Berlin Blog

Ein Blog für Berliner und Brandenburger

Neues Schuljahr: Unbesetzte Lehrstellen, härteres Vorgehen gegen Schulschwänzer

Die Schule hat wieder begonnen – und in Berlin damit ein Massenexperiment, das in anderen Bundesländern bereits einen eher mäßigen Ausgang genommen hat. Dieses Jahr machen im Bundesland Berlin nämlich zwei Jahrgänge Abitur: Die Schüler, die noch nach dem alten Standard 13 Schuljahre durchlaufen haben, und diejenigen, deren Schullaufbahn bereits nach 12 Jahren endet.

Wie die Universitäten der Hauptstadt den Andrang von potenziellen Neuakademikern verkraften, bleibt noch abzuwarten. Für Schüler und Lehrer wird das kommende Schuljahr stressig genug. Vor allem in Schulen am Stadtrand fehlen nach wie vor Lehrkräfte, besonders für Kernfächer wie Mathematik, Chemie oder Physik. Ab Mittwoch finden im Rathaus Tiergarten zentrale Bewerbungsrungen statt; eine Hoffnung für viele Schulleiter, dass die vakanten Stellen doch noch besetzt werden. Das Problem liegt nicht daran, dass es zu wenige Lehrer gäbe – doch viele wandern in andere Bundesländer ab. Hier haben sie bessere Verdienstaussichten und können sich auf eine sichere Beamtenlaufbahn freuen. In Berlin sind Lehrer Angestellte, was vielen unattraktiv erscheint. Dazu kommt der hohe Krankenstand: Über 1400 Lehrer sind für dieses Jahr dauerhaft krank gemeldet.

Härter Strafen fürs „Blaumachen“

Die vielen Krankmeldungen führen unweigerlich zu Unterrichtsausfall. Schüler, die gleich gar nicht zum Unterricht erscheinen, möchte Bildungssenator Jürgen Zöllner härter bestrafen. Schon jetzt gehen einige Bezirke hart gegen Eltern vor, deren Kinder dem Unterricht fernbleiben: Als erste Strafmaßnahme ist in der Regel ein Bußgeld zu zahlen, eine Summe zwischen 100 und in Einzelfällen 500 Euro. Sind die Eltern dazu nicht bereit, können die Bezirksverwaltungen Erzwingungshaft androhen. In Reinickendorf wurde im vorletzten Schuljahr 42 Mal Erzwingungshaft gegen Eltern von Schulschwänzern angemeldet.

Geht es nach Zöllner, sollen Eltern nun viel früher mit der Schule Kontakt aufnehmen, wenn ihr Kind wegen Krankheit fehlt. Ein Anruf morgens in der Schule soll zur Pflicht werden, damit die Lehrer gleich über das Fehlen des Schülers informiert seien. Andernfalls soll sich die Schule im Laufe des Tages mit der Familie in Verbindung setzen. Wie das mit dem knappen Personal zu bewältigen sein soll, steht noch nicht fest.

Bildungsgutscheine kommen – vielleicht

Ab Januar soll es Bildungsgutscheine für Schüler aus Hartz IV –Familien geben. Am Freitag erließ der Bundestag einen entsprechenden Gesetzesentwurf, der allerdings noch durch den Bundesrat muss. Die Berliner Job-Center bereiten sich dennoch schon mal darauf vor, Bildungsgutscheine zu verteilen.

Die Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen entwickelte die Idee der Bildungsgutscheine, um Schüler aus sozial schwachen Familien effizient zu unterstützen. Der Befürchtung, dass an die Eltern ausgezahltes Geld eventuell nicht bei den Kindern ankommt, wollte sie entgegentreten, indem eben Gutscheine für Sachleistungen wie etwa Nachhilfe, Musikunterricht oder Schulessen an die Familien verteilt werden.

Schlecht ist die Idee nicht, setzt sie doch die Ausbildung der hilfsbedürftigen Kinder in den Fokus. Aber wie es mit guten Ideen so ist, lässt die Ausführung zu wünschen übrig. Die bundesweit ausgeteilten Gutscheine berücksichtigen so z.B. nicht die Situation in den einzelnen Bundesländern. Etwa beim Schulessen: Die Familien sollen entsprechende Gutscheine erhalten, mit denen sie an Ganztagsschulen nur noch einen Euro pro Schulessen bezahlen müssten. Berlin subventioniert die Schulessen allerdings bereits mit 25 Euro im Monat, die Eltern zahlen 23 Euro. Die Essensgutscheine bringen den Kindern also so gut wie nichts.

Als weiteres Beispiel sei die Nachhilfe angeführt: Die Gutscheine sind so ausgelegt, dass die Familien schulfremde Nachhilfeinstitute beauftragen. Nun ist Förderung über die Schule hinaus ein wichtiger Schritt, um Chancengleichheit zu ermöglichen. Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner, die Gewerkschaft GEW und Berliner Lehrer fragen allerdings, warum diese Förderung nicht in der Schule selbst stattfinden kann.  Allein durch die Nachhilfe-Gutscheine gibt es noch keinerlei Kontrolle, ob diese überhaupt eingelöst werden. In den Schulen könnten die Lehrer gezielt auf förderungsbedürftige Kinder eingehen und ihnen Nachhilfe geben.

Ob die Bildungsgutscheine ab dem 01. Januar tatsächlich verteilt werden, entscheidet der Bundesrat am 17. Dezember. Einerseits ist zu wünschen, dass die Idee bei den betroffenen Familien gut ankommt und sie die Hilfsangebote annehmen; andererseits wird es Nachbesserungsbedarf geben, der hoffentlich auch umgesetzt wird.

Weniger Geld für Berliner Schulen

Bildung ist teuer. Bildung ist aber auch eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft. Beides sind Binsenweisheiten – und doch sehr wahr. Wenn Deutschland im internationalen Vergleich bestehen und eine gut funktionierende Wirtschaft vorweisen will, darf es die Ausbildung der kommenden Generationen nicht vernachlässigen.

Nun ist Bildung in Deutschland aber auch Ländersache und jedes Bundesland kocht da so sein eigenes Süppchen. Das führt zu enormen Unterschieden in den Lehrplänen und zu ebenso enormen Unterschieden in den Leistungen der Schüler. In bundesweiten Vergleichsstudien konnte Berlin bisher nicht glänzen: Im Vergleich der Leseleistung kamen Berliner Schüler auf den 15. und damit vorletzten Platz, bei der Leseleistung in Englisch erreichten sie immerhin Platz 9.

Gute Schulbildung steht und fällt aber auch mit den Lehrern. In Berlin sind noch längst nicht alle Lehrerstellen für das kommende Schuljahr besetzt, die vom Senat bewilligten 93 Neueinstellungen werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Mangel zu decken – und als sei das noch nicht genug, da erreicht die Schulleiter eine neue schlechte Nachricht: Die Senatsbildungsverwaltung möchte Vertretungsgelder, mit denen die Schulen fest gerechnet haben, wieder einkassieren. Das Geld ist ein Überschuss aus der Personalkostenbudgetierung – was übrig bleibt, sollten die Schulen für die Einstellung von Vertretungslehrern und Honorarkräften einsetzen dürfen. Ein Beschluss des Haushaltsausschusses von 2008 revidierte diese Entscheidung allerdings – Überschüsse aus dem Jahr 2009 müssen die Schulen daher an das Land zurückzahlen.

Es wäre an Bildungssenator Jürgen Zöllner und der Bildungsverwaltung, gegen den Entschluss des Haushaltsausschusses vorzugehen und sich dafür einzusetzen, den Schulen das Geld wieder zur Verfügung zu stellen. Unterrichtsausfall aufgrund fehlender Lehrkräfte wird das Standing der Berliner Schulen garantiert nicht verbessern. Und was nutzt die schönste Schulstrukturreform, wie die Einführung der Integrierten Sekundarschule, wenn es an den Grundlagen fehlt?

Volksbegehren: Bessere Betreuung für Hortkinder

Bessere Betreuung für Berliner Grundschulhorte – das fordert ein neues Volksbegehren namens “Grundschulkinder, leben und lernen in der Ganztagsschule, 1+ für Berlin”. Ins Leben gerufen wurde das Begehren von der vom Landeselternausschuss Kita (Leak) und einzelnen Vertretern des Landeselternausschusses (Lea).

Der Landeselternausschuss befürchtet, dass immer mehr Schüler zu Schlüsselkindern werden, die den Nachmittag ohne Betreuung und ohne Förderung verbringen. Abhilfe sollen die Maßnahmen schaffen, die das Volksbegehren fordert:

Zum einen sollen Hortplätze für Fünft- und Sechstklässler ohne vorherige Bedarfsprüfung zugeteilt werden. Bisher haben nur Kinder mit „besonderem Betreuungsbedarf“ einen Hortplatz in Anspruch nehmen können. Diese Regelung wird allerdings von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich gehandhabt. Der Landeselternausschuss Kita wünscht sich eine Vereinheitlichung der Betreuung.

Des Weiteren fordert das Volksbegehren, den Personalschlüssel für Erzieher zu überarbeiten: Statt wie bisher Gruppen mit durchschnittlich 22 Kindern zu versorgen, sollen sich Erzieher künftig um Gruppen mit 6 Schülern kümmern.

Eine weitere Forderung ist, dass jedes im Hort betreute Kind einen Essenszuschuss von 17 Euro im Monat erhält.

Die Initiatoren schätzen die Mehrkosten für diese recht weitgehenden Forderungen auf 99 Millionen Euro pro Jahr. Der Senat geht allerdings von weitaus höheren Mehrausgaben, nämlich von zusätzlichen 131 Millionen Euro pro Jahr aus und rechnet zusätzlich mit weiteren 113 Millionen Euro für den Bau neuer Horträume.

200.000 Unterschriften braucht das Volksbegehren, bevor das Abgeordnetenhaus über seine Rechtmäßigkeit entscheiden kann. Um diese Unterschriften zu sammeln, haben die Initiatoren bis November Zeit. Stimmt das Abgeordnetenhaus zu, findet ein Volksentscheid zu den Forderungen statt, für den 170.000 Unterschriften benötigt werden.

Firmen in Brandenburg:
Augenärzte im Landkreis Elbe-Elster
Maurer im Landkreis Elbe-Elster
Pension im Landkreis Elbe-Elster

Die Schulreform kommt

Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Schulreform in Berlin kommt. Ab dem Sommer gehören Haupt-, Real- und Gesamtschulen der Vergangenheit an. Am Montag stimmte die rot-rote Mehrheit des Abgeordnetenhauses den Plänen zu, diese drei Schultypen zur so genannten Sekundarschule zusammenzuführen.

Nun haben Eltern also die Wahl, ob ihre Kinder nach der Grundschule ein Gymnasium oder die Sekundarschule besuchen sollen. Letztere soll alle Bildungsabschlüsse vom Hauptschulabschluss über den Realschulabschluss bis hin zum Abitur zulassen. Die Befürworter der Sekundarschule erhoffen sich von der Bildungsreform eine stärkere soziale Mischung der Schülerschaft. Bis jetzt galt: Wer auf die Hauptschule muss, hat später kaum Chancen im Leben. In der Sekundarschule sollen stärkere und schwächere Schüler länger gemeinsam lernen, individuell gefördert werden und unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die Möglichkeit haben, hohe Bildungsabschlüsse zu erreichen.

Das klingt soweit alles traumhaft – allerdings stellt das neue Bildungssystem auch Herausforderungen: Die Sekundarschulen müssen für Eltern und für Schüler attraktiv werden und dürfen nicht zur „Resteschulen“ werden, als welche die Hauptschulen verschrien waren. Dazu muss die neue Schule zuallererst von den Eltern akzeptiert werden. Eine schwierige Hürde wird es sein, zu vermitteln, dass das Abitur an einer Sekundarschule nicht weniger wert ist als das Abitur eines Gymnasiums. An dieser Ansicht kranken heute noch die Gesamtschulen, deren Abitur von vielen Eltern nicht ganz für voll genommen wird. Stärkere und schwächere Schüler gemeinsam lernen zu lassen, ist ebenso nicht unumstritten. So einige Eltern befürchten wohl, dass ihre schlauen Kinder sich von weniger guten Schülern „herunterziehen“ lassen und dass die Sekundarschule eine „Durchschnittschmiede“ wird, während die „Elite“ an den Gymnasien lernt. Hier werden Senat und später auch die Schulen Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Mehr Geld für Bildung

Gut 8,3 Milliarden Euro kann Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner in den Jahren 2010 und 2011 in Bildung und Forschung investieren. Der Senat erhöht den Bildungsetat damit um ca. 150 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Mit dem Geld sollen unter anderem 70 neue Lehrstellen geschaffen und zusätzlich 30 Lehrer für Sprachförderung eingesetzt werden. 3,3 Millionen Euro sind zudem für die Lehrerfortbildung eingeplant. Auch die Kitas profitieren von der Etatsteigerung: 1.800 Erzieherinnen und Erzieher sollen eingestellt werden und dafür sorgen, dass die Gruppen in den Kindertagesstätten kleiner werden.

Mehr Geld soll auch für die geplante Schulstrukturreform zur Verfügung stehen. Diese sieht vor, in Berlin ein zweigliedriges Schulsystem einzuführen: Das Gymnasium bleibt bestehen, Hauptschule, Realschule und Gesamtschule gehen in einer integrierten Sekundarschule auf. Die Sekundarschulen sollen dann Ganztagsunterricht bis 16 Uhr anbieten. Das „neue“ System mit „einer Schule für alle“ erinnert sehr an die Einführung der Gesamtschulen in den 1960er und 1970er Jahren, die nun nicht gerade den erhofften Erfolg brachte.

Es sind natürlich wichtige und richtige Signale, die der Senat mit dieser Etaterhöhung gibt. Doch es bleibt zu hoffen, dass die Schulstrukturreform möglichst unchaotisch von statten geht und nicht das schlechte Beispiel der Hochschulreform wiederholt.

Die Schulleiter in Berlin Mitte würden sich jedenfalls freuen, wenn Schulreform und Etaterhöhung die Bedingungen an den Brennpunktschulen verbessern. Vor einem Jahr wandten sich die Schulleiter dieser Schulen mit einem Brandbrief an Senator Zöllner, den der Bezirk stünde vor dem „bildungspolitischen Aus“. Bis heute habe sich an den Arbeitsbedingungen nicht viel verbessert, moniert ein in dieser Woche erschienener Bericht der „AG Schulleiter“.

Studenten-Proteste: Gegen Bologna, für mehr Bildungsfreiheit

Am Dienstag wurde auf dem Platz vorm Roten Rathaus in Berlin mal wieder demonstriert. Diesmal gingen Studenten und Schüler auf die Straße und protestierten gegen Studiengebühren, für mehr Bildungsgerechtigkeit und gegen Bachelor- und Master-Studiengänge.

Seit letzter Woche bereits besetzen Studenten deutsche Universitäten. In Berlin harren die Studis zum Teil Tag und Nacht im Audimax der Humboldt-Universität, in der Technischen Universität und in der Freien Universität aus. Dienstag zückten nun in ganz Deutschland Zehntausende von Studis und Schüler die Plakate und demonstrierten.

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner dagegen verteidigt die Ergebnisse des Bologna-Prozesses: Die Umstellung sei auch von den Hochschulen gewollt und richtig und sinnvoll, sagte er dem Tagesspiegel. Auch sei die Mehrheit der Studierenden mit der Umstellung einverstanden.

Die Protestierenden sehen das anders. Eigentlich sollte die Bologna-Reform alles einfacher machen: Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge sollte eine internationale Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse fördern – doch bastelte sich jede Uni ihre eigenen Lehrangebote zusammen, die sich teilweise von Uni zu Uni so stark unterscheiden, dass ein Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands unmöglich wird.

Studis beklagen zudem die Verschulung des Lehrplans und die strikte Anwesenheitspflicht, die es erschwert, sein Studium mit einem Nebenjob zu finanzieren. Unis würden zu reinen „Lernfabriken“. Der Bachelor sei zudem auf dem Arbeitsmarkt nicht viel wert, für einen qualifizierten Beruf braucht man schon einen Master – doch für den wird nur ein bestimmter Prozentsatz der besten Bachelor-Absolventen zugelassen.

Nach Zufriedenheit mit der Reform und nach dem Wunsch nach einem „effektiv organisiertem Studium“ (Zöllner) klingt das nicht. Dennoch ist auch den Organisatoren des Protestes aufgefallen, dass sich weniger Studis an Besetzungen beteiligen – viele kommen doch lieber der Anwesenheitspflicht in den Seminaren nach.