Gransee: Von dicken Mauern und einem falschen Waldemar Im hohen Norden Brandenburgs, eingebettet in die eindrucksvolle Naturlandschaft "Ruppiner Land" bzw. den "Stechlin", liegt das kleine historische Städtchen Gransee.
Gransee in Brandenburg
Die Stadt Gransee in Brandenburg Landkreis Oberhavel
Hier, etwa eine Autostunde von Berlin entfernt, kann man Natur und Kultur gleichermaßen tanken. Das wusste bereits Theodor Fontane, der Gransee als "die festeste Stadt der Grafschaft Ruppin" bezeichnete und dem "Stechlin" seinen letzten großen Roman widmete.
Umgürtet von einer stattlichen Wehrmauer und weithin sichtbar überragt von der doppeltürmigen Marienkirche, dem markanten Wahrzeichen der Stadt, lockt die einst so wehrhafte Stadt heute eher die Besucher an als dass sie sie fernhalten will. Von der alten Stadtmauer von Anfang des 14.Jahrhunderts sind heute, in seltener Vollständigkeit, noch die Weichhäuser, der Pulverturm und das Ruppiner Tor erhalten.

Doch es ist eine eher unscheinbare Durchfahrt seitlich neben dem markanten Ruppiner Tor, um die sich die interessanteste Geschichte rankt. Das so genannte "Waldemartor" musste zugemauert werden, nachdem Gransee auf die Schwindeleien eines "falschen Waldemar" hereinfiel, der sich als der bereits verstorbene Markgraf Waldemar ausgab und behauptete, er habe seinen Tod nur vorgetäuscht, um unbehelligt eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen. Nun, da er wieder zurückgekehrt sei, wolle er wieder sein Land regieren, woraufhin einige Städte der Mark Brandenburg dem Betrüger bereitwillig ihre Tore öffneten - darunter auch Gransee. Als der Schwindel aufflog, musste Gransee auf Geheiß des Bayernfürsten, dem seit Waldemars Tod die Mark gehörte, zur Strafe das Tor, durch das dieser gezogen war, zumauern und neben dem alten ein neues Tor bauen. Erst 1818 gestattete der König von Preußen die Öffnung des alten Stadttores.

Sehenswürdigkeiten in Gransee
Ein guter Rundumblick über Gransee ist von der Spitze des Marienkirchturms garantiert. Von hier aus erkennt man nicht nur die schachbrettartige Anordnung der Straßen,
umschlossen vom Rund der Stadtmauer - ein Ergebnis des letzten großen Stadtbrandes von 1711 und dem darauf folgenden Wiederaufbau. Man wird sich von hier aus auch der besonderen Grenzlage der Stadt gewahr: Im Süden der Stadt erstrecken sich weite Ackerflächen, während sich im Norden der endlose Wald mit den in alten Zeiten unpassierbaren Seen und Sümpfen anschließt.

Älter als die Stadtmauer ist das ehemalige Franziskanerkloster am Nordrand der Stadt. Von dem einst mächtigen Bau sind heute allerdings nur noch Reste erhalten, in deren Räumlichkeiten eine Ausstellung zur Stadtgeschichte untergebracht ist. Darüber erfährt man auch einiges im Heimatmuseum, dem ehemaligen Armen- und Siechenhaus, das zum ersten mal um 1340 erwähnt und bis 1990 als Altenheim und Hospitalkapelle genutzt worden war. Heute sind dort in den Ausstellungsräumen Dioramen, ein Stadtmodell um 1930 und ein Siechenzimmer aus der Zeit der Hospitalnutzung sowie ein Königin-Louise-Salon untergebracht. Apropos Königin Louise: Die Blaublüterin verbindet eine der traurigsten Geschichten mit der Stadt Gransee. Sie starb 1810 bereits im Alter von 34 Jahren auf Schloss Hohenzieritz in Mecklenburg. Der Trauerzug zurück nach Berlin übernachtete in Gransee. Zum Gedenken errichteten die Bürger ein Denkmal nach Entwürfen Schinkels.
 
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