Es war höchstwahrscheinlich eine linksextremistische Gruppe, die am Montagmorgen einen Kabelbrand am Ostkreuz verantwortete. Kurz nachdem die Polizei Brandbeschleuniger am Tatort gefunden hatte, bekannte sich die Gruppierung von militanten Atomkraftgegnern in einem Schreiben zu dem Anschlag. Die Bahn habe es getroffen, da auf deren Schienennetz Atommüll und Atomtechnik transportiert werden, heißt es in dem Bekennerbrief. Die Polizei prüft zurzeit, ob das Schreiben echt ist.
In erster Linie betroffen sind allerdings die Fahrgäste, die Stunden auf ihren Regionalzug oder ihre S-Bahn warten mussten. Durch den Brand kam es gestern zu massiven Beeinträchtigungen im S-Bahn- und im Regionalverkehr. Tausende von Fahrgästen standen teil 2,5 Stunden auf den Bahnsteigen und warteten auf Züge oder Schienenersatzverkehr. Die Busse wurden allerdings erst spät bereitgestellt; viele Pendler kamen viel zu spät zur Arbeit. Planmäßig fuhren nur noch die Bahnen S1, S2, und S25.
Gegen 3.00 Uhr in der Früh wurde der Kabelbrand bemerkt. Die Feuerwehr hatte ihn zwar bald unter Kontrolle, konnte aber nicht verhindern, dass die S-Bahn-Starkstromleitung zerstört wurde. Auch andere wichtige Kabel wurden beschädigt. Der Anschlag und das Bekennerschreiben erinnern an einen ähnlichen Fall aus dem letzten November: Damals brannte ein Kabelschacht in Neukölln, was das Signal- und Sicherungssystem der S-Bahn lahmlegte. Auch damals erhielten die Ermittler einen Bekennerbrief militanter Atomkraftgegner. Und wie vor einem halben Jahr traf es diesmal wieder einen verkehrstechnischen Knotenpunkt.
Auch heute ist noch mit Ausfällen und Verspätungen zu rechnen. Auf den S-Bahn-Strecken 3, 5, 7,75 wird zeitweise Pendelverkehr eingesetzt, die Ringbahn verkehrt im 10-Minuten-Takt. Die S9 fährt nur zwischen Treptower Park und Flughafen Schönefeld.
