Schweinegrippe auf dem Vormarsch – aber beim Impfen herrscht Chaos
Nachdem Anfang November der erste Berliner an den Folgen des Schweinegrippe-Erregers H1N1 starb, wandelte sich die anfängliche Impfskepsis der Bevölkerung in Impfbereitschaft. Doch wer sich den Impfstoff Pandemrix spritzen lassen will, muss erst mal mühsam herausfinden, wo. Die offiziellen Angaben sind da nicht immer hilfreich. Oft hilft nur ein Anruf in der Praxis, um zu erfahren, welcher Arzt nun impft und welcher nicht.
Noch sind bei Weitem nicht genug Berliner Ärzte bereit, den Impfstoff zu verabreichen. Um alle Berliner zu versorgen, wären laut Experten 1.000 Ärzte nötig. Doch die Berliner Mediziner sind skeptisch, vermuten zu viele Risiken bei Pandemrix. Der Impfstoff arbeitet mit einem Wirkstoffverstärker, den chronisch Kranke schlechter vertragen. Ausgerechnet diese Gruppe erhält den Wirkstoff aber zuerst. Bei Schwangeren ist Pandemrix noch gar nicht erprobt.
Impfwillige Ärzte dagegen müssen einen Vertrag mit dem Berliner Senat abschließen. Und die Bearbeitung dieser Verträge zieht sich hin. Das Chaos wird noch dadurch erhöht, dass die letzten Impfdosen erst am heutigen Mittwoch an die Praxen ausgeliefert werden. Dort müssen sie noch 24 Stunden kühl lagern; die eigentliche Impfung beginnt bei vielen Ärzten also erst am Donnerstag. Nun kündigte Impfstoff-Hersteller GlaxoSmithKline auch noch an, nur halb so viel Impfstoff auszuliefern, wie erwartet.
Schlange stehen für eine Impfung – die ersten Praxen haben sogar schon Wartelisten eingerichtet, wenn man Medienberichten glauben darf. Eine gute Organisation stellt man sich irgendwie anders vor. Da kann man nur hoffen, dass in Deutschland nie eine wirkliche Pandemie ausbricht.
Dazu kommt die Verunsicherung über den Impfstoff. In den USA erhalten Patienten einen Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker – warum war das nicht auch in Deutschland möglich? Während sich die Berliner noch diese Frage stellen, werfen sich Senat und Ärzteschaft gegenseitig vor, die Impfungen zu behindern. Die Leidtragenden der ganzen Chaosaktion sind die Patienten.


