Letschin im Oberoderbruch - Saure Gurken spielen Schicksal

Preußenkönig Friedrich II. schätzte deftige und erlesen gewürzte Speisen. In den sechs Schüsseln, die in Sanssouci mittags gewöhnlich auf den Tisch kamen,
Schinkelturm in Letschin
Der Schinkelturm in Letschin - Foto © -wn-
servierten die Lakaien häufig seine geliebte, schwer verdauliche Polenta aus Käse und Maisgries; überliefert ist das üppige Wildragout a la Fürstenwalde mit Krakauer Würstchen. "Saure Gurke ist auch Compot", meinte Friedrich, und nahm sie in beeindruckenden Portionen zu sich, glaubte er doch, mit der Gurkenkur seine Gicht zu lindern. Tatsächlich löste er oft Magenkrämpfe aus, vor allem Blähungen, die es seiner italienischen Windspiel-Hündin Biche schwer machten, den Bei-Fuß-Befehl fortwährend zu befolgen. Während er sich, neben anderen leiblichen Selbstbeschädigungen, mit Gurken ruinierte, war ausgerechnet dieses Fruchtgemüse 1945 in Letschin im Oberoderbruch mit im Spiel, als es dort darum ging, sein Andenken zu bewahren. Beherzte Bürger retteten die im Ort aufgestellte Bronzeskulptur des Bildhauers Hans Weddo von Glümer vor dem Einschmelzen. Einige Zeit lang lagerte das von einem Schuss getroffene Standbild hinter Fässern einer Gurkeneinlegerei, bald darauf im Heu einer Scheune. Die sowjetischen Stellen hatten das Entfernen der im Oderbruch zahlreich aufgestellten Denkmäler des Preußenkönigs keineswegs befohlen. Dennoch erwiesen sich die neuen deutschen Behörden mit ihrem einfach gestrickten Geschichtsbild als fanatische Denkmalsstürmer.
 
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    Wissenswertes über Letschin

    Und obwohl weder die 3000-Seelen-Gemeinde Letschin noch das übrige Ober- und Unter-Oderbruch ein Hort des Monarchismus ist, bleibt der in keine Schublade
    passende Gurkenliebhaber in dieser Gegend ein angesehener Mann. Man erinnert sich, dass er die Letschiner persönlich vor den Übergriffen des prügelnden Staatsbeamten Horn schützte, nachdem im November 1749 beim König eine "Original-Klage" der Betroffenen eingegangen war. Der Adressat wies an, die Sache zu untersuchen und diese "nicht so obenhin (also oberflächlich) zu tractiren". Seit 1990 steht das restaurierte Denkmal auf neuem Sockel wieder in der Ortsmitte. Die knapp drei Meter hohe Skulptur zeigt Friedrich in Feldbeschauerpose, bekleidet mit - was sonst - dem Überrock seines Leibregiments, dazu Dreispitz und Schaftstiefel. Der tiefere Grund für seine Popularität liegt in seinem Einsatz für das Bruch samt der launischen Oder. "Ein starkes Drittel meiner Länder liegt brach, ein anderes Drittel besteht in Holzungen, Flüssen oder Morästen", hatte der Frühaufsteher in einer seiner berühmten "Morgenstudien" räsoniert. Und zwischen 1747-1753 ließ er mit landesväterlichem Gestus und eigenem Geld das Bruch trockenlegen. Um den Fluss schneller zu machen und so die Hochwassergefahr zu mindern, wurde zwischen Güstebiese und Hohensaaten ein knapp 19 Kilometer langer Kanal ausgehoben und eingedeicht, in dem die Oder noch heute fließt. Eine etwa 25 Kilometer lange Schleife wurde so aus dem Flussverlauf genommen und im Bogen des abgeschnittenen Flussarmes melioriertes Land für Neusiedler gewonnen.

    Das fast 700 Jahre alte Bauerndorf Letschin hatte von der Melioration und dem weiteren Zustrom an Siedlern sein Gutes. Nach dem landwirtschaftlichen Aufschwung siedelten sich Anfang des 19. Jahrhunderts im Ort nun auch Handwerker und Händler an; es entstanden eine Zucker- und Stärkefabrik, eine Brauerei, eine Branntweinbrennerei sowie Öl- und Getreidemühlen. Theodor Fontane, der in der väterlichen Apotheke in Letschin 1844/45 ein Praktikum absolvierte, umgab diese Betriebsamkeit mit literarischem Flair. Zum einen erwähnt er das Dorf in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" als idyllischen (von ihm allerdings wenig geliebten) Ort, in dem "jedes Haus drei, auch vier Storchennester" auf dem Dach hatte. Auch die Anregung für seine Kriminalnovelle "Unterm Birnbaum" bekam er hier. 1842 fand man bei Erdarbeiten im Garten des heutigen gemütlichen Gasthauses "Zum Alten Fritz", dem damaligen Hirschlaffschen Gasthof, unter einem Birnbaum das Skelett eines Getreidehändlers und verdächtigte den vormaligen Wirt Fittig des Mordes. Der Kriminalfall war nichts gegen das Sterben und Krepieren, das im April 1945 einsetzt. Nach dem Willen Hitlers wird das Bruch zum größten Schlachtfeld des Zweiten Weltkrieges auf deutschem Boden. Im sechs Kilometer entfernten Kienitz, wo heute ein Panzerdenkmal zu sehen ist, bilden Vorausverbände der 1. Belorussischen Front der Roten Armee einen ersten Brückenkopf. Es beginnt Tage später die Schlacht um die Seelower Höhen. 82000 sowjetische und deutsche Soldaten finden allein hier den Tod. Das nur zehn Kilometer entfernte Letschin liegt am Schluss weitgehend in Schutt und Asche, auch die Kirche fiel nach Treffern in sich zusammen. Einzig der Turm (Foto), ein blendengeschmücktes Backsteinoktogon, blieb erhalten. Karl Friedrich Schinkel hatte es 1818/19 an die Kirche angebaut.

    Wer im Sommer den Ort zu Fuß verlässt und über die umliegenden ehemaligen Kriegsschauplätze vorbei an Hainen, Rainen und Gesträuchen geht, der hört bei etwas Glück wie - nach dem Empfinden Ludwig van Beethovens - "das Schicksal an die Pforte pocht". Es nisten nur noch wenige Goldammer-Paare hier. Der auch Ortolan genannte Vogel soll den Komponisten die Idee für das einleitende Hauptmotiv seiner Fünften Sinfonie geliefert haben. Und so geht die Fünfte ja tatsächlich auch los: "Zi-zi-zi tüh".

    Wie man nach Letschin kommt:
    Von Berlin aus benutzt man mit dem Auto die B 1 Richtung Seelow. Dort biegt man auf die B 167 links Richtung Letschin ab.
    Für die Rückfahrt ist zu empfehlen, durch das Bruch Richtung Bad Freienwalde mit einem Abstecher nach Zollbrücke (Theater am Rand) zu fahren und für die Rückfahrt die B 158 Richtung Werneuchen zu benutzen. Der 630 km lange Europaradweg R1 von Nova Ves nördlich von Liberec (Tschechien) nach Ahlbeck führt durch das Oderbruch.
    Text: -wn- / Stand: 11.06.2014

    Adresse der Gemeindeverwaltung:
    Bahnhofstr. 30 A
    15324 Letschin



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