Krongut Bornstedt in Potsdam : Bella Italia in Preußen
"Mein italienisches Dörfchen", schwärmte der Kronprinz Friedrich von seinem rund 15.000 Quadratmeter umfassenden, ganz im italienischen Architekturstil erbauten Vorzeigegut, nur 400 Schritte entfernt von Schloss Sanssouci. Der bekennende Italien-Fan hatte das Landgut 1867 gemeinsam mit seiner Gattin Victoria übernommen, nachdem sein Vorfahr, der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, das Rittergut aus dem 14.Jahrhundert 1664 erworben hatte. Das junge Hohenzollernpaar baute das Krongut zu einem Mustergut mit moderner Landwirtschaft, Hühnerzucht und Milchprodukten aus. Heute steht das seit 2002 wieder neueröffnete, ursprungsgetreu restaurierte Krongut auf der Denkmalliste der UNESCO.
Neben zahllosen Touristen, die alljährlich zum Krongut Bornstedt strömen, um die kulinarischen Genüsse der Guts-Gastronomie zu erleben bzw. den Traditions-Handwerkern in der "Brandenburg Manufaktur" über die Schulter zu schauen, ist der ehemalige Landsitz der Hohenzollern auch eine Stätte der Begegnung für Politik und Adel. Höhepunkt unter den noblen Staatsbesuchen auf Krongut Bornstedt dürfte unangefochten der Besuch der Queen im Jahr 2004 gewesen sein. Auch der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe zeigte sich bei der Wiedereröffnung des Kronguts zwei Jahre zuvor begeistert von dem "Juwel brandenburgischer Schlösserlandschaft", wie er es schwärmerisch nannte. Nachdem das verfallene Gutsgelände zu DDR-Zeiten als Lagerstätte genutzt worden war, hatte sich 1999 eine Investorengruppe daran gemacht, das marode Schmuckstück der Preußen-Dynastie für insgesamt 12,2 Millionen Euro aufwändig wieder herzurichten.
Seither besuchen jährlich rund 150.000 Menschen das Krongut - wahlweise, um im Biergarten einen Schluck vom wieder gebrauten "Bornstedter Büffel" zu probieren, ein Glas "Werderaner Wachtelberg" in der Weinscheune zu genießen oder den Hut- und
Putzmachern, Zinngießern, Webern, Keramikern oder Kerzenmachern der Brandenburg Manufaktur einen Besuch abzustatten. Historische Kunstfertigkeit stellt auch der Glasmacher in der Glashütte "Johann Kunckel" unter Beweis, wenn er an über 1200 Grad Celsius heißen Öfen das weiße Gold produziert. Lohnenswert sind auch der Barbier und die Parfümerie
des 19. Jahrhunderts sowie eine kleine aber gutsortierte historische Buchhandlung. Übrigens: Verliebte Pärchen können sich im Trauzimmer des Herrenhauses das Ja-Wort geben - eine Gelegenheit, die von den Potsdamern gern und rege genutzt wird.
Veranstaltungshighlights im Jahresprogramm des Kronguts sind die Festspiele im Sommer, die Ritterspektakel und die Open-Air-Konzerte sowie der romantisch-historische Weihnachtsmarkt. Besonders beliebt sind auch die regelmäßig stattfindenden Exerzier- und Rekrutierübungen der so genannten "Langen Kerls". Wie zu Zeiten des "Soldatenkönigs" Friedrich Wilhelm I. führen die "Langen Kerls", die allesamt eine stattliche Mindestgröße von ca. 1,90 Meter vorweisen müssen, getreu dem Exerzierreglement von 1726 die Leibbataillons-Ausbildungsgebräuche von damals vor.
Text: ak
Krongut Bornstedt
Ribbeckstr. 6/7
14469 Potsdam
Tel. (0331) 550 65 0
Tipp: Parkplätze sind knapp. Besser per Bus 614 ab Bahnhof Potsdam anreisen.