Sydney an der Havel: Das Hans-Otto-Theater in Potsdam Mit der Eröffnung des Hans Otto-Theaters auf dem Gelände der Schiffsbauergasse hat Potsdam 2006 ein neues Wahrzeichen erhalten. Malerisch direkt am Ufer des Tiefen Sees gelegen, fügt sich der moderne, futuristisch anmutende Bau mit seiner leuchtend roten, weit herausragenden muschelartigen Überdachung markant in die Potsdamer Wasser- und Gartenlandschaften ein. Theatergäste können direkt per Schiff anreisen und anschließend vom üppig verglasten Foyer aus einen herrlichen Blick über den Tiefen See bis zum Babelsberger Park genießen.

Wegen der Bauform, aber auch wegen der Wasserlage wird das nach Plänen des Star-Architekten Gottfried Böhm errichtete und 26 Millionen Euro teure Hans-Otto-Theater oft mit dem australischen Wahrzeichen, dem Sydney-Opera-House, verglichen. Böhm erhielt dafür als bisher einziger Deutscher den Pritzker-Preis, den "Nobelpreis" für Architektur. Eine "neue Ikone" für Potsdam nennt der Intendant Uwe Laufenberg sein Theater selbst.

Harmonisch in den Baukörper integriert wurden übrigens ein unter Denkmalschutz stehender Gasometer sowie der aus dem 19. Jahrhundert stammende Turm einer früheren Zichorienmühle. In diesem ist mittlerweile das Restaurant "Il Teatro" beheimatet. Seinen Namen erhielt das Theater übrigens nach dem Schauspieler und Kommunisten Hans Otto, der 1933 von den Nazis wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD ermordet worden war.

Nachdem das alte Theater am Kanal, welches ursprünglich 1795 von König Friedrich Wilhelm II. als erstes Theater in Potsdam gegründet worden war, nach 1945 in Trümmern lag, vagabundierten die Schauspieler von einem Notquartier zum nächsten. Zunächst siedelte das Ensemble in das Schlosstheater im Neuen Palais um, danach diente eine Gaststätte in der Zimmerstraße als provisorische Spielstätte. Zwar beschloss der DDR-Ministerrat 1985 auf dem Alten Markt einen Neubau, doch als dieser zur Hälfte fertig gebaut war, kam die Wende. Der recht biedere und stämmige Bau wurde noch vor Vollendung wieder abgerissen. Zu groß, zu unpraktisch, zu teuer im Unterhalt - so die Begründung. Zu häßlich, das dürfte sich der eine oder andere insgeheim sicherlich ebenfalls gedacht haben.

Ab 1992 wurde eine eigens errichtete und "Blechdose" genannte Leichtbauhalle am Bahnhof bespielt, einer Art Lagerschuppen mitten im Zentrum. Laut Gerüchten sollte die "Blechbüchse" versteigert werden, nachdem sie ausgedient hatte. Tatsächlich aber wurde sie nach Zagreb verkauft. Wer das neue Hans-Otto-Theater betritt und vom Foyer aus seinen Blick auf den Tiefen See und die vorbeiziehenden Schiffe schweifen lässt, wird das blecherne Provisorium jedoch sicher nicht vermissen. Denn was hier geschaffen worden ist, ist sicherlich ein Architekturdenkmal erster Güte. Potsdam, bislang arm an ansehnlicher Nachwendearchitektur, kann's gebrauchen.

Theaterkarten und Information:
Neues Hans Otto Theater Potsdam
Schiffbauergasse 11
14467 Potsdam
Tel: 0331 98 11 8
E-Mail: kasse@hansottotheater.de


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