Entries Tagged as 'Oeffentlicher Nahverkehr'

BVG-Tickets werden wahrscheinlich teurer

Die neue BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta ist noch nicht im Amt, da gibt es die ersten Nachrichten über Fahrpreiserhöhungen in Berlin und Brandenburg. Wie der Tagesspiegel berichtet, sollen vor allem Einzelfahrscheine teurer werden. Diese Nachrichten dürften vor allem den ehemaligen BVG-Chef Alexander Sturmowski ärgern, der sich lange vergeblich für höhere Ticketpreise einsetzte.

Der Preis von 2,10 Euro für einen Fahrschein ist seit 2005 konstant. Erwartet wird ein Preisanstieg von 10 oder 20 Cent.  Das Geld kann die BVG gut gebrauchen: Die Verkehrsbetriebe sind mit 703 Millionen Euro überschuldet. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten würden laut Unternehmensinformationen zudem 104 neue Wagen benötigt, was weitere Kosten in Millionenhöhe verursacht.

Nikutta wird sich um die Preiserhöhungen nicht groß kümmern müssen: Sie tritt ihren Posten als Vorstandsvorsitzende erst im November diesen Jahres an; die Tarifverhandlungen für 2011 müssen allerdings nun bereits vorbereitet werden. Benötigt wird ein neues Konzept: Bis jetzt sind längere Strecken in Berlin vergleichsweise günstig, während kürzere Fahrten mit Bussen und Bahnen verhältnismäßig teuer sind.

Nicht nur darüber gilt es nachzudenken, auch die Stammkunden sollten BVG und Senat im Auge behalten. Monatskartenbesitzer und Jahreskarten-Abonnenten spielen die größte Summe ins Geldsäckel der Verkehrsbetriebe. Trotz der S-Bahn-Krise im vergangenen Jahr – oder vielleicht auch gerade wegen der darauf erfolgenden Entschädigungen wie Gratisfahrten – stieg die Zahl der Stammkunden 2009 sogar noch an. Das Ziel von BVG und Berliner Senat ist ein weiterer Zugewinn an Fahrgästen, die dauerhaft vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.

Bus- und Bahnfahren muss daher attraktiv sein – dazu gehört nicht nur, dass sich Dauerkarten finanziell lohnen, die BVG muss auch an ihrem Image arbeiten. Vielen gilt die U-Bahn-Fahrt als unsicher und gefährlich, dunkle und dreckige U-Bahnhöfe erhöhen die Kundenzufriedenheit auch nicht gerade. Dabei steht der Berliner ÖPVN im bundesweiten Vergleich ziemlich gut da: Die Taktzeiten sind kurz, viele U-Bahnlinien fahren im 5-Minuten-Takt, viele Busse kommen alle 10 oder 15 Minuten. Berliner Fahrgäste scheinen das manchmal zu vergessen, Touristen fällt das dichte ÖPNV-Netz positiv auf. Eine der größten Herausforderungen für die BVG und ihre neue Chefin dürfte es daher sein, die Außendarstellung des Nahverkehrs positiv zu überarbeiten.

Lesen Sie auch:
Wichtige Straßen in Berlin wie die Frankfurter Allee
Hotels im Landkreis Spree-Neiße und mehr Firmen
Adressen von Restaurants in der Uckermark

BVG: Endlich eine Frau für den Vorstandsvorsitz

Was lang währt, wird endlich gut? Acht Monate dauerte die Suche nach einer geeigneten Frau an der Spitze der BVG. Jetzt steht fest: Der Posten der Vorstandsvorsitzenden geht an Sigrid Evelyn Nikutta, derzeit noch bei der Deutschen Bahn als Vorstand Produktion der DB-Güterverkehrstochter DB Schenker Rail Polska beschäftigt. Der Berliner Senat hat ihre Einstellung bereits abgesegnet – am 28. Mai muss nun noch der BVG-Aufsichtsrat seine Zustimmung geben.

Die 41jährige Nikutta wurde im polnischen Ortelsburg geboren, sie wuchs in Westfalen auf und studierte Psychologie. 2009 promovierte sie. Finanzsenator Ulrich Nussbaum (parteilos) hält sie für eine Top-Managerin, die große Kompetenzen in den Bereichen Mitarbeiterführung, Produktion und Technik mitbringe

An die neue Vorstandsvorsitzende werden hohe Erwartungen geknüpft: Die BVG hat 740 Millionen Euro Schulden und muss sich als Landesunternehmen bei Fahrpreiserhöhungen und Mitarbeiter-Entlohnung immer auch an den Vorgaben des Senats orientieren. Die erste Frau an der Spitze der BVG muss zudem beweisen, dass sie sich auch ohne Erfahrungen in der ÖPNV-Führung gegen Bereichsmanager und Belegschaft durchsetzen kann.

Auf Nikutta wartet also harte Arbeit – doch auch eine hohe Entlohnung winkt: Mit etwa 387.000 Euro im Jahr ist der Posten des Vorstandsvorsitzenden dotiert.

Adressen in Brandenburg:
Hotels im Landkreis Oberhavel
Hotel im Landkreis Uckermark

300 Millionen Euro für neue S-Bahn-Station am Hauptbahnhof

Knapp über 300 Millionen wird sie kosten, die neue S-Bahn-Station, die zurzeit am Hauptbahnhof entsteht. Bereits seit der Wende wird an einer Verbindung von Nordring und Potsdamer Platz geplant. Die neue Streckenführung der Planungslinie S21verläuft unterirdisch, sie soll eine Nord-Süd-Verbindung über den Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof schaffen. Nach vielen Verzögerungen sollen die Bauarbeiten für den Tunnel nun im Jahr 2011 beginnen, bisher laufen Vorarbeiten. 2016 wird der Tunnel für den ersten Streckenabschnitt voraussichtlich fertig gestellt; frühestens zwei Jahre später jedoch, 2018, soll die Strecke bis zum Potsdamer Platz verlängert werden. Am Brandenburger Tor trifft der neue auf einen alten Tunnel, der bereits während der NS-Zeit angelegt wurde.

Irgendwann, wenn dann auch der letzte Tunnelabschnitt bis zum Potsdamer Platz fertig gestellt ist, sollen die neue Linie S21 und die S1 die Strecke nutzen. Bis dahin ist am Hauptbahnhof erstmal Endstation.

Welchen Sinn diese Streckenführung machen soll, erschließt sich nicht so leicht. Vorteile für den Fahrgast entstehen nämlich nur bedingt: Zwar kann man in Zukunft vom Nordring direkt zum Potsdamer Platz bzw. vom Potsdamer Platz direkt zum Hauptbahnhof fahren und eine durchgehende Nord-Süd-Verbindung nutzen. Dafür entstehen aber Nachteile auf anderen Strecken: Der Verkehr auf dem Streckenabschnitt zwischen Gesundbrunnen und Potsdamer Platz verringert sich, was im Klartext bedeutet, dass sich die Wartezeiten verlängern.

Und bis die gesamte Strecke erstmal fertig gebaut ist, wartet ein anderes Ärgernis auf Fahrgäste der Ringbahn. Die derzeitige Planung sieht nämlich so aus: Jeder zweite Zug der Ringbahn verlässt zwischen den Stationen Westhafen und Wedding den Nordring und fährt zum Hauptbahnhof. Fahrgäste, die dort gar nicht hinwollen, müssen entweder umsteigen oder den Umweg mitfahren.

Dass der Hauptbahnhof auch Hauptverkehrsknotenpunkt sein soll, ist verständlich. Allerdings ist er sowohl vom Nordring wie auch aus südlicher Richtung mit dem ÖPVN bereits gut zu erreichen; dass Millionen für eine neue S-Bahn-Strecke ausgegeben werden müssen, die der Bahn AG dann zum dringend nötigen Ausbau bestehender Strecken fehlen, wirkt doch sehr merkwürdig.

Lesen Sie auch:
Villa Schöningen: Die Renaissance des Hauses zwischen den Welten

Die BVG streikt

Nun haben die Streiks auch Berlin erreicht.
Wer sich in den letzten Wochen angesichts des S-Bahn-Chaos auf die BVG verlassen hat, könnte heute enttäuscht werden. Die Gewerkschaft dbb Tarifunion hat die Fahrer von U-Bahnen, Trams und Bussen aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Bis zum frühen Nachmittag kann es da im Berufsverkehr heißen: „Nichts geht mehr!“

Ganz ausfallen wird das Liniennetz aber nicht, meinen Sprecher der BVG. Die meisten Beschäftigten sind in der Gewerkschaft Ver.di organisiert – und diese lehnt die Warnstreiks der BVG ab und hat noch keine Gehaltsforderungen gestellt. Denn der Streik der dbb Tarifunion ist unabhängig von den Tarifstreits, die im Moment auf Bundes- und Landesebene stattfinden. Die Forderungen der dbb sind allerdings ähnlich wie die Forderungen auf Bundesebene: 5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten.

Das Vorgehen von Ver.di hält die dbb für zu lasch und möchte daher selbst ein Zeichen setzen. Besonders ärgerlich, dass der Streik nicht wie üblich 24 Stunden vor Beginn angekündigt wurde. Die Fahrgäste hatten damit kaum Möglichkeit, sich auf die Ausfälle einzustellen.

Ver.di hält zwar nichts davon, die BVG zu bestreiken – in anderen Sektoren des Öffentlichen Dienstes werden die Beschäftigten aber heute auch die Arbeit niederlegen. Kitas, Bezirksämter, Einrichtungen des Bundes und das Kreuzberger Urbankrankenhaus werden heute stundenweise bestreikt.

Wer in der Hauptstadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, ist ja nun Kummer gewöhnt. Auch Streiks kennt man in Berlin zur Genüge. Dennoch haben die diesjährigen Warnstreiks einen extrem bitteren Beigeschmack: Sie kommen zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Nicht nur, dass dank der immer noch nicht nach Plan fahrenden S-Bahn ohnehin Chaos im Öffentlichen Personennahverkehr herrscht. Nicht nur, dass langsam das Streusalz knapp wird und die Witterungsverhältnisse Autofahren zum Abenteuer machen. Die Forderungen nach 5 Prozent mehr Gehalt treffen die Kommunen auch noch gerade dann, wenn ohnehin kein Geld in den Kassen ist.

Erneute Entschädigung für S-Bahn-Fahrer

Endlich wieder gute Nachrichten für Berliner S-Bahn-Fahrer. Zum zweiten Mal will das Unternehmen seine Fahrgäste dafür entschädigen, dass der Fahrplan noch bis zum nächsten Jahr nicht planmäßig aufrecht erhalten werden kann. Das kündigte Bahn-Chef Rüdiger Grube im gestrigen Gespräch mit Berlins regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit an.

Bis es soweit ist, müssen sich die Berliner aber noch ein wenig gedulden: Wowereit hätte es gern gesehen, wenn die Entschädigungen ab Februar oder März gegolten hätten. Die Bahn hält aber eher einen Beginn ab April für realistisch. Momentan arbeitet sie nämlich noch an den Entschädigungen, die sie im Dezember 2009 versprochen hatte.

Besonders freuen können sich die Inhaber von Abo- und Jahreskarten und Studenten mit Semesterticket: Sie fahren zwei Monate lang kostenlos. Wer mit Sozialticket oder Monatskarte für einen Kalendermonat fährt, erhält pro Monat zweimal 15 Euro in Bar. Und Besitzer von gleitenden Monatskarten können ihre Tickets zwei Wochen länger nutzen. Einzelfahrausweise sollen zudem an den Wochenenden wieder als Tageskarten gelten.

Entstanden ist die ganze Krise, weil die Bahn bei den Sicherheitsüberprüfungen der S-Bahn-Wagen sparen wollte. Der Schuss ist nun mächtig nach hinten losgegangen: inklusive der Entschädigungszahlungen dürfte die Deutsche Bahn die ganze Geschichte rund 300 Millionen Euro kosten.

BVG möchte Teile des S-Bahn-Verkehrs übernehmen

Die BVG schmiedet langfristige Pläne: Falls 2017 Teile des S-Bahn-Betriebs ausgeschrieben werden, kann sie sich vorstellen, sich an dieser Ausschreibung zu beteiligen.

2017 endet der Vertrag des Berliner Senats mit den Berliner S-Bahn-Betrieben, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Die S-Bahn steckt nun schon seit geraumer Zeit in der Krise, kann den Fahrplan nicht aufrechterhalten und lässt ihre Kunden in der Kälte warten. Wann die S-Bahn wieder im Regelbetrieb fährt, ist weiter ungewiss – nach den Rädern sehen momentan die Achsen auf dem Prüfstand, neue Ausfälle nicht ausgeschlossen.  Daher spricht alles dafür, dass der Senat sich auf die Suche nach einem anderen Unternehmer begeben wird, der den Zugverkehr auf einem Teil des Streckennetzes aufrechterhält.

Die BVG würde diese Rolle gerne erfüllen. Für das nächste Jahr plant sie die Anschaffung von 104 neuen Wagen, von denen Teile sowohl für U-Bahn- wie auch für S-Bahn-Züge verwendet werden könnten. Experten räumen der BVG allerdings eher schlechte Chancen bei einer Ausschreibung des S-Bahn-Netzes ein – die Kosten seien einfach zu hoch. Möglich wäre aber auch, dass der Senat entscheidet, Teile des Netzes direkt der BVG zu überschreiben.

Den Berlinern ist es vermutlich egal, wer das Streckennetz schließlich betreibt. Hauptsache, die Züge fahren wieder wie vorgesehen und lange Wartezeiten und vollgestopfte Wagen gehören endlich der Vergangenheit an. Und das am besten noch in diesem Jahr und nicht erst 2017.

Schlechter Start für Berliner S-Bahn

Warum sollte das neue Jahr auch anders starten, als das Alte aufgehört hat?

So wird es S-Bahn-Fahrer kaum überraschen, wenn sie heute auf einigen Strecken mal wieder etwas länger in der Kälte stehen dürfen. Eigentlich sollte der Ferienfahrplan heute ändern, aber  es ist immer noch Winter – anscheinend zur Überraschung der S-Bahn. Wegen der Kälte müssten die Wagen häufiger gewartet werden, erklärte ein Sprecher. Daher sind weniger als die Hälfte der Wagen im Einsatz; zu Einschränkungen kommt es unter anderem bei der S1, der S46, der S7 und der S9, die streckenweise nur im 20-Minuten-Takt fahren. Die Ringbahn fährt auch zu den Hauptverkehrszeiten nur alle zehn Minuten statt wie üblich im 5-Minuten-Takt. Andere Linien fahren statt mit acht nur mit sechs Wagen. Regionalzüge sollen die ausfallenden S-Bahnen ersetzen.

Einige Einschränkungen galten schon gestern, ohne vorherige Ankündigung für die Passagiere. Aber Berliner S-Bahn-Fahrer sind ja Kummer gewohnt – kaum vorstellbar die Überraschung, wenn die Bahn tatsächlich mal auf allen Strecken pünktlich, mit allen vorgesehenen Wagen fahren würde. Darauf kann man wohl auch noch einige Zeit warten: Presseberichten zufolge soll es einen „Normalbetrieb“ erst wieder in drei bis vier Jahren geben. Da hat man ja immerhin noch etwas, auf das man sich freuen kann.

[ Nachtrag vom Admin:  Viele Berliner  haben es satt auf Busse und Bahnen zu warten.  Wie man in einigen Blogs lesen kann! ]

Zu kurze Züge: Senat will Berliner S-Bahn weniger Zuschuss zahlen

Am frühen Sonntagmorgen entgleiste eine S-Bahn in Berlin. Gott sei Dank ohne Fahrgäste, denn die hatte der Fahrer bereits aussteigen lassen, als ihm merkwürdige Geräusche an der Bahn auffielen. Nun wollte er die S-Bahn zur Werkstatt fahren, als das Unglück passierte. Ob der Zug defekt war, ist noch nicht abschließend geklärt. Rechtzeitig gewartet worden sei er: 18.000 Kilometer war er nach der letzten Wartung unterwegs, insgesamt 20.000 dürfe er fahren, so ein Sprecher der Bahn.

Jedenfalls sorgte der Unfall dafür, dass am Montag nicht wie geplant 429 Viertelzüge eingesetzt wurden, sondern nur 413.

Doch noch immer lehnt der Senat ab, den Vertrag mit der S-Bahn zu kündigen. Immerhin will er nun den Zuschuss an die Deutsche Bahn AG, Betreiberin der Berliner S-Bahn, kürzen, wenn diese zu kurze Züge mit nur vier oder sechs Wagons einsetzt. Bisher zahlte das Land Berlin nur weniger, wenn S-Bahnen ganz ausfielen und die vereinbarten Fahrten nicht stattfinden konnten. Das soll sich nun ändern, wie Verkehrs-Staatssekretärin Maria Krautzberger von der SPD verkündete – auch, wenn der Vertrag zwischen Bahn und Land Kürzungen wegen zu kurzer Züge nicht vorsieht. Ob die Deutsche Bahn sich davon beeindrucken lässt oder ob sie es auf eine Klage gegen das Land ankommen lässt, bleibt abzuwarten.

Immer wieder Ärger mit Berliner S-Bahn

Erst ging so gut wie nichts mehr bei der Berliner S-Bahn, da die Bahn sparen wollte – ausgerechnet an den notwendigen Sicherheitsüberprüfungen. Und das Thema S-Bahn ist noch lange nicht beendet: Zwar sind ab dem heutigen Montag wieder mehr Wagen im Einsatz, doch die geplante Aufnahme des Regelfahrbetriebs im Dezember schafft die S-Bahn wahrscheinlich nicht. Dazu fehlen die so genannten Viertelzüge; Fahrgäste müssen mit verkürzten und daher volleren Wagen Vorlieb nehmen.

Und noch sind längst nicht wieder alle Wagen im Einsatz, da schafft die Bahn den Ersatzverkehr mit Regionalbahnen zwischen Berlin Ostbahnhof und Potsdam ab. Dort fahren jetzt wieder S-Bahnen – die fehlen dafür an anderer Stelle im Streckennetz. Also wartet man als Fahrgast wieder länger, ganz nach dem Motto: Die Bahn kommt – nicht.

Aufgrund der zahlreichen Zugausfälle hätte der Senat den Verkehrsvertrag mit der Deutschen Bahn AG aufkündigen können. Dieser wird momentan nachverhandelt. Mit einer Kündigung hätte der Senat ein Mittel, um Druck auf die Bahn auszuüben, endlich wieder genügend Wagen einzusetzen und die bestehenden Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Doch er verzichtet auf die Kündigung. Warum, ist unklar. Der Tagesspiegel vermutet in einem Artikel, dass der Senat das Verhältnis mit dem neuen Bahnchef Rüdiger Grube nicht trüben wollte.

Den Fahrgästen ist damit wenig geholfen. Der ÖPNV in Berlin funktioniert nicht reibungslos – und die Bahn-Kunden machen ihrem Ärger Luft. Das Berliner Institut für Gesundheits- und Gesellschaftsforschung (Iges) führte in Berlin und Brandenburg eine Umfrage unter den ÖPNV-Nutzern durch. Demnach wollen fast 250.000 Pendler in Zukunft auf das Auto umsteigen. Etwa jeder zehnte S-Bahn-Kunde möchte sich aus Ärger über das Chaos keine Zeitfahrkarte mehr kaufen. So verspielen Bahn AG und Senat nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern auch bares Geld.

Entgleisungen am laufenden Band … Ärger bei der S-Bahn

Kaum hat sich das Chaos etwas gelegt, kündigt sich die nächste Krise an: Seit dem 3. August fahren zwischen Ostbahnhof und Zoo wieder S-Bahnen, doch schon droht die Belegschaft mit Streik. Und zwar während der Leichtathletik-WM vom 15. bis 23 August 2009, um maximalen Leidensdruck auszuüben, der den Mutterkonzern aber wohl weniger hart treffen wird als die Fahrgäste.
S-Bahn

Und die sind inzwischen einiges gewohnt. Schließlich war die Vollsperrung der vielbefahrenen und -genutzten Ost-West-Verbindung nur vorläufiger Höhepunkt des wachsenden Chaos bei der S-Bahn. Nach einem Radscheibenbruch Anfang Mai hatte das Unheil seinen Lauf genommen.

Zunächst manifestierte es sich nur in kürzeren – und damit deutlich volleren – Zügen, da 100 Wagen aus dem Verkehr gezogen und mit neuen Rädern ausgestattet werden sowie zusätzliche Sicherheitsprüfungen durchgeführt werden mussten. Da letztere nicht im geforderten Umfang erfolgten, ordnete Ende Juni das Eisenbahn-Bundesamt an, alle Wagen der neuesten Baureihe aus dem Betrieb zu nehmen.

Praktisch über Nacht kam es zu starken Einschränkungen im Fahrplan: Die meisten Linien verkehrten nur noch im 20-Minuten-Takt, einige fielen ganz aus. Fahrgäste mussten zusehen, wie sie pünktlich zur Arbeit kommen. Derweil nahm die Geschäftsführung der S-Bahn geschlossen ihren Hut.

Doch das Chaos wuchs weiter. Mitte Juli wurden die Sicherheitsauflagen verschärft. Das Bundesamt ordnete an, alle Vorderachsräder der betroffenen Baureihe nach 650.000 Kilometern Laufleistung auszutauschen. Davon waren so gut wie alle Züge dieser Reihe betroffen. Nur noch ein Drittel aller Züge konnte eingesetzt werden.

Die folgende Einstellung des Verkehrs auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Zoo versuchten BVG und Deutsche Bahn notdürftig zu kompensieren – erstere, indem auf den Ferienfahrplan weitgehend verzichtet wurde, letztere durch zusätzlichen Einsatz von Regionalzügen, die allerdings nicht an jeder S-Bahn-Station halten. Überfüllte Bahnhöfe und Züge, desolate Informationslage und endlose Wartereien waren die Folge.

Auch wenn nun wieder mehr Züge fahren, ist die Krise noch lange nicht vorbei. Nach wie vor klaffen Lücken im Fahrplan, Wannsee und Potsdam werden gar nicht angefahren. Und nun droht auch noch Streik. [Read more →]