Viele Ausbildungsplätze warten noch auf Bewerber
Die gute Nachricht zuerst: Der Berliner Lehrstellenmarkt ist so entspannt wie lange nicht mehr. Noch Tausende von Ausbildungsplätzen haben Unternehmen in der Hauptstadt zu vergeben, berichtet die Handwerkskammer. Die weniger gute Nachricht: Es fehlen geeignete Bewerber. Viele scheitern schon an der ersten Hürde, dem Bewerbungsschreiben.
Kein Chef, kein Mitarbeiter der Personalabteilung möchte ein Bewerbungsschreiben mit Flecken, umgeknickten Eselsohren oder Rechtschreibfehlern lesen. Das Bewerbungsschreiben vermittelt den ersten Eindruck, dieser sollte natürlich möglichst positiv ausfallen. An sich sollte das auch den jungen Leuten bekannt sein, die sich nun um die Lehrstellen bewerben.
Ist es fehlende Sorgfalt der Jugendlichen, mangelndes Interesse, oder wird in den Schulen zuwenig Wert auf ein gutes Bewerbungstraining gelegt? Vielleicht spielen alle drei Ursachen eine Rolle.
Doch nicht nur die mangelnde Qualifikation einiger Bewerber sorgt dafür, dass so viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Wie überall in Deutschland schlägt auch in Berlin der demographische Wandel zu: Das Durchschnittsalter steigt, die Zahl der Schulabgänger dagegen sinkt kontinuierlich; besonders die Zahl der Real- und Hauptschulabgänger geht zurück. In Berlin machten im letzten Jahr 9.000 Haupt- und Realschüler ihren Abschluss. Allein das ist schon zu wenig, um alle Lehrstellen zu besetzen.
Die Entwicklung soll sich in den nächsten Jahren fortsetzen – als Folge fehlen Berlin in den nächsten Jahren Fachkräfte in den klassischen Ausbildungsberufen. Eine Studie im Auftrag der Berliner Bank sieht die Zukunft in gut ausgebildeten Migranten. Ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden, ihr Potenzial zu entfalten. Auch weniger qualifizierte Jugendliche sollen über spezielle Ausbildungs- und Förderprogramme in Unternehmen eingebunden werden.
Der erste Streik traf Berlin überraschend und war mehr als ein kurzer Warnschuss: Nicht nur den ganzen Freitag hindurch sondern noch bis weit in den Samstag hinein standen Anfang Februar die Räder von Bussen, Trams und U-Bahnen still. Die Bürger nahmen es relativ gelassen: Viele Nichtmotorisierte stiegen bei Sonnenschein aufs Fahrrad um oder nutzten die nicht zur BVG gehörigen S- und Regional-Bahnen.