Park & Schloß Sanssouci - In Friedrichs Weinberg Sorgenfrei

Ein Hin und Her und Auf und Ab mit der russischen Braut. Stress mindert ihre Anmut. In Russland hätten sie vergnügt am Puschkin-Denkmal, wahlweise an dem Lenins oder einfach im Birkenwäldchen ein Schlückchen getrunken - hier in Sanssouci (Foto) geht Mühe vor Lust,
Sanssouci in Potsdam
Blick auf das Schloß Sanssouci - Foto © wn
werden an wechselnden Schauplätzen aufwändige Fotos gemacht. Jetzt steht die schöne Slawin auf der unteren Ebene des 280 Hektar großen Potsdamer Parks, der nach dem Willen seines Schöpfers und Erstbewohners Friedrich II. (1712-1786) auf Deutsch "Sorgenfrei" heißt. Am Hauptbassin soll sie unter der Statue "Diana, dem Bad entstiegen", eine Dame der Römischen Götterwelt, dem Bräutigam beseligt entgegenstreben. Danach geht es mit ihm und dem Fotografen über 132 Stufen durch die mit Reben bestandenen Zwischenterrassen hinauf zur Weinbergskuppel, zum eingeschossigen Palais, das dem "Philosophen von Sanssouci", dem gebildeten, kunst- und eigensinnigen Friedrich, fast vier Jahrzehnte lang als Sommer-Sitz diente. Wunschgemäß kokettiert hier das Mädchen mit den sandsteinernen Bacchanten, die mit barbusigen Bacchantinnen das Dach des Schlösschens parkwärts lächelnd und lockend stützen. Zu Lebzeiten des Alten Fritz
wäre die Anwesenheit des Mädchens im Park nicht so dahin gegangen. Wie es sein Vater, der pietistisch verhärtete Friedrich Wilhelm I., hielt, wenn er eine Frau aus unterem Stand, wie er meinte, herumlungern sah, hätte auch der Sohn die Braut mit den Worten angeherrscht: "Packe dich nach Hause in deine Haushaltung, wo du hingehörst!" Eine beifolgende Ohrfeige - nicht ungewöhnlich bei diesem drakonischen Schöngeist - und nicht etwa deshalb, weil er angeblich mit Frauen nichts im Sinn hatte. War ja nicht so: Denn immerhin konnte er sich am "graziösen Gliederspiel der Barbarini", einer aus Venedig herbeigeschafften Tänzerin, erfreuen. Der Dichter Voltaire (1694-1778), zwei Jahre lang in Sanssouci Partner für Gespräche über Aufklärung und Staatsräson, behauptet den Grund des durchlauchtigsten Faibles für die Barbarini zu kennen: ihre athletischen Männerbeine. Mit überlieferten Begebenheiten und verbürgten Aussprüchen hat man den Mann, der sich meist mit Dreispitz zeigte und im abgewetzten blauen Überrock seines Leibregiments, immer wieder in Schubladen stecken wollen. Wenn er denn, wie ihm vorgeworfen, so einspurig im Denken gewesen wäre, wie kam es dann, dass das nach seinen Skizzen erbaute Schloss auf der Weinbergskuppe heute als ein Hauptwerk des deutschen Rokoko gilt? Der von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff ab 1745 nach diesen Entwürfen in zwei Jahren errichtete einstöckige Bau "entrankt sich in tändelnder Anmut dem Sandboden Potsdams", schwärmt Bach-Sohn Friedemann in seinen Potsdamer Erinnerungen. Der zwischen dem niedrigen Palais und der umliegenden Parklandschaft herrschende Geistesfrieden schafft eine noch heute anziehende Raum-Stimmung, die weder nüchtern noch bombastisch ist.

Sanssouci - Ohne Sorgen


Aber nach neun Jahren friedvollen Geisteslebens in Sanssouci mit den berühmten Gesprächs- und Tafelrunden sowie Konzerten inklusive Friedrichs Querflötenspiel, das er bis zum Zahnausfall betrieb, bricht er 1756 nach Veränderungen der europäischen Machtbündnisse den dritten Schlesischen Krieg vom Zaun, den man später den Siebenjährigen nennt. Es ist ein Präventivschlag gegen Österreich und dessen Verbündete, der mit dem Überfall auf Sachsen und einem Einmarsch nach Böhmen beginnt, und bei dem sich der vorn mitreitende König selbst allen Gefahren aussetzt. Nach erschreckenden Verlusten an Mensch und Material bleibt das eh schon eroberte Schlesien weiter preußisch - mehr nicht. Der Epigramm-Dichter Abraham Gotthelf Kästner kritisiert die unerwartete Kriegslust Friedrichs, der sich sonst als Verfechter einer "Friedenskunst" in der Tradition der französischen Aufklärung sah, mit dem Sinnspruch:
"Er schreibt ein Buch zu Frankreichs Ehre,
Der Philosoph von Sanssouci;
Doch diesem Buche glaub' ich nie,
Längst widerlegten's Friedrichs Heere".

Mit dem Buch ist dessen in der Rheinsberger Kronprinzenzeit verfasste Bekenntnisschrift "Antimachiavell" gemeint, in der er es ablehnt, dass Lüge, Verrat oder Erbarmungslosigkeit "zum Guten genutzt" werden können.

Das Schloss Sanssouci


Im Vestibül des Schlosses begrüßen den Besucher Kriegsgott Mars und Merkur aus der Abteilung Handel und Wandel. Ihre sinnige Dualität fordert dazu auf, Widersprüchliches zusammen denken. Tausende Besucher versuchen alljährlich einem Gesamtbild des schwer ergründbaren Hohenzollern-Monarchen nahe zu kommen, wenn sie im Schloss die Galerie, das runde Bibliothekszimmer, sein Konzert- und Audienzzimmer und den Wohn- und Schlafraum Friedrichs II. betreten. Hier starb im Sessel sitzend der unentwegte Mann, dem wir nicht nur die Kartoffel oder das meliorierte Oderbruch verdanken. Er verankerte - bei fortbestehendem Absolutismus - die Glaubens- und Gewissensfreiheit, trennte die Justiz von der Verwaltung. Der heutige Rechts- und Verfassungsstaat ist in Anfängen auch seinem Wirken geschuldet. An der Westseite des Schlosses hat er nun seine Ruhe - nach langer Odyssee. 1786 wird er gegen seinen Willen in der Potsdamer Garnisionskirche beigesetzt. 1945 rettet man den Sarkophag nach Marburg, 1952 kommt er in die Kapelle der Burg Hohenzollern. 1991 Rückkehr nach Sanssouci. Mit einem Staatsbegräbnis wird er in der seit 1745 wartenden Gruft neben seinen geliebten italienischen Windspiel-Hunden beigesetzt. Schlicht sollte die Grablegung sein: Nachts und "nur in kleinstem Gefolge und beim Schein einer Laterne". "Ich habe als Philosoph gelebt und will auch als solcher begraben werden, ohne Prunk, ohne Pracht, ohne Pomp." Es wäre diesmal nicht bei Ohrfeigen geblieben im Hinblick auf das barocke Leichenbegängnis am 17. August 1991 und - wie er im Traktat über die gehassten Speichellecker schreibt - angesichts "maßloser, unverdienter Lobhudeleien, die den Empfänger ebenso entehren wie den Spender". Ganz sicher: Friedrich hätte den Fußstock tanzen lassen.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Sanssouci:


  • Historische Mühle im Park von Sanssouci
  • Neptungrotte
  • Chinesisches Haus
  • Freundschaftstempel
  • Antikentempel
  • Obeliskportal
  • Römische Bäder

  • Adresse:
    Schloss Sanssouci
    Maulbeerallee
    14469 Potsdam
    Tel: 0331/ 96 94 200

    Wie man nach Sanssouci kommt:
    Bus: Ab dem Potsdamer Hauptbahnhof benutzt man die Busse 695 oder X15. Die Buslinien 605 und 606 fahren zum Luisenplatz, von dem man etwa 100 Meter bis zum Parkeingang läuft.

    Straßenbahn: Die Linien 91 und 94 fahren vom Hauptbahnhof zum Park.
    Text: wn

    Öffnungszeiten von Sanssouci:


    Schloss Sanssouci:

    November bis März:
    Montag geschlossen
    Dienstag - Sonntag 10 - 17 Uhr

    April bis Oktober:
    Montag geschlossen
    Dienstag - Sonntag 10 - 18 Uhr
    Bitte beachten Sie, dass der Besuch von Schloss Sanssouci an feste Einlasszeiten gebunden ist. Die Anzahl der Eintrittskarten pro Tag ist begrenzt.

    Park Sanssouci:
    Ganzjährig täglich geöffnet von 6 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit

    Eintrittspreise von Schloss Sanssouci:


    mit Führung oder Audioguide
    Normal 12€, ermäßigt 8€
    Fotoerlaubnis 3€

    Der Eintritt in den Park Sanssouci ist kostenlos. Sie können aber gerne einen freiwilligen Eintritt in Höhe von 2€ zahlen.



    Sanssouci auf einer größeren Karte anzeigen

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