Die Hussitenstadt Bernau: Froschmäusler und vom Glück des Friedens

Welche märkische Stadt gäbe es noch, die ihre einstigen, zum Glück erfolglosen
Hussitenstadt Bernau
Bernau im Winter - Foto © wn
Belagerer später im eigenen Namen als verbales Schmuckelement erwähnte? Fehrbellin, der Ort der gleichnamigen Schlacht am Rhinluch, unterließ es tunlichst, sich mit dem Attribut Schweden-Stadt zu versehen. Bekanntlich hatte das Heer des Großen Kurfürsten am 28. Juni 1675 die Schweden nahe der Stadt geschlagen. Hingegen haben wir es im Falle des ehemaligen, fast 900 Jahre alten Ackerbürgerstädtchens Bernau zehn Kilometer nordöstlich Berlins mit einem Ort zu tun, dessen dekorativer Beiname "Hussitenstadt" kein PR-Gag ist. Das Attribut fußt auf einer feindlichen Begegnung von Hussiten und Bernauern im 15. Jahrhundert. Schwer zu begreifen war damals die hussitische Grausamkeit auf dem Schlachtfeld und andrerseits das eigentliche hussitische Ansinnen, nämlich ein gerechtes, dem Urchristentum anverwandtes Leben ohne eine entartete Kirchenhierarchie zu führen. Von ihren Lebensentwürfen waren die Hus-Leute weit entfernt. Denn die böhmischen Könige, die auch deutsche Kaiser waren, verfolgten sie als Ketzer und verwickelten sie in blutige Schlachten.
 
Sehenswürdigkeiten in Bernau:
  • Stadtmauer
  • Heimatmuseum
  • Gasometer
  • Goethepark
  • Friedwald Bernau
  • Locations & Firmen in Bernau:
  • Ärzte
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  • Hotels
  • Restaurants
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    Geschichte der Stadt Bernau

    1423 also stießen die Hussiten sogar in die Mark vor und rannten u.a. von Nordosten
    her zwischen dem Bernauer Stein- und (dem später abgerissenen) Mühlentor gegen die Mauer der Stadt an - mit eklatantem Misserfolg. "Die (Bernauer) Weiber thaten dabey Wunder der Tapferkeit", schreibt der Historiker Jacques Lenfant 1729 in seiner Chronik des Hussitenkriegs. Siedendes Bier und Wasser sowie kochenden Hirsebrei hätten sie auf die Scheitel der anrennenden Böhmen abgekippt; auch heißen Treberpamps, der immer vorrätig war, denn bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde hier ein haltbares Schwarzbier mit einem gut dosierten, dem Gaumen wohltuenden Bittergeschmack gebraut. Dank ihrer gut organisierten Verteidigung konnten die Bernauer die Stadt so lange halten, bis Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg mit einem Heer eintraf und die Angreifer auf dem "Rothen Feld" (etwa zwischen der Rüdnitzer und Albertshofer Chaussee nahe der Pankequelle) schlug. Im Siegesrausch soll der Spruch entstanden sein: "Der Bernausche heiße Brei macht die Mark hussitenfrei!" Ganz sicher waren es besonders die in Schuss gehaltene Stadtmauer mit ihren armbrustbreiten Laufgängen wie das zu Mobilisierung fähige Verteidigungsmanagement der vier damaligen Bernauer Bürgermeister Hermann Lutke, Hans Bekolt, Gregorius Sachtelewen und Hermann Heitze, von denen im Wechsel jeweils zwei als Schöffen agierten und zwei amtierten. Dieses effiziente Rotationssystem gegen Korruption und Amtsmissbrauch gab es seit mindestens seit 1406. Rund 250 Jahre später schuf es die zentralstaatliche Bürokratie ab.

    Dass die Bernauer zu einem differenzierten Verhältnis zu den Hussiten fanden, verdanken sie wohl auch einem der Ihren. Der Rektor, Prediger und von der Reformation geprägte Autor Georg Rollenhagen (1542 - 1609) nahm sich 1595 den Homer zugeschriebenen "Froschmäusekrieg" vor und machte aus ihm seinen "Froschmeusler", ein "komisch-didactisches Gedicht", das dem Reinecke-Fuchs-Epos vergleichbar ist. Um was geht es? Bei einem "Staatsbesuch" im Reich der Frösche wird der Mauskönig-Sohn Bröseldieb vom Froschkönig Sehebold Bausback auf dem Rücken übers Wasser transportiert. Das plötzliche Auftauchen einer Schlange führt zum Abtauchen des Frosches; der Mäuserich ertrinkt - ein Krieg bricht aus, bei dem sich beide Seiten nichts schenken. Am Schluss schlagen bei Fröschen und Mäusen unermessliche Verluste zu Buche, an denen sich die Aasfresser freudig gütlich tun. Weiter gewonnen ist nichts. - Durch die Gnade eines "rechtzeitigen Todes" erfährt der Friedensbeförderer Georg Rollenhagen nie von einer realen Tragödie, vom Dreißigjährigen Krieg, der neun Jahre später beginnt und die Stadt vorübergehend veröden lässt. Bernau war aber nicht nur Angriffsziel und Kriegsopfer. In seinen Mauern wird auch der berüchtigte Vorwand für den Beginn des II. Weltkrieges geprobt und durchgespielt. Das geschieht am 20. August 1939. In der Führerschule Bernau instruiert der Heydrich-Vertraute SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks die als polnische Partisanen verkleideten SS-Männer, wie der "polnischen Überfall" auf den Sender Gleiwitz am Abend des 31. August ablaufen soll. Geübt werden polnische Befehle und Alltagssätze. Der Bluff dient Hitler als Rechtfertigung für den Angriff auf Polen am Morgen des 1. September 1939.

    Bernau heute:


    Geht man heute durch die Stadt, besieht die spätgotische Marienkirche, ein unübersehbares Denkmal unverstellten Christenglaubens, die Stadtmauer mit ihrem Wall- und Grabensystem, das wuchtige Steintor (Foto) und das klassizistische Rathaus am Marktplatz, so fällt ins Auge, dass Bernau den II. Weltkrieg glimpflich überstand. In Konrad Wolfs Film "Ich war neunzehn" wird die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee geschildert. Wolf selbst - heute Ehrenbürger - war als Angehöriger der Sowjetarmee einige Zeit lang Bernauer Stadtkommandant. Und verfolgt man den Betrieb und das Getümmel beim alljährlichen Hussitenfest mit seinem Festumzug in fünfzig Bildern, bei dem auch kostümierte Hussiten mitmarschieren und auf den Fahnen ihr Symbol, den roten Laienkelch, zeigen, wird augenfällig, dass Bernau nicht den Sieg über die Böhmen feiert, sondern - zusammen mit tschechischen Gästen - die Freude über die erhalten gebliebene sehenswerte Innenstadt zum Ausdruck bringt. Wie sonst wäre es vorstellbar, dass beim hussitischen Táborská setkání (Treffen von Tábor) alljährlich im September in der südböhmischen Stadt auch Bernauer Hussiten-Darsteller als Brüder im Geiste empfangen werden. Und so formulierte Georg Rollenhagen zu Recht am Schluss seines lustig-ernsten Froschmeusler-Gedichtes: "Besser ist Frieden mit Beschwerlichkeit, / Denn Krieg mit eitel (einer angeblichen) Gerechtigkeit".
    Einkaufen gehen die Bernauer in der Bahnhofs-Passage Bernau.

    Wege nach Bernau:
    Von Berlin aus ist die Stadt bequem mit der S-Bahn S2 zu erreichen.
    Mit dem Auto benutzt man am besten die Bundesstraße 2 über Weissensee und Malchow. In Bernau ist es anzuraten, den ausreichend großen Parkplatz außerhalb der Stadtmauer an der links abzweigenden Ladeburger Chaussee anzufahren. Der Fußweg in die Innenstadt beträgt ca. fünf Minuten.
    Text: -wn- / Stand: 15.07.2014

    Regelmäßige Veranstaltungen in Bernau:


  • Hussitenfest am 2. Juniwochenende
  • Festival Alter Musik
  • Kunst- und Handwerkermarkt (4 mal im Jahr)
  • Bernauer Gesundheitstage im September

  • Adresse der Stadtverwaltung:
    Marktplatz 2
    16321 Bernau bei Berlin



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