, von dort aus verzauberten die Klänge von Mozarts „Zauberflöte“ die Zuschauer. Die Neuinszenierung der bekannten Oper von Katharina Thalbach war der Auftakt für die Wannsee Festspiele – in diesem Jahr wird das Spektakel wiederholt. Vom 16. August bis zum 2. September wird dann die Oper „Carmen“ auf der Seebühne gegeben. Während der Termin und das Bühnenbild schon feststehen, wird nach den Darstellern noch gesucht.

Wieder konnte eine berühmte Persönlichkeit für die Regie der Wannsee Festspiele gewonnen werden: Die Wannsee-Carmen wird von keinem geringeren als Volker Schlöndorff inszeniert, der unter anderem für seine Verfilmung von Günther Gras „Blechtrommel“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Die bekannten Stücke der Oper, in deren Mittelpunkt eine verführerische Femme fatale steht, werden auf Deutsch gesungen. Darsteller für die Hauptrollen werden zurzeit noch gesucht – bewerben kann sich jeder, der neuer Star am Berliner Opernhimmel werden möchte. Bis zum 30. April werden die Bewerbungen junger Sängerinnen und Sänger noch angenommen; anschließend geht es zum Casting ins Radialsystem am Ostbahnhof, wo sich die Bewerberinnen und Bewerber im Wettstreit um die Rollen der Carmen, der Micaela, Don José und Escamillo bewähren müssen. Vom 14. Bis zum 18. Mai wird eine Jury über die endgültige Besetzung entscheiden.

Zu den ersten Seefestspielen im vergangenen Jahr kamen knapp 40.000 Zuschauer. 2012 hoffen die Veranstalter auf einen noch größeren Publikumsandrang. Nun muss im kommenden Spätsommer nur noch das Wetter mitspielen, um den Gästen ein einmaliges Erlebnis am Wannsee zu gewähren.

Zum Weltfrauentag: Gleichberechtigung und die Berliner Politik

Dieser Donnerstag war Weltfrauentag – eine ideale Gelegenheit auch für die Berliner Politik, sich mit der Gleichberechtigung innerhalb der Parteien und innerhalb großer Unternehmen auseinanderzusetzen. Eine Partei, die zumindest auf dem Papier viel Wert auf Gleichberechtigung aller Menschen legt, ist die Piratenpartei, bei der Wahl 2011 erstmals in den Berliner Senat eingezogen. Schon die Gründungsgeschichte der Piraten, die aus der Netzbewegung heraus entstanden, bedingt allerdings einen recht geringen Frauenanteil unter den Mitgliedern – die als technisch angesehen Themen rund um Internet, Datenschutz und Freiheitsrechte im Netz scheinen für viele Frauen nicht sehr attraktiv. Die Piratenpartei versteht sich selbst als „post-gender“, also als jenseits von Geschlechterdebatten angekommen; der „Kegelclub“, ein Frauennetzwerk innerhalb der Partei, untersuchte dennoch, wie es um den Sexismus bei den Berliner Piraten bestellt ist.

Die Umfrage erhob, wie viele weibliche Parteimitglieder bereits einmal mit sexistischen Kommentaren oder Macho-Sprüchen konfrontiert waren. „Macho-Sprüche“ sind nun natürlich ein weites Feld, was als sexistisch verstanden wird, ist abhängig von der jeweiligen Person; 49 Prozent der Piratinnen jedenfalls fühlten sich schon einmal durch derartige Sprüche angegriffen. 21 Prozent der Frauen finden, dass weibliche Parteimitglieder bei den Piraten nicht, kaum oder eher weniger gleichberechtigt sind; so sehen es allerdings nur sechs Prozent der Männer. Der Kegelclub zieht aus der nichtrepräsentativen Umfrage den Schluss, dass Sexismus ein Problem innerhalb der Piratenpartei sei.

In einem sind sich männliche und weibliche Parteimitglieder allerdings einig: Die Mehrheit beider Geschlechter spricht sich gegen eine staatliche vorgeschriebene Frauenquote aus; obwohl in Berlin nur rund neun Prozent der Führungskräfte und Aufsichtsradmitglieder weiblich sind, sollen staatliche Vorschriften dies nicht regulieren. Etwas anders sieht es das Landesgleichstellungsgesetz, das 2010 erlassen wurde: Demnach sind Gremien wie Aufsichtsräte paritätisch nach dem Anteil der Geschlechter im Unternehmen zu besetzen. Zum Weltfrauentag jedoch machte die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat (SPD), deutlich, dass der Senat selbst sich nicht an dieses Gesetz hält; scheiden Landesvertreterinnen aus den Gremien aus, würden die Stellen mit Männern neu besetzt, so Kolats Beschwerde. Die Frauenvertreterinnen der Parteien sehen daher beim Senat selbst noch Handlungsbedarf, um echte Gleichberechtigung zu schaffen.