Jugendprävention ist eine gute Sache, eigentlich sind sich da alle einig. Jugendliche aus Problemfamilien, aus problembehafteten Bezirken auffangen, ihnen sinnvolle Beschäftigung geben – wie kann das nicht von staatlicher Seite aus gefördert werden? Doch gerade die Förderung für 68 Jugendprojekte möchte Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky streichen – für die Jugendhilfe würde dies das Aus bedeuten.
Buschkowsky ist an sich nicht als der Mann bekannt, der unbedacht den Rotstift bei Präventionsprojekten ansetzt. Und jetzt sollen plötzlich 68 Jugendprojekte zum 30. September 2011 schließen? Das Unverständnis ist groß, unter den Sozialarbeitern, unter den Lehrern, auch unter den Schülern. 14 Schulstationen und 49 freie Träger sollen von den Kürzungen betroffen sein, das sind insgesamt 170 Stellen, die es ab Oktober nicht mehr geben soll. Am Mittwoch, 13. Juli, wollen Betroffene an der Sondersitzung der Bezirksverordnetenversammlung teilnehmen, um ihre Protest gegen die Schließungen auszudrücken.
Buschkowskys Begründung für die Kürzungen: Die grüne Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold hätte verschwiegen, dass ein Defizit von 4 Millionen Euro bei der Jugendbeihilfe droht. Er hätte hier die Reißleine ziehen müssen, meint Buschkowsky. Nachdem das Defizit bekannt wurde, herrscht erbitterter Streit zwischen der Grünen-Politikerin und dem Bezirksbürgermeister. Die Träger der Jugendprojekte vermuten auch eine ganze Menge parteipolitisches Kalkül hinter der Entscheidung. Das könnte allerdings nach hinten losgehen. Immerhin hat der Bezirk jahrelang um Jugendbeihilfe-Projekte gekämpft, erst recht, nachdem die Rütli-Schule äußerst negativ in die Schlagzahlen geraten war.