Die Himmelspagode in Hohen Neuendorf: Speisen wie der Kaiser von China
Der monumentale Gourmet-Tempel mutet in dem kleinstädtischen Hohen Neuendorf südlich von Oranienburg schon sehr exotisch an. Die "Himmelpagode", wie sich das überdimensionale Chinarestaurant nennt, ist nicht einfach nur eine feine Adresse für chinesische Esskultur, sondern aufgrund der eindrucksvollen Architektur mittlerweile auch ein Sightseeing-Highlight für Berlin-Besucher geworden. Ganze Busladungen voller Touristen zücken ihren Fotoapparat, um den schillernden Prachtbau mit seinen Drachensäulen, Zierfischteichen und der riesigen goldenen Buddhafigur abzulichten. Eyecatcher im Inneren der Pagode ist ein über alle drei Etagen reichender, 16 Meter langer Kronleuchter, der aus sagenhaften 770 Kilo Kristall, 570 Kilo Messing und 420 Leuchten besteht.
Vorbild für die dreistöckige Pagode war übrigens der Himmelstempel von Peking, in welchem in der Ming- und Quing-Zeit die Kaiser dem Himmel ihre Opfer darbrachten und für eine reiche Ernte beteten. Kein Wunder, dass die Himmelpagode in Hohen Neuendorf innen wie außen ganz in den Lieblingsfarben des Kaisers gehalten ist: Während das Dach in goldfarbenen Ziegeln gedeckt ist, sind Fenster und Türen in der Glücksfarbe Grün gestrichen. Die weißen Geländer sowie die ebenfalls blütenweißen Skulpturen, die allesamt von Hand in China gefertigt worden sind, stehen - farbsymbolisch gesehen - für das reine Gewissen des Kaisers gegenüber seinem Volk.
Kaiserzeiten sind zwar sowohl bei uns Deutschen wie auch im kommunistisch-totalitären China längst passé, dafür kann in der Himmelpagode nun das Volk selbst himmlischen Genüssen huldigen. Auf der umfangreichen Speisekarte stehen die klassischen Speisen der "Vier Grossen Schulen der Kochkunst": der Pekinger-, Shanghaier-, Kantoner- und Sichuan-Küche. Allein schon das Lesen der Speisekarte ist ein Erlebnis,
findet man darauf doch für die Gerichte lustige Namen wie z.B. "Glückliches Huhn", "Betrunkenes Huhn", "Neugieriges Schwein", "Schwein auf Abwegen" oder "Wilder Stier". Und wer einmal wirklich authentisch speisen möchte, sollte sich die Extrakarte für traditionelle chinesische Zubereitung bringen lassen, denn hier verzichtet die Küche auf die ansonsten üblichen, dem europäischen Geschmack geschuldeten Geschmacksverstärker. Manche Kritiker bemängeln zwar, die Küche der Himmelspagode sei inzwischen, nachdem das Restaurant kein Geheimtipp mehr ist, zur Touristenabfertigung verkommen und die Qualität der Speisen habe etwas gelitten. Doch nichtsdestotrotz ist die Himmelspagode nach wie vor einer der besten Restaurants für extravagante fernöstliche Küche und einen Ausflug nach Hohen Neuendorf allemal wert.
Wer nicht ganz so weit ins nördliche Berliner Umland hinausfahren und sicherstellen möchte, auch tatsächlich allerhöchste kulinarische Genüsse zu erleben, hat seit April 2006 auch die Möglichkeit, dies in der "Filiale" der Himmelspagode zu tun. In der "Silverpagoda", die sich in der Gourmetabteilung des KaDeWe befindet, kann man am Rundtresen Platz nehmen und den Köchen mit eigenen Augen zusehen, wie sie Köstlichkeiten wie z.B. Zanderfilet mit Wasserkastanien und Mandarinen oder gebratene Garnelen mit grünem Spargel in tibetanischer Safran-Sauce zubereiten.
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