Eigentlich ist es eine vollkommen klare Sache: Berlin sollte sparen. Muss sparen, wenn es der Sparbremse der Bundesregierung genügen will. Neue Schulden sind ab 2016 einfach nicht mehr drin. In ihren Koalitionsverhandlungen zeigen sich SPD und CDU dennoch von einer äußerst spendablen Seite. Bei den Bauvorhaben scheint große Einigkeit zu bestehen: Die neue Kunsthalle soll kommen, die Zentral- und Landesbibliothek soll neu gebaut werden, der Ausbau des Großflughafen BER auf eine Kapazität von 45 Millionen Passagiere scheint beschlossene Sache. Private Investitionen sollen vor allem für die kulturellen Neubauten das nötige Kleingeld in die Kassen spülen.
Der Neubau der Zentralbibliothek war eigentlich von der CDU schon abgelehnt. Als „Wowereit-Gedenkbibliothek“ verspottete der CDU-Kultursprecher Michael Braun den Bau sogar. In den Koalitionsverhandlungen weht nun aber ein ganz anderer Wind – deutlich pro Zentralbibliothek. Geschätzte 270 Millionen Euro soll der Neubau kosten; das sei immer noch günstiger als die Restaurierung und der Ausbau der alten Gebäude, so heißt es aus Kreisen der SPD. Ob der neue Haushalt das Geld locker macht, darüber haben die verhandelnden Parteien noch kein Wort verloren.
Als beerdigt galt auch der Bau der Kunsthalle. Kurz vor der Wahl schien Wowereit sein Lieblingsprojekt fallen gelassen zu haben. Gelder privater Investoren und Spenden wollen SPD und CDU für den Bau verwenden, die Kosten werden auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Allen – die Berliner Kunstszene will diese Halle gar nicht. Dennoch soll er kommen, sofern die nötigen Gelder aufgebracht werden können. Das ist zumindest kurios.
Doch die Koalitionsgespräche sind ja noch nicht am Ende angekommen. Bis zum 15. November wollen sich die beiden stärksten Parteien im Abgeordnetenhaus über die Details ihres Regierungsbündnisses geeinigt haben.