Hat es bei Ihnen schon geklingelt? Standen schon ein freundlicher Herr oder eine nette Dame mit Fragebogen in der Hand vor Ihrer Tür? Seit gestern, Montag, den 9. Mai, läuft die erste bundesweite Volkszählung. 1800 Interviewer sind in der Hauptstadt unterwegs, eine repräsentative Auswahl von 126.000 Berlinerinnen und Berlinern wird befragt. In Brandenburg müssen 300.000 Menschen Rede und Antwort stehen – mehr als in Berlin, da laut Statistischem Bundesamt in der Großstadt eher von dem einen auf den anderen Bewohner geschlossen werden könne. Auf dem Land sei daher ein größeres Sample von Personen nötig, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.
Ziel des Zensus 2011: Zum einen soll die aktuelle Einwohnerzahl in Deutschland festgestellt werden. Zum anderen möchte das Statistische Bundesamt Informationen zu Wohnraum, Bildung und Erwerbstätigkeit gewinnen. Das sei notwendig, um Bildungseinrichtungen, Wohnungsbau und Wirtschaft zukunftsfähig zu planen.
Interessant ist die Erhebung vor allem in den östlichen Bundesländern: Im Zuge der Wende sind viele Bürger in den Westen gezogen – ohne sich allerdings am alten Wohnort abzumelden. Experten vermuten in den östlichen Ländern daher überhöhte Einwohnerzahlen.
Wenn es an Ihrer Tür klingelt, dann müssen Sie die Fragebögen auch beantworten. Die Teilnahme an der Volkszählung ist für alle Ausgewählten Pflicht, wer die Auskunft verweigert, kann sogar mit einem Bußgeld von zunächst 300, später dann 500 Euro belegt werden. Lediglich die Antwort auf die Frage zur Religionszugehörigkeit ist freiwillig.
Trotz der riesigen Datenmenge, die bei der bundesweiten Volkszählung erhoben wird, halten sich die Proteste von Datenschützern dieses Jahr in Grenzen. Ganz anders war das noch beim Zensus 1987: Damals erhielt die Volkszählung massiven Gegenwind von Menschen, die um die Vertraulichkeit ihrer persönlichen Daten besorgt waren. Liegt das an der geringeren Anzahl an Personen, die befragt werden? Ist die bessere Aufklärung dafür verantwortlich, wie die Organisatoren meinen? Vielleicht ist in einer Zeit, in der fast alle persönlichen Daten bei Facebook und Co. veröffentlicht werden, so eine Volkszählung auch schon egal.