Strom aus erneuerbaren Energien ist umweltfreundlicher und nachhaltiger als Energie aus fossilen Quellen – darüber muss man nicht mehr diskutieren. Sobald es aber um den Bau von Anlagen geht, die den umweltfreundlichen Strom produzieren, stehen sich oft zwei Lager von Umweltschützern unversöhnlich gegenüber: Die einen möchten mehr Kapazitäten für regenerative Energien in Deutschland schaffen; die anderen wollen die Landschaft erhalten. Der Streit, der besonders häufig vor dem Bau von Windkraftanlagen zu beobachten ist, tobt nun auch in der Lieberoser Heide in Brandenburg. Hier soll die größte Solaranlage der Welt entstehen. 650 Hektar Wald müssten dafür weichen.
Im Solarparkt Lieberose stehen bereits Sonnenkollektoren auf 162 Hektar. 53 Megawatt Strom werden damit pro Jahr erzeugt. Geplant ist nun die Erweiterung auf eine Fläche von sagenhaften 1.300 Hektar – rund 260 Megawatt Strom soll die Mega-Anlage dann pro Jahr liefern. 600 Millionen Euro soll die riesige Photovoltaik-Anlage kosten. Das Projekt, das Vorbildcharakter in der ganzen Welt haben könnte, stößt bei den Anwohnern auf Widerstand. Für die Kollektoren müsste nämlich erst einmal Platz geschaffen werden. Dazu sollen einige Tausend Bäume gefällt werden, von denen einige bereits das stolze Alter von 160 Jahren erreicht haben.
Natur zerstören, um die Natur langfristig zu erhalten – dieser Plan findet nur wenige Anhänger in der Lausitz. Naturschutzverbände wie der BUND, der NABU und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald lehnen das Vorhaben ebenfalls ab. Die Anwohner in der Lausitz sind durch Stromerzeugung ohnehin stark gebeutelt: Der Abbau von Braunkohle hat hier große Löcher in den Boden gerissen, drei Dörfer sind momentan stark vom Einsturz bedroht. Die Solaranlage soll eine Alternative sein zur Kohleförderung unter Tage; doch der Preis, den die Lieberoser Heide dafür zahlen müsste, ist vielen Anwohnern einfach zu hoch. Auch im Potsdamer Landtag wächst die Kritik an dem Projekt. Die endgültige Entscheidung soll am 20. Dezember fallen.


