Wupis Tränke - ein Ausflugslokal in Frankfurt (Oder)

Eine deutsch-amerikanische Wald(en)-Geschichte :

"Sie kamen von der Tränke,
Sie wankten aus der Schenke
Mit einer Zecherschar,
Als es Karfreitag morgen
Und grabesstille war."
An dieses launig angehende Gedicht des Schweizer Schriftstellers Gottfried Keller (1819-1890) oder
Entfernungsangaben an der Pforte zu Wupis Tränke
Überraschende Entfernungsangaben an der Pforte
zu "Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten"
Foto © wn
auch an andere Schilderungen alkoholisierter Körperzustände könnte derjenige erinnert werden, der auf der Fürstenwalder Poststraße ein paar Hundert Schritte hinein läuft in den Stadtwald von Frankfurt (Oder).
In diesem über 700 Hektar großen zwischen Rosengarten und dem nördlichen Booßen sich hinbreitenden Mischwald aus Eichen, Buchen, Winterlinden, Eschen und Ulmen stößt man plötzlich linkerhand auf eng stehende, zusammengebaute Häuschen. Auf den ersten Blick könnte man sie als ein naturnahes Trainingszentrum einstufen oder für ein Kinderferienlager eines ehemaligen DDR-Werkes halten.
Adresse:
Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten
Fürstenwalder Poststraße 129
15234 Frankfurt (Oder)
Telefon: (03 35) 400 12 80
Im Internet: www.wupis.de

Öffnungszeiten vom Ausflugslokal Wupis Tränke:


Täglich 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Geschichte des Ausflugslokals Wupis Tränke


Aber da ist das ins Animalische zielende Wort "Tränke", das dem Sprüche-Kanon der Kindererziehung völlig fremd ist. Und erst recht bleibt der Sinn der auf einem großen Schild ausgewiesenen
Begriffs-Kombination "Wupis Tränke" verborgen; denn wer ist Wupi in diesem Wald? fragt sich der Wanderer. Schon eher wüsste man etwas mit dem Zusatz "am Waldhaus Rosengarten" anzufangen - wenn denn ein solches zu sehen wäre. Aber es fehlt. Und da das Wort "Tränke" gewisse Verdächte auslöst, ist es keineswegs abwegig, darauf gefasst zu sein, plötzlich Betrunkenen zu begegnen, die womöglich ihr Wasser an umstehenden Bäumen abschlagen.
Die gesamte Benennung ist ein Rätsel. Denn hier lädt nicht die Schenke "Zum Wilden Eber", der Gasthof "Schwarzer Adler" oder das Wirtshaus "Zum Weißen Hirsch" zur Einkehr ein - es gibt bekanntlich noch viel mehr zoologische Namen auf Wirtshausschildern im Umfeld des deutschen Waldes. Einen der Gründe für die forstnahe Gastronomie beschreibt - völlig unironisch - der spanisch-jüdische Schriftsteller Elias Canetti (1905-1994) in seinem Buch "Masse und Macht" mit den Worten: "In keinem modernen Land der Welt ist das Waldgefühl so lebendig geblieben wie in Deutschland. Das Rigide und Parallele der aufrechtstehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das Herz des Deutschen mit tiefer und geheimnisvoller Freude.
Wupis Tränke
Blick von der Fürstenwalder Poststraße auf das Bistro
"Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten"
Foto © wn
Er sucht den Wald, in dem seine Vorfahren gelebt haben, noch heute gern auf und fühlt sich eins mit den Bäumen."

Das mag wiederum dafür maßgeblich gewesen sein, dass man Anfang der 1930er Jahre im damaligen vier Kilometer westlich von Frankfurt (Oder) gelegenen (1947 eingemeindeten) Dorf Rosengarten eine Verbindung aus Försterwohnung, Gaststätte, Tanzlokal und Kinderspielplatz begründete.
Die entstandene schnell beliebt werdende Ausflugsstätte wird jedoch im Zweiten Weltkrieg vernichtet. Am 23. April hatten Verbände der Ersten Belorussischen Front der Roten Armee Frankfurt erreicht. In einer Stadtchronik heißt es: "Auf Grund der Bombardierung und Beschießung der Stadt sowie Brandlegung durch Angehörige der Roten Armee und Plünderer, insbesondere Polen, brannte die Innenstadt völlig und weitere Gebiete Frankfurts teilweise ab." Vermutlich wird dabei auch das Waldhaus im Stadtwald in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Da es zum Zeitpunkt seiner Zerstörung keine 14 Jahre alt war, verbietet sich die heute in der Brandenburger Tourismusbranche gern gestellte und - im positiven Fall - ausführlich beantwortete Frage: Kam Theodor Fontane (1819-1898) hier vorbei?, saß er einmal hier?, trank er hier ein Bier? und vor allem schrieb er über seine Eindrücke und Wahrnehmungen - etwa in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg"?
Wupis Tränke
Überall im Bistro kann man gemütlich sitzen
Foto © wn
Die Antwort ist: Leider nein.
Der eifrige Bewanderer des Märkischen konnte trotz ausgedehnter Reisetätigkeit im Preußenland nicht überall gewesen sein.
Den Frankfurter Stadtwald trifft das Schicksal, von ihm nicht besucht worden zu sein. In den 1860er Jahren ist Fontane zwar in der Nähe, schifft sich jedoch "am breiten Quai der alten Stadt Frankfurt" ein, um auf einem Passagierboot eine Flußfahrt oderabwärts nach Schwedt zu unternehmen. Er hatte keinen Grund, diese Flußreise zu bereuen. An Deck lernt er unter anderem einen Gipsfigurenhändler kennen, der hofft, seine Ware auf dem Lebuser Markt losschlagen zu können, und nimmt Einsicht in dessen Sortiment. Kitsch darf oder will er dazu nicht sagen, und er zeigt sich freundlich beeindruckt. Immerhin handelt es sich (vermutlich) um Nachbildungen des entscheidungsschwachen und wortkargen preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. (1770-1840). Daneben in der Kiste liegt (dann demnach) dessen Frau, die schöne, preußenweit verehrte Königin Luise (1776-1810). Ferner hat der Händler in mannigfachen Ausgaben den Gott Amor dabei und die Königstochter Psyche, diverse Auroras, Göttin der Morgenröte, und Floras, Göttin der Blumen und des Getreides, allerhand Goetheköpfe, Büsten von Schiller und Lessing, drei "betende Knaben" und zwei "fritzische" Windhunde - kurzum Dinge, von denen man glaubte, sie machen einen gutbürgerlichen Haushalt schöner und bedeutungsvoller. Als der Dampfer nun hinter Hohenwutzen die uckermärkische Gefilde erreicht, bekommt der Leser der "Wanderungen" fast den Eindruck, als spiele Fontane den Barnim und das Oderbruch gegen die Uckermark aus. Jedenfalls wird er überraschend ironisch: "Der Barnim liegt hinter uns, und wir fahren in die Uckermark hinein, wo sich uns Uferlandschaften erschließen, sehr ähnlich denen, wie sie die Stettiner Umgegend dem Auge bietet.
Hof von Wupis Tränke
Blick in den Hof
Foto © wn
Andere Namen, in nichts mehr an die triviale Komik von "Güstebiese" oder "Lietzegöricke" erinnernd, tauchen auf - Namen voll poetischem Klang und Schimmer: Hohensaaten, Raduhn und Hohen-Kränig."

Es erhebt sich in diesem Zusammenhang die Frage, was Fontane zu Papier gebracht hätte, wäre er im Frankfurter Stadtwald plötzlich auf den Namen Wupi gestoßen.
Zu seiner Zeit war es noch nicht üblich, dass die preußischen Wirte ihre Namen, oder die Koseform von ihnen, auf die Schilder ihrer Kneipen und Pinten schrieben.
In seiner autobiographischen Schrift "Von Zwanzig bis Dreißig" bekennt jedoch Fontane, von dem man meint, er sei als Altpreuße eher dem Gradlienigen verpflichtet, daß "alles Krumme und Schiefe, alles Schmustrige (wohl Heitere), alles grotesk Durcheinandergeworfene von Jugend (an) einen großen Reiz auf mich ausgeübt hat".
Bei Wupi wäre er richtig gewesen. "Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten" ist nämlich ein kleines Ensemble teils geschlossener teils halboffener, mit einer überschaubaren Anzahl an Plätzen bestuhlter Kabüffchen, Klausen und Kemenaten und einem Hof, in dem man in der warmen Jahreszeit ebenfalls gut sitzen kann.
Das heutige Waldbistro ging aus einer Trinkhalle hervor, die man 1948 an der Stelle baute, an der das Waldhaus Rosengarten gestanden hatte. "In den folgenden fast dreißig Jahren wurde (hier) viel gelacht, geweint, getrunken, gegessen und sich aktiv erholt", heißt es in einem keineswegs nostalgischen Rückblick auf die DDR-Zeit, in der die HO (ein staatliches Einzelhandelsunternehmen) die Fressalien und die Trinkerei anlieferte und die Pächter am Bierhahn standen. Die Waldkneipe wird allerdings nach Jahrzehnten wiederum ein Opfer - diesmal einer politischen Wende; sie wird geschlossen und abgerissen, aber auch weil die Leute zumindest damals lieber nach Mallorca flogen statt durch den Stadtwald zu pilgern. Aber es gibt ein Wiederbesinnen auf den schönen Ort. In den 90ern kommt es zum Neubeginn.
Mit Brettern, Glas und Folien wird ein Imbiss errichtet. Wohlgesonnene Stadtbedienstete, ein Wirt und seine Familie, der Förster und viele Frankfurter stehen hinter dem neuen Projekt.
Die Hauskatze
Hauskatze, schlafend
Foto © wn
Der derzeitige Betreiber Tilo Winkler versucht sogar, die nächsten achtzehn Jahre ins Augen zu fassen: Nach deren Ablauf soll es eine angemessene Hundert-Jahres-Feier geben.

Bleibt noch die Frage, was hinter dem Begriff Wupi steckt. Er ist keineswegs eine aufs Auffallen zielende Redefigur. Es sind, wie man hört, vor längerer Zeit Kinder, die im Umfeld der Kneipe wahrscheinlich Regenwürmern ausgraben, um die Humusbildung zu studieren und beeindruckt davon sind, wie sehr ein auf dem Handteller liegender Wurm sich heftig windet, um irgendwie wieder ins Erdreich zu kommen. Es beginnt - aus welchem Grund auch immer - ein fröhliches Raten, bei dem die Kinder dem Regenwurm einen Namen geben wollen. Würmchen, sagen die einen, Würmli andere; plötzlich heißt es Wupi. Das schien der Meute coole genug zu sein, und alle riefen ausgelassen diesen Namen.
Da es nun mal Wupi, den Wurm, gab, kam der damalige Inhaber auf die Idee,
Deutscher Wald - Birken im Winter
Deutscher Wald I: Birken im Winter (Gamengrund)
Foto © wn
ihn zur Bezeichnung des noch namenlosen Wald-Imbisses zu benutzen. In der heutigen Werbung wird kein Zweifel daran gelassen, daß Wupi nicht nur eine Schnapsidee ist. Wir finden hier jene historisch entstandene Mischung aus Lustbarkeiten, die der Wald für unterschiedliche Altersstufen bereithält. Damit wird auch dargetan, dass hier kindliches Erleben der Natur zum gastronomischen Gestus gehört. Feiern im Wald, Spaß am Lagerfeuer, Pilze sammeln, Sport-Events und Nachtwanderungen einschließlich Rastplatzversorgung - das alles steht auf dem Programm. Schon am Eingang von "Wupis Tränke" wird klar: Hier ticken nicht nur die Uhren etwas anders, auch die überraschenden Entfernungsangaben reichen weit über die Brandenburgische Grenze und über lokales Denken hinaus. Ausgewiesen ist an der Pforte, dass der Frankfurter Stadtwald und die Stadt New York 6493 Kilometer voneinander entfernt sind. (Berlin 81 km, Moskau 1551 km, Paris 939 km).
Deutscher Wald - Frühling im Grumsin
Deutscher Wald II: Frühling im Grumsin
Foto © wn
Nur 250 Kilometer weniger sind es bis zum zeitweiligen Wohnort jenes Amerikaners, der wie Theodor Fontane, vermutlich mit Wohlwollen auf die Geschehnisse rings um "Wupis Tränke" geblickt hätte, weil er dort seine Vorstellungen von einem sinnenfrohen erdgerechten Leben verwirklicht gefunden hätte. Nordöstlich von New York liegt Concord, die Kleinstadt im US-Bundesstaat Massachusetts, die man auch das "amerikanische Weimar" nennt. Warum? Weltweit bekannt gemacht hat diesen Ort der Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau (1817-1862). Der Autor des Buches "Walden. Or life in the Woods" (Walden. Oder das Leben in den Wäldern) bezog am 4. Juli 1845, dem Unabhängigkeitstag, für zwei Jahre eine selbsterbaute Blockhütte am (heute so genannten) Walden-See. Er wollte mit seiner Umsiedlung den Beweis erbringen, wie interessant und sinnvoll ein einfaches Leben in der Natur sein kann. Während es in "Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten" ausweislich der Speisekarte "ein breites Imbissangebot von Bockwurst bis Schnitzel mit Bratkartoffeln, roter Fassbrause und frisch gezapftem Bier zu erschwinglichen Preisen" einschließlich Erbsen- und Gulaschsuppe gibt, faßt Thoreau seine Eßvorräte an einem Tag mit dem Satz zusammen: "Quellwasser habe ich noch im Hause, und ein Laib Brot liegt im Schrank." Zu seinen reformerischen Ideen zählt der Anspruch, die Natur nicht nur anzusehen, sondern mit Lust und Neugier in sie auch hineinzusehen.
Im Baumstumpfhaufen neben seiner bescheidenen Behausung wird er eines Tages Zeuge eines erbitterten Kampfes. Eine rote und eine schwarze Waldameise kämpfen um den Platz auf den Stümpfen. "Nachdem sie einmal sich gegenseitig gepackt hatten, ließen sie nicht mehr locker, sondern kämpften und rangen und rollten auf den Holzspänen ohne Unterlass hin und her. Als ich weiter Umschau hielt, sah ich zu meinem Erstaunen, dass kein duellum (Duell) sondern ein bellum (Krieg) hier stattfand, ein Krieg zwischen zwei Ameisenvölkern!" heißt es in seinem Buch (Übersetzung Wilhelm Nobbe). Nicht aber ist immer Krieg in der Natur. Thoreau studiert auch friedliche Abläufe. Am Morgen nimmt er wahr, wie der noch vereiste See bei den ersten Sonnenstrahlen zu krachen beginnt. "Er reckte und streckte sich, gähnte wie ein erwachender Mensch unter allmählich zunehmendem Spektakel. Das dauerte ungefähr drei bis vier Stunden lang. Um die Mittagszeit hielt er ein kleines Schläfchen, um gegen Abend, wenn er die Sonne nicht mehr spürte, abermals zu krachen." Und Thoreau fragt: Wer hätte solch ein großes, kaltes und dickhäutiges Geschöpf für so empfindlich gehalten?
Herbststimmung nahe Chorin
Deutscher Wald III: Herbststimmung nahe Chorin
Foto © wn
Die Kinder, die sich bei Wupi treffen, um mit der klassisch gewordenen Sesamstraßen-Frage "Wer, wie, was - wieso, weshalb, warum?" in den Stadtwald aufzubrechen, sollen nicht zu Naturromantikern erzogen werden und schon gar nicht nur von Brot und Quellwasser leben lernen. Sie sollen die Wesen und die Gewächse der Natur von ihren geheimsten Seiten kennenlernen. Da aber "Wupis Tränke" keine Forschungsstation ist, zielt das Bistro bei allem aufs Familiäre.
Die Eltern, sagt man hier, können "ihren Kindern freien Lauf lassen. Papi zischt ein Getränk, Mutti haut sich ein Eis rein und das Kind erkundet den Wald." Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) konnte zwar die Deutschen nicht besonders leiden ("Sie mögen mich nicht. Ich mag sie auch nicht!"). Aber seine bzw. Fausts Feststellung, im österlichen Gestade "des Volkes wahren Himmel" anzutreffen, zeugt doch zumindest von Menschennähe. In einen solchen "wahren Himmel" eintreten kann man wohl auch in "Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten" an der Fürstenwalder Poststraße im Stadtwald von Frankfurt (Oder).

Wie man zum Stadtwald von Frankfurt (Oder) kommt:
Von Berlin aus bietet sich mit dem Auto die Bundesstraße B1/B5 an. Kurz vor Boosen biegt man rechts in die Bundesstraße B112 ein. Nach ca. 4 Kilometern keuzt diese die Fürstenwalder Poststraße, in die man rechts einbiegt. Gegenüber von "Wupis Tränke am Waldhaus Rosengarten" gibt es Parkmöglichkeiten. Von hier kann man auch Wanderungen beginnen.
Text: -wn- / Stand: 21.07.2014



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