Berlin Blog

Ein Blog für Berliner und Brandenburger

Zu wenig Fahrer bei der S-Bahn – wieder längere Wartezeiten für Fahrgäste

Bis zu -20 Grad sind in den kommenden Nächten angesagt – ein Hoch aus Sibirien macht dem milden Regenwetter endlich ein Ende und bringt den Winter nach Berlin. Den ersten Einbruch von Kälte und Schnee hat die Berliner S-Bahn, schon ganz entgegen den Erwartungen, gut überstanden. Nach den Ausfällen im letzten Winter wäre allein das schon eine Meldung wert; doch leider gibt es dennoch keine guten Nachrichten für Pendler. Diese stehen auf vielen Strecken am Montag nämlich wieder auf den Bahnsteigen und warten. Der Grund für die Ausfälle diesmal: Fahrermangel.

Bereits am Sonntag fuhren die Züge auf der S 25 nur im 20-Minuten-Takt statt wie normal alle 20 Minuten. Am Montag fahren die Züge zwischen Tegel und Schönholz sogar nur alle 40, statt alle 20 Minuten. Die S 47 fährt nur zwischen Spindlersfeld und Schöneweide, die S 5 zwischen Mahsdorf und Ostbahnhof kommt nur alle zehn Minuten.

Für den Normalbetrieb fehlen der S-Bahn zurzeit etwa 50 Fahrer. Einen verbindlichen Notplan, der sich an der Zahl der tatsächlich verfügbaren Fahrer orientiert, möchte der Verkehrsbetrieb aber nicht aufstellen. Man wolle flexibel bleiben und den Betrieb je nach Lage spontan anpassen, s o erklärt ein Sprecher gegenüber den Medien die Entscheidung. Für S-Bahn-Fahrgäste bedeutet das natürlich mehr Unwissenheit und die allmorgendliche Frage: Fährt meine Bahn pünktlich oder muss ich in der Kälte stehen? Sollte die anhaltende Kälte – die sich bis mindestens Ende der Woche halten wird, anschließend rechnen Meteorologen mit Schneefällen – doch noch negativ auf den S-Bahnverkehr auswirken, steckt allerdings schon ein Notfallfahrplan in der Schublade.

Großflughafen BBI: Deutsche Flugsicherung verkündet endgültige Routen

Lange gab es Diskussionen, Proteste und Demonstrationen. Seit Donnerstag stehen die Flugrouten für den neuen Berliner Großflughafen BBI nun fest. Das Bundesaufsichtsamt für Flugrouten stimmte der Routenplanung der Deutschen Flugsicherung zu. Anwohner am Müggelsee und am Wannsee zeigen sich enttäuscht – denn startende Flugzeuge werden die Gebiete zufolge dieser Routenplanung weiterhin überfliegen.

Beim Start fliegen Flugzeuge gegen den Wind. Wenn Ostwind herrscht, führen vom BBE aus daher keine Routen am Müggelsee vorbei; sehr zum Ärger der Anwohner, die hier bereits seit Monaten wütende Proteste auf die Beine stellen. Da an etwa einem Drittel der Tage im Jahr Ostwind herrscht, und das vor allem bei schönem Wetter, wird das beliebte Naherholungsgebiet seine begehrte Ruhe verlieren. Auf den Gegenvorschlag, die Startrouten statt über das bewohnte Gebiet über die Gosener Wiesen zu lenken, lehnte die Deutsche Flugsicherung ab: Das sei nicht vereinbar mit der erteilten Genehmigung zum Flughafenbau. Erkner wollten die Planer ebenfalls von startenden Maschinen verschonen – der Stadtteil wird nämlich bereits von landenden Flugzeugen überflogen. Vom Fluglärm der startenden Maschinen betroffen sind neben Müggelsee auch die Stadtteile Stahnsdorf, Teltow, Kleinmachnow, Lichterfelde, Zehlendorf und Wannsee; sobald die bewohnten Gebiete überflogen werden, müssen die Maschinen eine Höhe von 5.000 Fuß (1,5 Kilometer) erreicht haben, über Wannsee sogar eine Höhe von 8.000 Fuß (2,4 Kilometer). Besonders ärgerlich sind die Flugrouten für die Anwohner in Blankenfelde-Mahlow: Hier sind sowohl startende als auch landende Maschinen zu hören.

Die Anwohner sollen durch ein „umfassendes Schallschutzprogramm“ geschützt werden, teilte die Flugsicherung bei der Präsentation der Flugrouten mit. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit rief dazu auf, die Flugrouten als Kompromiss zu akzeptieren. Einige Bezirke wollen dennoch klagen. Doch große Chancen für eine Veränderung der Routen werden nicht mehr gesehen.

Berliner Hauptbahnhof: Erst undicht, dann Schrauben locker

Als es im vergangenen, viel zu trockenem Herbst doch noch begann zu regnen, offenbarte der Berliner Hauptbahnhof Schwächen. Das Dach war undicht, von der Decke tropfte das Wasser. Doch dieser, durch pickende Krähen hervorgerufene Schaden ist nicht die einzige Verschleißerscheinung, die der Hauptbahnhof keine sechs Jahre nach Fertigstellung aufweist. Auch Brückenteile müssen in Kürze ausgetauscht werden, da sich Schrauben lockern. Der nicht ungefährliche Schaden wurde bereits einmal vorläufig saniert – für eine Summe von einer Million Euro. Die endgültige Reparatur wird nun rund zehn Millionen Euro kosten.

Schuld am vorzeitigen Verschleiß soll das hohe Bautempo sein, in dem das Berliner Prestigeprojekt aus dem Boden gestampft wurde. Bis zur WM im Jahr 2006 habe der damalige Bahnchef Mehdorn den Bahnhof unbedingt fertigstellen wollen. Was auch gelungen ist, allerdings zum Teil auf Kosten des Designs – so wurde zum Beispiel das Dach verkürzt und die bereits produzierten Teile sind bis heute nicht angebaut – zum Teil auch auf Kosten der Sicherheit. Bei den in Kurven verlaufenden Brücken werden Fahrbahn-Übergangskonstruktionen verwendet, welche die Schienen entlasten sollen. Eigentlich sei aufgrund der kurvigen Streckenführung eine Sonderbauart dieser Teile nötig gewesen; wegen des hohen Zeitdrucks wurden diese allerdings nicht entwickelt. Um den Schaden an den Fahrbahn-Übergangskonstruktionen zu beheben, ist nun der Austausch von 38 der insgesamt 50 Bauteile für das Jahr 2015 geplant. Für den Zug- und auch für den Straßenverkehr entlang der Streckenführung wird dies natürlich Einschränkungen bedeuten.
Bahnhöfe in Berlin

Regierungserklärung: Bahn AG verkauft die S-Bahn nicht ans Land Berlin

Am gestrigen Donnerstag verkündete Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit vor der versammelten Presse die Regierungserklärung des neuen Berliner Senats. Für alle von Wartezeiten geplagten Pendler und sonstige S-Bahn-Fahrer gab es dabei eine wenig gute Nachricht: Die Bahn AG, das Mutterunternehmen der in letzter Zeit nur noch durch Pannen und Verspätungen auffallenden S-Bahn, möchte das Unternehmen nicht verkaufen. Im Koalitionsvertrag hatten die Berliner Regierungsparteien SPD und CDU angekündigt, Verhandlungen mit der Bahn AG zu führen, um die S-Bahn ausschreiben zu können. Möglich ist nun nur noch eine Teilausschreibung: Die Strecken im Südosten der Stadt sowie der Ring sollen ab 2017 von neuen S-Bahnen eines anderen Unternehmens befahren werden – so zumindest der Plan der Regierungskoalition.

Die Berliner Infrastruktur war ohnehin das Lieblingsthema Wowereits bei der Regierungserklärung. So forderte er unter anderem, dass alle Berliner sich zum neuen Flughafen Berlin-Brandenburg bekennen. Dessen Flugrouten stehen immer noch in der Diskussion, besonders natürlich bei den Anwohnern der überflogenen Ortschaften. Allerdings schaffe das Projekt auch 40.000 neue Arbeitsplätze und sei damit bedeutend für die Region, betonte Wowereit. Andere Projekte, um die sich der Senat in den kommenden Jahren kümmern möchte, sind der Bau von mehr Kita-Plätzen und einer Landes- sowie der Zentralbibliothek. Auch den angespannten Berliner Wohnungsmarkt will der Senat Wowereits Regierungserklärung zufolge entspannen und 30.000 neue Wohnungen bauen. Zudem hat die Regierungskoalition einen längst beerdigt geglaubten Plan wieder ausgegraben: In der Innenstadt will die rot-schwarze Regierung einen kostenlosen drahtlosen Internetzugang ausbauen.

Tempo 30: Mehr Sicherheit für Berliner Fußgänger?

Berlins Fußgänger haben es nicht gerade leicht. Rüpelige Radfahrer, Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind, den Blinker nicht nutzen – die Liste der Beschwerden ist lang und richtet sich auch gegen die Berliner Stadtplanung: Statt Ampeln gibt es an einigen besonders kritischen Übergängen nur Überwege, andere Ampelanlagen schalten so schnell um, dass Menschen, die etwas schlechter zu Fuß sind, kaum über die Straße kommen. Die Unfallstatistik scheint das Gefühl der Fußgänger, auf unsicherem Terrain zu leben, zu bestätigen: In den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres kamen 25 Prozent mehr Fußgänger im Straßenverkehr ums Leben als noch im Jahr zuvor.

Ist der Berliner Fußgänger also ein schützenswertes Geschöpf, dem bisher nicht genug Aufmerksamkeit zukommt? Immerhin machen Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, rund 30 Prozent der Verkehrsteilnehmer in der Stadt aus, ebenso viele wie Autofahrer. Der Senat plant seit dem letzten Sommer stadtentwicklerische Abhilfe, deren ersten Projekte in diesem Jahr starten sollen. So sollen drei Ampeln „fußgängerfreundlich“ umgebaut werden; unter anderem soll sich die Länge der Grünphase über Sensoren steuern lassen und nach dem Andrang richten. Am Checkpoint Charlie und der Bergmannstraße in Kreuzberg gilt außerdem Tempo 20 – für Autofahrer und Radler.

Einigen gehen diese Pläne aber nicht weit genug. Sie fordern ein innenstadtübergreifendes Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Ein Gutachten der Universität Essen zählt die Pluspunkte des Tempolimits auf: Dazu gehören nicht nur weniger Unfälle, eine bessere Übersicht für langsamere Verkehrsteilnehmer und größere Sicherheit für Kinder und Senioren, sondern auch die Feststellung, dass sich die Fahrzeit durch das geringere Tempo im Stadtbereich gar nicht wesentlich verlängert. Während kurze Tempo-30-Zonen Autofahrer oft nicht vom Gas gehen lassen, soll das übergreifende Tempolimit tatsächlich zu mehr Langsamkeit anhalten. Allerdings kann man sich auch als Nicht-Autofahrer vorstellen, dass die motorisierten Berliner sowie Pendler aus den Randbezirken über so eine Regelung wenig glücklich wären. Und ob sich jeder, der es eilig hat, an das Limit halten würde, ist ohnehin dahingestellt.

Winterzeit gleich Wartezeit bei der Berliner S-Bahn

Immer wieder im Winter werden die ohnehin schon leidgeprüften Berliner S-Bahn-Fahrgäste noch ein wenig mehr geprüft. In den letzten Jahren waren die nicht ausreichend gewarteten Wagons Schuld, dass es zu massiven Ausfällen kam, oder unerwartete Schneefälle. In diesem Jahr sorgen Stromausfälle und außergewöhnlich viele Krankmeldungen bei der S-Bahn für Verspätungen. Am vergangenen Donnerstag traf es Pendler besonders hart, als ein Stromausfall eines der zentralen Schaltwerke lahmlegte. Doch auch am vergangenen Montag mussten Passagiere noch einmal lange Wartezeiten in Kauf nehmen: Eine Signalstörung und eine defekte Weiche führten zu den Verspätungen.

Heute, am Dienstag, fährt die S-Bahn zum ersten Mal seit Tagen wieder nach den gewohnten Fahrplänen. Technische Defekte sind allerdings nicht die einzige Ursache für die vielen Ausfälle: Zahlreiche Fahrer hatten sich am Wochenende krankgemeldet. Gerüchte um einen „kalten Streik“ machten die Runde, da sich auffällig viele S-Bahnführer zeitgleich krankgemeldet hatten; etwa zehn Prozent der Fahrer fallen derzeit aus. An Ersatzkräften fehlt es – ein Personalmangel, den die Deutsche Bahn AG, Betreiber der Berliner-S-Bahn, erst vor kurzem zugegeben hatte.

Von neuen Entschädigungen, wie es sie in den letzten drei Jahren in Folge jeweils in Form von Freifahrten gab, möchte die S-Bahn zurzeit noch nichts wissen. Geprüft werden allerdings die Taxirechnungen, die Pendler nach dem Totalausfall am Donnerstag einreichten.

Nichts geht mehr bei der Berliner S-Bahn

Im Moment heißt es auf allen Berliner S-Bahnhöfen: Nichts geht mehr. Der gesamte Verkehr steht am Donnerstagmittag still. Die genaue Ursache ist zurzeit noch nicht bekannt, das elektronische Stellwerk in Halensee soll ausgefallen sein. Dort werden alle wichtigen Weichen und Signale des S-Bahn-Netzes gesteuert. Mal heißt es, ein Stromausfall sei Schuld an dem Chaos, mal wird ein erneuter Anschlag vermutet; Hinweise darauf gibt es allerdings nicht. Weiter geht es um die Mittagszeit nur mit der BVG. Neben der S-Bahn ist auch der Nah- und Fernverkehr im Westen der Stadt betroffen.

Während sich die Fahrgäste ärgern und nach alternativen Verkehrsmitteln Ausschau halten, streitet die neue Berliner Koalition derweil über ein Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln. Hamburg und kürzlich München haben es vorgemacht, Bierflaschen und Schnapspullen sind hier in den S-Bahnen verboten. In München eskalierte allerdings eine als Abschiedsparty gemeinte Aktion, die zum letzten großen Besäufnis in der S-Bahn aufrief.

In Berlin möchte nun Innensenator Frank Henkel dem Beispiel der anderen Metropolen folgen. Die SPD ist allerdings gegen ein Gesetz zum Alkoholverbot im ÖPNV – obwohl sie die Maßnahme grundsätzlich befürwortet. Allerdings sehen die Sozialdemokraten hier die BVG in der Pflicht, ihre eigene Hausordnung konsequenter durchzusetzen. Dann bedürfe es auch keines neuen Gesetzes, welche das Trinken von Alkohol in U-Bahnen und Bussen als Ordnungswidrigkeit ahndet. Die Hausordnung der BVG sieht ein Verbot von alkoholischen Getränken zwar vor, es fehlt allerdings an Personal, um die Einhaltung zu überprüfen. Dafür könnten jedoch auch nicht ausreichend Polizisten zurückgestellt werden, ließ die Gewerkschaft der Polizei bereits verlauten.

Parken in Berlin soll billiger werden

Parkplätze sind knapp in Berlin, vor allem in Mitte – und die, die vorhanden sind, kosten vergleichsweise viel. Wer nur mal kurz aus dem Auto möchte, um etwas zu besorgen, zum Beispiel die Brötchen für ein gemütliches Frühstück, lässt das Auto daher häufig einfach ohne Parkschein stehen. Das kann sich sogar rentieren: Denn während ein Parkschein für zwei Stunden Parkzeit sechs Euro kostet, zahlt man für ein Knöllchen nur fünf Euro. Obwohl die Stadt Berlin mit der Parkraumbewirtschaftung im letzten Jahr 8,8 Millionen Euro eingenommen hat, bleibt unter dem Strich ein Verlust von 1,5 Millionen Euro. Um das Verhältnis umzudrehen, planen SPD und CDU nun Ungewöhnliches – Parken in Berlin soll billiger werden.

Mit den günstigeren Parktickets möchten die beiden Parteien, die sich gerade in Koalitionsverhandlungen befinden, den Anreiz erhöhen, legal zu parken. Am Potsdamer Platz und am Alexanderplatz könnte Parken dann zwei statt bisher drei Euro in der Stunde kosten. Außerdem im Gespräch: Die Einführung einer so genannten „Brötchentaste“ – wer nur kurz parken möchte, zahlt für die ersten 15 Minuten Parkzeit nichts. Gedacht ist das für all jene, die eben nur einmal kurz Brötchen oder andere Kleinigkeiten holen möchten; oder auch für Eltern, die ihre Kinder eben in der Kita oder der Schule abliefern. In Spandau hat man bereits gute Erfahrungen mit der Brötchentaste gemacht; die Meldungen aus Steglitz-Zehlendorf, wo es die Taste seit 2005 gibt, sind dagegen durchwachsen. Dauerparker würden sich einfach alle Viertelstunde einen neuen Parkschein holen. Das ist allerdings ein recht aufwendiges Vorgehen, das in Mitte, rund um den Hackeschen Markt und die Friedrichsstraße, eher unwahrscheinlich klingt.

Es gibt aber noch weitere Kritik an der Brötchentaste und an den Plänen für billigere Parkplätze. Die kommt von den Grünen, die lieber den öffentlichen Nahverkehr stärken und Autos aus den Innenstadtbezirken heraushalten würden. Die denkbare Alternative wäre, das Bußgeld für Falschparker zu erhöhen. Das scheint aber derzeit bei den Koalitionsparteien nicht im Gespräch zu sein.

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts: Flugzeuge dürfen nachts durchstarten

Sie sind noch lange nicht still. Ruhe wollen weder die Deutsche Flusicherung geben, die auf den Nachtflugzeiten für den Großflughafen Berlin Brandenburg International besteht, noch die Anwohner, die ihren Schlaf in Gefahr sehen. Für eine Einigung kann selbst das aktuelle Urteil aus Leipzig nicht sorgen. Das Bundesverwaltungsgericht stimmte den Nachtflugzeiten, die von den Betreibern des Flughafens geplant waren, zu. In den so genannten Randzeiten von 22 bis 24 Uhr und von 4 bis 5 Uhr morgen dürfen am Schönefelder Flughafen also Flugzeuge starten und landen.

Dass die Klagen der verschiedenen Bürgerinitiativen abgewiesen wurden, überraschte niemanden. Dennoch wollen sich die Nachtflug-Gegner mit dem Urteil nicht zufriedengeben. Geklagt hatten die Ortschaften Blankenfelde-Mahlow, Eichwalde, Schulzendorf und Großbeeren, die besonders vom nächtlichen Fluglärm betroffen sein werden. Die wütenden Bürger wollen weiter demonstrieren – und nachdem die Urteilsbegründung bekannt ist, eventuell bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe oder sogar bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen. Außerdem wolle man die zweite Stufe des Volksbegehrens einleiten. In einem ersten Schritt konnten bereits die für die erste Stufe benötigten Unterschriften gesammelt werden und liegen nun den Parlamenten in Berlin und Brandenburg vor. Die örtlichen Ämter arbeiten nun daran, die zweite Unterschriften-Sammelaktion vorzubereiten.

Zufrieden mit dem Leipziger Urteil zeigen sich dagegen Politik und Wirtschaft. Die Nachtflugerlaubnis sei immerhin ganz entscheidend dafür, ob alle der geplanten 40.000 neuen Stellen  am Großflughafen eingerichtet werden könnten, meinte der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer, Eric Schweitzer. Bei einem Nachtflugverbot würden rund 18.000 dieser neuen Arbeitsplätze wegfallen.

Protest gegen Flugrouten: Menschenkette um den Müggelsee

Bis zu 15.000 Menschen erwarten die Veranstalter am kommenden Sonntag, dem 28. August, zur Menschenkette um den Müggelsee, eine Protestaktion gegen die geplanten Flugrouten des neuen Berliner Flughafens. Am Montag fand die Generalprobe statt – unter der Leitung von Schauspieler Leander Hausmann machten 4.500 Menschen mit. Die Veranstalter sind optimistisch, dass sich am Sonntag noch einmal Zehntausend Menschen mehr am Müggelsee einfinden werden, um mit der Menschen- und Bootskette ihren Unmut über die Flugrouten auszudrücken.

Um den gesamten Müggelsee zu umschließen, müssten mindestens 7.500 Menschen zusammenkommen. Aufgerufen zur Protestaktion hat die Friedrichshagener Bürgerinitiative, launig abgekürzt mit FBI. Müggelsee ist einer der Stadtteile, über den die geplanten Flugrouten führen sollen – genauso wie Neuenhagen und Schöneiche. Im Juli gab die Deutsche Flugscherung die geplanten Flugrouten bekannt; trotz der vorherigen Versprechungen, dass Wohngebiete weitgehend vom Fluglärm verschont bleiben sollen, fürchten die Anwohner der südlichen Berliner Randbezirke nun den Lärm startender und landender Maschinen.

Bereits seit Bekanntgabe der derzeit geplanten Flugrouten finden in Berlin wieder Montagsdemos statt. Die Menschenkette um den Müggelsee soll nun alle Rekorde sprengen. Die Friedrichshagener Initiative hat die Protestaktion als größte Menschenkette der Welt beim Guinness Buch der Rekorde angemeldet. Um spätestens 15 Uhr soll die Kette komplett sein – im Süden, Osten und Norden des Sees sollen Menschen zu Fuß das Wasser umschließen, im Westen werden Boote die Menschenkette vervollständigen.