Möchte man eine eigene Webseite einrichten, ist die Auswahl an möglichen Adressendungen bisher nicht so groß. Neben den Länderendungen wie .de, .es oder .uk gibt es Endungen wie .com für Unternehmen, .org für Organisationen, .info für Informationen oder .net, was ursprünglich nur für Netzwerkeinrichtungen gedacht war, heute aber für jeden frei zugänglich ist. Diese so genannten Top Level Domains sollen in naher Zukunft durch viele weitere Webadressen-Endungen ergänzt werden. Auch Berlin hat sich beworben, damit in der Stadt ansässige Unternehmen, Organisationen oder auch Behörden ihre Internetadressen auf .berlin enden lassen können. Getragen wird die Bewerbung von der Initiative dotBerlin, der Berliner Senat unterstützt das Anliegen.
Reguliert werden die Internetadressen von der ICANN, der internationalen Organisation zur Verwaltung von Webadressen. Auch andere Städte und Bundesländer haben bereits ihre Bewerbung für eine eigene Top Level Domain (TDL) eingereicht, darunter etwa Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Bis zu 1.000 neue Adressendungen könnten auf diese Weise zustande kommen.
Finanzamt.berlin, schulen.berlin, zoo.berlin – diese Webadressen sollen, geht es nach der Initiative dotBerlin, bald schon Wirklichkeit sein. Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht: Das Antragsgebühr beträgt laut Aussage der ICANN 185.000 US-Dollar. So sind es auch vor allem große Unternehmen wie Canon oder Tourismusbetriebe, die sich für eine eigene TDL interessieren – so wollen sie unter anderem ihre Markenrechte schützen Doch was bringt es eigentlich, wenn ein Maler seine Webseite nun auf maler.berlin anmeldet statt auf maler-berlin.de oder eine ähnliche Adresse? Die Bewerber, auch der Berliner Senat, erhoffen sich durch die neue Domain-Endung einen höheren Wiedererkennungswert und einen Marktvorteil gegenüber Mitbewerbern. Der lokale Bezug der Unternehmen zur Stadt Berlin soll durch die Top-Level-Domain zudem auf den ersten Blick sichtbar werden – wodurch sich die Initiatoren der Bewerbung auch eine Image-Aufpolierung erhoffen. Ob dies die hohe Investition rechtfertigt und ob das Web für die Anwender durch die Adressvielfalt nicht einfach nur verwirrender wird – berechtigte Fragen, die durch die Begeisterung von ICANN und dotBerlin nicht beantwortet werden.
Die Bewerbungsfrist für die neuen TDLs läuft noch bis Donnerstag, anmelden kann man die neuen Adressen, die schließlich ausgewählt werden, jedoch erst ab 2013.