Wenn Fußgänger über die Straße hasten müssen

Ampelanlagen mit kurzen Grünphasen in Berlin

Berlin

15.10.2016
Viele werden die Situation kennen: Man steht an der Ampel an einer großen Kreuzung, wartet lange darauf, dass es endlich grün wird – und dann lässt die Grünphase einem kaum Zeit, beide Fahrspuren zu überqueren. Der Tagesspiegel hatte vor kurzem die Abonennten seines Newsletters dazu aufgerufen, Ampelanlagen mit extrem kurzen Grünphasen zu melden. Zahlreiche Beispiele kamen zusammen.

Kurze Grünphasen als Ärgernis

Das Problem ist auch der Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), aufgefallen. Sie bat die Verkehrslenkung von Berlin (VLB) darum, die Grünphase einer Ampel auf ihrem Arbeitsweg zu verlängern. Ergebnis: Das Anliegen wurde geprüft, aber verworfen, da kein Handlungsbedarf bestehe.

Die meisten Berliner Ampeln sind so geschaltet, dass ein Fußgänger mit einer Schrittgeschwindigkeit von 1,2 Meter in der Sekunde während der Grünphase zwei Drittel des Weges überqueren kann. Wenn die Ampel für den Fußgänger auf Rot schaltet, vergehen dann noch einige Sekunden, bevor die Autofahrer das grüne Signal erhalten. An großen Kreuzungen sind diese Phasen recht lang. Befinden sich Fußgänger sich bei roter Ampel noch auf der Fahrbahn, können allerdings abbiegende Fahrzeuge zur Gefahr werden.

Verkehrsleitung möchte Staus vermeiden

Warum sind die Grünphasen an einigen Ampeln so kurz, dass es Fußgänger gerade einmal bis zur Mittelinsel schaffen? Die Verkehrslenkung argumentiert mit Stauvermeidung. Schon eine Verlängerung der Grünphase um fünf Sekunden würde Autofahrer stark beeinträchtigen. Mehr Staus, mehr Abgase, stärkere Belastung für Mensch und Umwelt – da sollen lieber die Fußgänger warten, so die Argumente der Behörde. Auch der ADAC hält kurze Grünphasen bei generell kurzen Umschaltphasen und breiter Mittelinsel für vertretbar. (Foto: © JiSign )
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