Der Mythos des Waldes Blumenthal - Ein Stein gibt Rätsel auf

Im Walde Blumenthal, einem der größten geschlossenen Forsten Ost-Brandenburgs, kann man sich auf Weg und Steg dermaßen einsam fühlen, dass das alarmartig aufgellende Rätschen des unsichtbar bleibenden Eichelhähers im Zweigwerk der
Blumenthal
Der Wald im Blumenthal - Foto © wn
Bäume für den Moment Gänsehaut bewirkt. Kein Wunder, denn eine Mischung aus Geheimnis und Überraschungs-Erwartung liegt über der 30 Hektar großen flachhügeligen Waldung im Südosten der Barnim-Hochfläche zwischen Tiefensee und Leuenberg im Norden sowie den Gemeinden Gielsdorf und Prötzel in der Richtung des mittäglichen Sonnenstands. Die Erzähler von Balladen und Mären arbeiteten hart an den Mysterien, die diesem mit Schonungen, dichten Gehölzen und kleinen Seen ausgestatteten Waldland das Attribut des Legendären eintrugen. Alles was im deutschen Sagenwesen Rang und Namen hat - es ist im geistigen Überbau des Blumenthals vertreten. Die Weiße Frau, eine teils gut aussehende, sogar anmutige Spukgestalt aus adligen Schlössern? Der Blumenthal kennt sie natürlich. Der Reiter ohne Kopf? Ist auch vorhanden. Ein Förster, der vor vielen Jahren die alten Weiblein beim Sammeln von Ästen tyrannisiert haben soll, wurde mit ewiger Kopflosigkeit bestraft. Geldvermehrung nach dem Prinzip "Eselein strecke dich!" - hier zu finden. Ein Eichenstumpf wird erwähnt, auf dem ein anfangs rechtschaffener Schäfer jeden Morgen einen Groschen vorfand - bis er sich mit der jahrelangen Sonderzuwendung dicketat und in Kaufrausch geriet. Den gab es schon damals.

Stadtstelle Blumenthal


Seit 1961 steht das pilzreiche Gehölz unter Naturschutz. Maiglöckchen, Glockenblumen, Wiesenrauten, Ginsterbüsche und das einen halben Meter
hochwachsende Immenblatt fesseln in der Blühzeit die Blicke der Wanderer. Schon Theodor Fontane lobte die artenreiche Flora, Bäume stünden hier "in reichstem Gemisch". Auf lichten Flächen finden sich mannigfach Steinhaufen; sie erzählen von geglückten oder kriegshalber abgebrochenen Anbauversuchen von in geschichtliche Fernen entschwundenen märkischen oder slawischen Pionieren. Ein Gedenkstein berichtet auch vom 1823 erlegten letzten Wolf. Schließlich stößt man an der Landstraße zwischen Prötzel und Tiefensee auf die sogenannte Stadtstelle. Für ihre Entstehung gibt es mehrere Deutungen. Der zur Gemeinde Prötzel gehörende Winkel ist - soweit ist das klar - ein altes Vorwerk aus mittelalterlicher Zeit, dessen Hauptweg sich bald im umgebenden Wald verliert. Ein paar ältere, bewohnte Gebäude mit Satteldächern und Biberschwanzdeckung verbreiten entrückte Stimmung. Eine Ferienwohnung ist zu buchen. Wer eine zwei Kilometer lange alte Kopfstein-Pflasterstraße nicht fürchtet, gelangt in die Nähe des anmutigen Blumenthal-Sees. Neben dem Vorwerk befindet sich aber jener Ort, an dem die Legenden von der verlassenen, versunkenen oder auch zerstörten Stadt Blumenthal entsprangen. Ein heute noch zu bestaunender flacher Findling heizt seit alten Zeiten bis heute die Phantasie derer an, die sein Rätsel lösen wollen. Als Marktstein soll er den Mittelpunkt des Städtchens gebildet haben, von dem es allerdings keine Schilderungen gibt, außer dass die trapezförmige Ortschaft an ihrer längsten Stelle über 700 und an ihrer breiten über 300 Meter maß. Andere Forscher bevorzugen die Theorie, wonach der Stein die Opferstelle eines Heiligen Hains der elbgermanischen Semnonen war, die am Beginn des 1. Jahrhunderts im Gebiet zwischen mittlerer Elbe und Oder siedelten.

"Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375" erwähnt eine Örtlichkeit mit dem Namen Blumenthal. Der Name selbst lässt sich von heute aus gerechnet sogar über 1000 Jahre zurückverfolgen. Sachsenkönig Heinrich I. (875-936), später deutscher König, der im Zug der Besiedlung der Mark Brandenburg die Wenden vertrieb, hat nachweisbar auch eine Familie Blumenthal "in die Mark verpflanzt". Aber schon am Beginn des 15. Jahrhunderts berichtet eine andere Chronik von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Märkern und aufgetauchten landhungrigen Pommern. Die Quelle besagt: "Die Pommern waren unterdessen in den Blumenthalschen Wald eingerückt, und hatten die versteckt liegenden Dörfer Blumenthal und Biesow aufgesucht, geplündert und verbrannt."

Mord und Totschlag größeren Ausmaßes unter Menschen wird durch Zeitablauf immer mehr zum nüchternen geschichtlichen Ereignis, das schließlich seine Schrecken verliert. Und so kann man auch in der heutigen Idylle des Blumenthals kaum noch nachempfinden, dass die hier einstmals existierende "einfache, natural wirtschaftende Krieger-Gesellschaft", wie sie der Soziologe Norbert Elias (1897-1990) bezeichnet, ihren Mitgliedern eine ständige Todesbereitschaft abforderte. Von einer Minute auf die andere konnte jeder Hab, Gut und Leben verlieren. Und in großem Umfang geschah dies im 15. Jahrhundert auch im Blumenthal. Dabei stand der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 mit seinen unvergleichlicheren Schrecknissen und Grausamkeiten noch bevor. Der deutsche Barock-Dichter Andreas Gryphius (1616-1664) beschrieb das Elend dieses Krieges in seinem berühmten Gedicht "Thränen des Vaterlandes". Es beginnt mit den Worten: "Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!" Im Walde Blumenthal war zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr zu verheeren gewesen.

Der Weg zum Blumenthal im Land Brandenburg:
Mit dem Auto verlässt man Berlin am günstigsten über Ahrensfelde auf der B 158 in Richtung Werneuchen / Bad Freienwalde. Kurz nach Werftpfuhl biegt man rechts auf die Landstraße L 337, die direkt in den Blumenthal führt. Hinweisschilder machen auf die Stadtstelle aufmerksam. Auch der Abzweig zum Blumenthaler See ist angezeigt.
Text: -wn- / Stand: 15.07.2014

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