Gasthaus Gorinsee - Wo der Wirt das wilde Schwein noch selbst erlegt

"Schmeckts?", "Recht so das Fleisch?", "Alles in Ordnung, der Herr?" - Trotz ausgesprochen familiärer Atmosphäre geht in der Wildgaststätte "Am Gorinsee" bei Schönwalde nördlich Berlins das Bemuttern des Gastes nicht so weit wie in Loriots Sketsch,
Wildrestaurant in Brandenburg - Gasthaus Gorinsee
Ein Blick auf das Wildrestaurant - Foto © wn
in dem einer die servierte Kalbhaxe essen will, was mit Fragen nach Wohlgeschmack und mundgerechter Speisetemperatur immer wieder unterbrochen wird. Die Mitarbeiter des hier auf dem Unteren Barnimplateau zur Beschaffung von Wildbret noch selbst jagenden Gastwirts Erich Einecke wollen natürlich ebenso wissen, ob die bestellte Verköstigungsleistung den Erwartungen des Bestellers entsprach - und sie fragen danach in dem Wissen, keine überdrehten Gourmets vor sich zu haben. Denn zu den von Gästen wie Gastwirt verfochtenen Kriterien für das Schmackhafte zählt nicht nur, auf welch ausgefallene Weise die Geschmacksknospen affiziert werden, sondern ob denn auch einfach ein "ordentliches Stück Wildfleisch" auf dem Teller liegt. Es scheint als habe man mit den Jahren die passenden, urteilssicheren Gäste an sich gebunden; und offenbar ist kaum einer darunter, der angesichts der stattlich ausgereichten Portionen inzwischen der Völlerei anheim gefallen und andrerseits bereit wäre, sich den Schlankheitsgeboten des Mainstreams zu unterwerfen. Kurz: Hier isst man sättigend, genussvoll, gut bürgerlich.
Adresse:
Gasthaus Gorinsee
Am Gorinsee 1
16348 Wandlitz OT Schönwalde
Tel: 033 056/ 74 246

Öffnungszeiten des Gasthaus Gorinsee:


Täglich ab 11:00 Uhr


Freundlichkeit im Gasthaus Gorinsee


Und es geht in Eineckes Restauration ebenso nicht zu wie in manchem
tschechischen Hostinec (kein böses Wort über die üppige, knoblauchreiche böhmische Küche!), wo man noch am letzten Bissen kaut und einem der Teller schon entzogen wird. Aber auch im Wirtshaus "Am Gorinsee" bleibt abgegessenes Geschirr nicht ewig auf dem Tisch. Die sonst eher maliziösen gastronomischen Umfragen gehen im Falle dieses Lokals einher mit überschwänglichen Einschätzungen wie "Bedienung optimal", "stilvolle Einrichtung, angenehmes Ambiente" und "Essensqualität: ausgezeichnet". In einer dieser Kundgaben wird gar bekräftigt, bei Erich Einecke könne man "königlich" speisen, was auf den ersten Blick selbst im preußischen Kernland recht übertrieben scheint. Doch ganz unwahr ist es nicht. Wie uns der Historiker Johann David Erdmann Preuß (1785-1868) in seiner Biografie Friedrich II. überliefert, war "des Königs (Mittags-)Tafel nichts weniger als üppig und prachtvoll, (sondern) mehr lecker". Innerhalb einer Viertelstunde sei in Sanssouci alles aufgetragen, ebenso schnell wieder abgeräumt gewesen.

Der spürbaren Freundlichkeit gegenüber dem Gast fehlt allerdings der servile Unterton, wie er an Friedrichs Tafel herrschte, genau so wie das vorauseilende Danksagen für die Bestellung. Es fehlt auch die meistenteils geheuchelte Erwartung des Kellners, wonach der Gast, wenn er ein erkleckliches Trinkgeld auslangte, "einen guten Tag noch" verbringen möge - alles Windmachereien, die hier niemand kennt. Der Ober schaut einem nach dem Bezahlen fest in die Augen und erklärt: "Also bis bald mal wieder." Man wird darauf gern zurück kommen. Bleiben doch die Gerichte in Erinnerung: etwa die Eineckesche Kohlroulade, die neben der üblichen kräftig gewürzten Fleischfarce noch ein geschmackliches Restgeheimnis in sich birgt, das ansehnliche, für etwaige Fastenzeiten ungeeignete Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree, der Wildpfeffer genannte magere, gleich mit zwei Weinen behandelte Gulasch - abgelöscht mit Rotwein und abgeschmeckt mit aufgespriteten Madeira, einem mit Weinbrand versetzten Südwein. Und welch ein Verzehrgefühl stellt sich erst ein, weiß man, dass das gebratene Stück Oberschale von der Hüfte einer Bache, eines Keilers oder Überläufers stammt, dem der Wirt vor dem Waidschuss entweder selbst noch ins Auge blickte oder das Tier beim Versuch überraschte, eine Schneise zu überfliehen. Dabei ist sich Einecke bewusst, dass ein Keiler als einziges männliches Wildtier unserer Breiten zwei "Gewehre" zur Verfügung hat - kein Jägerlatein, sondern so heißen die beiden unteren Hauer seines kräftigen Gebisses. So bewaffnete Keiler gibt es im Übermaß. Vom Abschuss ausgenommen sind führende Bachen (mit noch gestreiften Frischlingen), die von Mitte August bis Ende Januar geschont werden. Ansonsten müssen die Schwarzkittel das ganze Jahr über mit finalen Schüssen rechnen. Kein Wunder, dass die Mär vom Wilden Eber in den Barnimwäldern immer wieder erzählt wird, darunter die Sage von den Wildsau-Festen in Mondscheinnächten. "Ihr unheimliches Getös (klang) bis weit in den Wald hinein und mehrte die Schauer des Orts", heißt es bei Theodor Fontane über den nicht weit entfernten Blumentaler Wald.

Das Wildrestaurant am Gorinsee


Die Szenerie könnte wirklich ein "des Volkes wahrer Himmel" sein (Goethe). Doch das Problem liegt vor der Haustür: der 24 Hektar große Gorinsee. Der Wasserspiegel des zurzeit kaum drei Meter tiefen Gewässers ohne Zufluss sinkt beständig aus einem noch unbekannten Grund, seit 1985 um rund einen Meter. Genau seit dieser Zeit wird auf den 1400 Hektar großen Rieselfeldern nahe dem südlich gelegenen Ort Hobrechtsfelde kein Berliner Abwasser mehr versprüht, das bis dahin nach der natürlichen Klärung den Grundwasserspiegel stabil gehalten hat. Auch die geringen Niederschläge der letzten Jahre werden für die Malaise mit verantwortlich gemacht. Zumindest ist es möglich, dass die kleine literarische Reminiszenz an den See der ortsansässigen Autorin Cornelia Bera einmal eine schöne Erinnerung an Verschwundenes ist: "Wellen vom Gorinsee / tragen Melodien an 's Ufer / ich lausche / Melodien aus Wassertropfen / Blätterrascheln Walddüften / bis mein Stift sie notiert / derweil warte ich / auf Wildgänse / und ihren Strich "

Der Weg zum Gorinsee und zum Wildrestaurant


Der Gorinsee liegt vom Alexanderplatz rund 23 Kilometer entfernt. Für die Fahrt dorthin empfiehlt sich die in der Prenzlauer Promenade beginnende Bundesstraße B109 Richtung Schorfheide. In der Ortschaft Schönwalde biegt man rechts in die Straße L30 ein. Nach zwei Kilometern ist die Siedlung Gorinsee erreicht. Am Gasthaus gibt es einen großen Parkplatz.
Text: -wn- / Stand: 15.07.2014

  • Restaurants im Landkreis Barnim



  • Locations im Landkreis Barnim
  • Diskotheken
  • Kinos
  • Kneipen
  • Barnim Portal

  •  
    Sehenswürdigkeiten Städte & Dörfer Locations Freizeit Ausflugstipps Urlaub in Barnim Übernachten / Unterkünfte Ferienwohnungen Hotels Firmen in Barnim Rechtsanwälte Dienstleister Handwerker Ärzte Kreisfreie Städte Brandenburger Landkreise Urlaub in Brandenburg Feiertage & Ferien Städte und Dörfer Naturparks Sehenswürdigkeiten in Berlin Berliner Firmenverzeichnis Locations in Berlin Einkaufen in Berlin Urlaub in Berlin Freizeit in Berlin Berliner Bezirke Sonstiges Partnerschaft & Kontakte Wellness Wohnen Arbeit Forum Blog Datenschutz & AGB