Der Potsdamer Pfingstberg - die sanfte Moräne in der Nauener Vorstadt

Die Rede ist von einem mit lichtem Laubwald bewachsenen 76 Meter hohen, sanften Moränenhügel in der Nauener Vorstadt auf der Potsdamer Insel.
Potsdamer Pfingstberg
Die zwei Türme auf dem Pfingstberg sind sehr sehenswert
Foto © wn
Seit knapp 200 Jahren weisen die Landkarten den einst mit Eichen bestandenen Buckel als den Pfingstberg aus; nur die Spitze des Kleinen Ravensbergs ist im Stadtgebiet mit 114 Metern der Sonne etwas näher. Dass dieser Pfingstberg nördlich der
Siedlung Alexandrowka überhaupt mit dem Begriff Berg in Verbindung gebracht wird, reizte immer wieder spöttische Zungen zu Sticheleien. Eduard Friedrich Max von Eyth (1836-1906), ein dem Brandenburgischen durchaus gewogener deutscher Landwirtschafts-Ingenieur und Schriftsteller, witzelte in einem Gedicht mit dem Titel "Meinem Bergfreund aus der Mark": "Den Pfingstberg, der kühn in die Wolken ragt, / Erstiegst du als Junge schon
unverzagt, / Und blicktest hernieder aus schwindelnder Höh' / Auf Rieselsandfelder, auf Wald und See". Die geografische Unhöhe des belächelten Bergleins steht allerdings in keinem Zusammenhang mit dem wirkungsstarken Fluidum, das von ihm ausgeht. Es gibt keinen Grund, das rekonstruierte Belvedere oben auf dem Plateau unbesichtigt zu lassen. Der Besucher trifft auf eine imposante Treppenanlage mit Kolonnaden, zwei Türmen (Foto) und einer "vollkommenen panoramischen Umsicht in die Gegend", wie es in einem alten Abriss "Potsdamer Vergnügungsörter" heißt. Das zwischen 1847 und 1863 aufgebaute Belvedere ermöglicht es, aus der Potsdamer Behaglichkeit heraus die Skyline des ruhelosen Berlins zu sehen und sogar den Turm der Marienkirche zu erkennen. Im Nahbereich erfasst das Auge den Park Sanssouci mit dem Ruinenberg, Schloss und Park Babelsberg mit dem einst bewohnten Flatowturm und die Pfaueninsel. Das 27 Meter hohe Belvedere haben wir seinem Entwerfer Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. zu danken, jenem kunstsinnigen Potentaten, der leider in wirtschaftlichen und politischen Fragen weit weniger glücklich agierte und der am 22. März 1848 die am Berliner Schloss vorbeigetragen Märzgefallenen grüßen musste.

Der Pomonatempel auf dem Pfingtberg


Nur wenige Meter südöstlich des Belvedere-Vorhofes mit seinen Laubengängen stößt man auf einen Pavillon in der Gestalt eines kleinen quadratischen Tempels mit Dreiecksgiebel und einer kurzen Vorhalle, an deren äußerem Ende vier ionischen Säulen das Dachgesims stützen und griechisches Flair verbreiten. Im Innenraum sind wechselnde Ausstellungen zu sehen; im Sommer kann man auf dem Dach Lesungen beiwohnen oder auf der Wiese davor heiteren wie kontemplativen Klängen lauschen. Ein weiß-blau gestreiftes Sommerzelt wird über die Dachterrasse gespannt, wenn sich dort Teegesellschaften oder andere interessierte Personenkreise versammeln. Der Bau ist das Gesellenstück des damals noch unbekannten 19jährigen späteren Architekten und Malers Karl Friedrich Schinkel (1781-1841). Er widmete den Tempel der Pomona, der antiken Göttin des herbstlichen Obstsegens, die auf den Gemälden in den Museen deshalb meist mit Früchten im Arm dargestellt ist. Pomona figuriert zudem auffällig oft mit einem kaum verhüllten ansehnlichen Busen, und vermutlich beschränkte sich das Lustvolle des Herbstes schon damals nicht nur auf den Verzehr von Früchten.

Eigentümer des Pomonatempels war der Königlich Preußische Geheime Rat und angesehene Kartograph Carl Ludwig von Oesfeld. Als dessen Gast im Tempel und im lauschigen Weinberg an der West- und Südseite des Berg-Geländes erscheint in den Überlieferungen die indirekte Namensgeberin des Pfingstberges: Luise, Königin von Preußen (1776-1810), die Mutter Friedrich Wilhelms IV. Ein Pfingstbesuch Luises 1804 in Oesfelds Weinberg unterhalb der zwei Bockwindmühlen des Potsdamer Mühlenmeisters Johann Ferdinand Wendt war der Grund für die 13 Jahre spätere Umbenennung der Erhebung, die wegen des nahen jüdischen Friedhofes noch Judenberg hieß. Luise war bekanntlich die natürlich-anmutigste Königin, die das an Gestalten reiche Preußentum je hervorbrachte. Dass aber die Potsdamer Kleinmörane dennoch nicht nach der früh verstorbenen Luise, sondern nur nach dem an Luise erinnernden Pfingstfest benannt wurde, gibt zu denken. Vermutlich wollte ihr Mann, König Friedrich Wilhelm III., der Legendenbildung, die die "preußische Madonna" schon genügend ausgelöst hatte, keinen weiteren Vorschub leisten. Sehr vehement trat er der Fiktion entgegen, seine Frau habe Anteil an seinen politischen Entscheidungen gehabt. Dennoch ging das Vier-Augengespräch Luises mit Napoleon am 6. Juli 1807 in Tilsit (heute Sowjetsk bei Kaliningrad) in die Geschichte ein. Mutig hatte sie versucht, den französischen Kaiser zu bewegen, nach seinem Sieg in der Schlacht bei Friedland am 14. Juni 1807 über Russland und Preußen möglichst maßvolle Friedensbedingungen zu stellen. Zwar beeindruckte sie ihn; mehr erreichte sie nicht. - Frei steht es heutzutage jedem, der zum Belvedere hinaufspaziert, die Erhebung für den Pfingstberg oder vielleicht doch für "Luisens Höhe" zu halten.

Wie man zum Pfingstberg Potsdam kommt
Bahn und Bus:
Ab dem Potsdamer Hauptbahnhof kann man die Straßenbahnlinien 92 oder 96 bis Haltestelle "Puschkinallee" oder "Am Schragen" benutzen. Die Busse 638 und 639 halten an der Haltestelle "Am Pfingstberg".
Auto:
Über die A115 und die Bundesstraße 1 fährt man ins Potsdamer Stadtgebiet und biegt rechts in die Behlertstraße ab. Ihre Verlängerung ist die Große Weinmeisterstraße, die an den Pfingstberg hinanführt. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt.

Öffnungszeiten vom Pfingstberg in Potsdam (Belvedere):
April, Mai, September, Oktober täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
Juni, Juli, August täglich 10.00 bis 20.00 Uhr
März und November Sa und So 10.00 bis 16.00 Uhr

Die Öffnungszeiten des Pomonatempels am Pfingstberg:
Ostern bis Oktober an Wochenenden und an Feiertagen 15.00 bis 18.00 Uhr
Text: wn

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