Komandirowka nach Alexandrowka - Die Potsdamer Sängersiedlung Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) galt als zugeknöpfter und den Musen fern stehender Mann,
Die Potsdamer Sängersiedlung
notorisch auch seine Wortkargheit. „Mir fatal“ ist der überlieferte abqualifizierende Kommentar zu Johann Gottfried Schadows berühmter „Prinzessinnengruppe“, die heute in der Berliner Alten Nationalgalerie steht. Seine Majestät war aber nicht rundweg unsensibel. Er liebte immerhin - zur Pflege seiner angeschlagenen Seele - russische Gesänge. Und die russophile Neigung zielte nicht nur aufs Musikalische. Friedrich Wilhelm beeinflusste das Bild des Potsdamer Nordens aufs Schönste: in Gestalt der Siedlung Alexandrowka, in die man u.a. über die Friedrich-Ebert-Straße gelangt. 1999 wurde dem damals schon bestehenden Potsdamer Weltkulturerbe die Kolonie sowie weitere städtische Denkmalbereiche hinzugefügt.

Die von der üblichen russischen Bauweise abweichende Bohlenverkleidung mittels gewölbter Dielenbretter und die verschränkten Balkenköpfe an den Hausecken
machen das malerische Flair der 13 Blockhütten Alexandrowkas aus. Ornamental ausgesägte Giebelbretter und anmutige Holzzierleisten unterstützen die slawische Manier. Ein 14. Haus mit der Wohnung des Kirchenvorstehers und der königlichen Samowarstube im Obergeschoß steht neben der Alexander-Newski-Kirche auf dem angrenzenden Kapellenberg. Die Häuser wurden in den Jahren 1826/27 auf Weisung und auf Kosten des Königs im Gedenken an seine Freundschaft zum Zaren Alexander I. gebaut. Der Baubefehl ist aber nur aus der vorausgegangenen preußisch-russischen Geschichte zu verstehen. 1812 zwingt der noch mächtige Napoleon Friedrich Wilhelm, am Rußlandfeldzug der Grande Armeé teilzunehmen. 22 000 preußische Soldaten kämpfen gegen das zaristische Heer. Es bleibt nicht aus, dass sie russische Gefangene machen und mit nach Haus bringen. Nach der Niederlage Frankreichs und mit dem Beginn der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-15), in denen die ehemaligen Kriegsgegner Preußen und Russland Alliierte sind, wandelten sich die russischen Gefangenen zu einer Art Militärpersonen auf Dienstreise (russ.: komandirowka). Mit allen Ehren wurden sie der Leibkompanie des Ersten Garderegimentes zu Fuß zugeordnet. Mehr noch: Nach einem Casting finden sich 62 russische Soldaten und Unteroffiziere unfreiwillig als Mitglieder eines Chores wieder, der, wie es heißt, mit "Gesang und Tamburin und kleinen Glöckchen" bei der Truppenbetreuung im Einsatz ist und bis nach Paris kommt.

Doch für die russischen Sänger ist es eine Dienstreise ohne Ende. Es zerschlägt sich die Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat. Alexander I. hat die Truppe inzwischen dem preußischen König zum Geschenk gemacht. Die „Havelrussen“ bleiben im preußischen Militärdienst und ziehen später in die für sie errichtete, durchaus komfortable Siedlung Alexandrowka ein. Während sich die Spuren der meisten von ihnen in Ermanglung männlicher Nachkommen bald verlieren, haben sich zwei Namen bis heute erhalten: Grigorieff und Schischkoff. Zwischendrin taucht auch ein Siedler namens Jakobs auf. Der Zugezogene stammt aus Ostfriesland. Es ist der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs. Auch er hat sich in Alexandrowka niedergelassen.

Was in der phrasenerstickten Zeit der „deutsch-sowjetischen Freundschaft“ nicht möglich war, wurde in Potsdam nachgeholt. Studenten der TU Berlin, Baufachleute und vor allem die „Potsdam Stiftung Kremer“ haben das Haus Nr. 2 mit Engagement und Sachkunde in ein sehenswertes kultur- und baugeschichtliches Denkmal verwandelt, das vom Leben der einstigen Kolonisten berichtet. Damit wurde Alexandrowka zu einem geretteten Symbol preußisch-russischer Freundschaft. Wer diesen angenehmen Gedanken noch vertiefen möchte, wechsle nebenan ins Haus Nr. 1: Dort erhält man nicht weniger authentische Einblicke: aufgetragen werden etwa Alexander Puschkins Lieblingsspeise, die Sauerkrautsuppe Schtschi, Roter Borschtsch, den der Dichter Michail Bulgakow bevorzugte, und natürlich Sibirische Pelmeny. „Mir geschmeckt“, hätte Friedrich Wilhelm in seiner verknappenden Diktion zu bemerken geruht, wäre Seine Majestät dort einmal zu Tisch gewesen.

Text: wn



Mehr Ausflugstipps für Berliner und Brandenburger

Mehr Nachrichten aus Posdam

Infos über die Universität Potsdam
Hotels in Potsdam
Autovermietung Potsdam
Sehenswürdigkeiten in Berlin

 
Potsdam Übersicht
Firmen in Potsdam
A
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
P
Q
R
S
T
U
V
W
X
Y
Z
Ä
Ö
Ü
 
Restaurants in Potsdam Hotels in Potsdam Ärzte in Potsdam Firmen in Berlin Internes : Firma eintragen Werbung buchen Eintrag ändern Fehler melden Unsere AGB's Hilfe / Support Forum