Fürstlich-Drehna: Auferstanden aus d. Dünen u. d. Restloch zugewandt

In keinem deutschen Ort kam man je auf die Idee, dem Ortsnamen ein so prächtiges Zierwort wie das Attribut "Fürstlich" voranzustellen.
Fürstlich-Drehna in Luckau
Das rekonstruierte und leuchtend weiße Wasserschloss
der Lynars - Foto © -wn-
Eine Ausnahme macht Drehna, jener über 700jährige, jetzt eingemeindete Ortsteil der Stadt Luckau im Landkreis Dahme-Spreewald. Wer Fürstlich-Drehna im Naturpark Niederlausitzer Landrücken westlich Calaus ansteuert oder - noch besser - ihn einmal überfliegt, dem wird sich der Gedanke aufdrängen, dass man da unten besser "Glücklich Drehna" hieße. Denn der Flecken wurde vom ehemaligen Braunkohlentagebau Schlabendorf/Süd nur knapp verfehlt; er verlor gerade mal, schlimm genug, ein Stück Park. Auch die Wälder nach Süden hin blieben erhalten. Zu seinem Namenszusatz kam die ehemals landwirtschaftlich dominierte Standesherrschaft - nun also in Restlochlage -, nachdem einer der zahlreichen Besitzer, Graf Moritz Ludwig Ernst zu Lynar, Gutsherr und Kammerjunker in diplomatischen Missionen, als Dank für Vermittlungsdienste 1806 in den österreichischen, später preußischen Fürstenstand erhoben worden war. Ein seltener Fall, dass jemand aus einer Kuhbläke gefürstet wurde - und die Kuhbläke gleich mit. Das Geschlecht der Lynars war aber sowohl bodenständig wie auch weltläufig.

Fürstlich-Drehna ist ein Ortsteil von Luckau


Den Odem des Altadeligen verbreitet heute das rekonstruierte und leuchtend weiße Wasserschloss der Lynars (Foto), das im 13. Jahrhundert nahe einer alten
slawischen Burganlage errichtet worden war. Die beiden starken Rundtürme sowie der quadratische Torturm mit achteckigem Fachwerkaufsatz einschließlich des Giebels mit Elementen aus Gotik und Renaissance prägen das Bild des Hauses. In ihm können betuchte Gäste heute für gehobene Übernachtung, Wellness- und Beautyanwendungen, Erlebnisduschen und die versuchsweise Kräftigung schlaffer Hautpartien ihr Geld ausgeben. Vermutlich ist in der Jungbrunnen-Abteilung des Hotels noch gar nicht bekannt, dass hier der "Nieder-Lausitzischer Methusalem" lebte. Der Drehnaer Pfarrer Christoph Crusius berichtet 1730 vom Gutsinspektor Martin Kaschken, der 117 Jahre alt geworden sein soll. Im Alter von 87 Jahren habe er mit seiner dritten Frau noch ein Kind gezeugt. Medikamente? Nie benutzt, "außer daß (ich) alle Morgen ein Hand voll meines eigenen Urins statt des Thees oder Brandeweins einschluckte, und hiedurch wieder alle Seuchen und Kranckheiten gantz glücklich mich verwahrete."

Zu helfen wusste sich auch die im Wasserschloss einst einwohnende verwitwete Herzogin Emilie Agnes von Sachsen-Weißenfels (1667-1729). Eines Tages war es ihr gründlich leid, den Schmeichlern und Schmusern in ihrer Umgebung weiter zuzuhören. Sie stellte kurzerhand eine Hofnärrin namens Kathrin Lise ein - die einzig so bestallte wohl in Mitteldeutschland. Die Frau, von der erwartet wurde, dass sie sich den Anschein von Dummheit gibt, war superklug und witzig. Mit ihr konnte die Herzogin endlich über alles reden. Ins Dorf kam auch der junge Ernst Gottlieb Woltersdorf (1725-1761), ein idealistischer evangelischer Pfarrer, der bereits wusste "wie schwer sichs predigt, wenn niemand hören will". In Drehna fanden, wie Fontane berichtet, seine gefühlsbetonten Predigten großen Widerhall, vor allem auch, weil er seine Kanzelreden durch eigene Gedichtzitate aufzulockern wusste. Leider starb er sechsunddreißigjährig und hinterließ eine Unmasse überlanger, unsingbarer Lieder. Aber auch eine immaterielle Person geistert durch Drehnas Umkreis: Meister Flick aus einem Roman Volker Brauns, der im hiesigen Tagebaumilieu spielt. Flick hat trotz solcher geistloser Parolen wie "Meine Hand für mein Produkt" oder "Mein Arbeitsplatz - mein Kampfplatz für den Frieden" stets versucht, ordentliche Arbeit abzuliefern. Man dankte es ihm nicht. Heute ist er arbeitslos, bekommt dann und wann einen 1-Euro-Aufräum-Job in der ausgekohlten Gegend, die es - wie Braun schreibt - "hinter sich hat".

Zukünftig wird das Örtchen an drei Seen mit hoffentlich rutschfesten Ufern liegen, an denen sich Badegäste Wasserwanderer und Naturfreunde aller Coleur tummeln werden. In einer Chronik wird das frühere Drehna beschrieben: "Auf der einen Seite ist (es) mit Wald und Heyde, und auf der anderen mit einem lieblichen Wein-Gebürge, Wasser und Teichen umgeben." Zurzeit kontrastieren in dieser schwer beschädigten Landschaft im ehemaligen Niederlausitzer Braunkohlerevier einige erhalten gebliebene Wiesen, Äcker, Fischteiche und ländliche Parkanlagen und die erst zum Teil mit Wasser gefüllten Restlöcher der Tagebaue. Manche der dünenähnlichen Areale gleichen Mondlandschaften. Doch in sie zieht sichtbar neues Leben ein. In den Binnendünen des Schlabendorfer Restlochs findet eine grandiose Auferstehung des Drehnaer Umlands statt. Mehrjährige Roteichenaufforstungen beenden bisherige Kargheit wie auch das elegante Land-Reitgras, das sich wie die ruhige Dünung eines gewaltigen Ozeans ausnimmt. Überlebenskünstler wie der hell gezackte Wiener Sandlaufkäfer, der seltene Sandohrwurm und die Ödlandschrecke, ein ausgebuffter Farb-Opportunist, sind schon zur Stelle. Vor Ort auch der Flussregenpfeifer, Vogel des Jahres 1993, der Steinschmätzer, erkennbar am maskenartigen Augenstreif, und der Kiebitz mit seiner markanten Haube auf dem Kopf. Brandenburgs größte Lachmöwenkolonie ist mittlerweile hier beheimatet. Drehna hat Josephs Glück, es wächst wie an einer Quelle, mutmaßte seinerzeit Pfarrer Crusius unter Anspielung auf eine Stelle der Josephsgeschichte im 1. Buch Mose. Einiges spricht dafür, dass diese Erwartung nicht in den Wind gesprochen ist.

Wo Fürstlich-Drehna liegt:
Man erreicht es über die Autobahn A 13. Nach der Abfahrt Calau fährt man in Richtung Crinitz über Mallenchen nach Fürstlich Drehna. Wer lieber die Bundesstraße 96 von Berlin aus benutzen möchte, fährt auf ihr bis Luckau und biegt dort in Richtung Bergen ab.
Text: -wn- / Stand: 06.07.2014

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